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Vom Brett gefegt!

Freitag, 16.05.2014 | 17:11 Uhr
Chris Paul am Boden, umzingelt von Fans der Oklahoma City Thunder
© getty
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Quo vadis, Chris Paul? Erneut hat der vielleicht beste Point Guard der Liga einen Vorstoß in die entscheidenden Playoff-Runden verpasst. Nach dem 98:104 (hier geht's zur Analyse) der Los Angeles Clippers gegen die Oklahoma City Thunder muss er sich der Kritik stellen. Woran ist er gescheitert - und was macht Hoffnung für die kommenden Jahre?

Eine Pressekonferenz kann so grausam sein. Nur Minuten nach einem bitteren Playoff-Aus muss man sich den Fragen der Reporter stellen, obwohl man in diesem Augenblick sicherlich lieber am anderen Ende der Welt wäre. Und, sind wir mal ehrlich: Die meisten Fragen bei solchen Pressekonferenzen dienen nicht gerade als Beispiel übersprudelnder Originalität. Woran lag es? Wie geht es dir? Was jetzt?

Das Paradoxe ist ja: Je besser man ist, desto öfter muss man sich dieser Tortur stellen. Und selbst die NBA-Superstars erwischt es (fast) jedes Jahr aufs Neue. Ihr habt so lange geführt - wie konnte das passieren? Was könnt ihr besser machen? Respekt an die Spieler, die sich mit mehr oder minder hohlen Phrasen durch diese Fragerunden kämpfen, während ihr Minenspiel vor allem eins signalisiert: Lasst mich doch alle in Ruhe.

Wenige Minuten nach der bitteren Pleite gegen die Thunder musste dann auch Chris Paul ins Blitzlichtgewitter treten. Blake Griffin war dabei, und wahrscheinlich war Paul froh, dass er seinem Teamkameraden das erste Wort überlassen konnte - nachdem sich beide eine Weile angestarrt hatten: Bitte mach du, ich will nicht. Ich kann nicht.

Die Chance kommt nicht oft

Schließlich ergriff CP3 dann doch das Wort. Langsam schüttelte er den Kopf, als könne er es selbst noch nicht begreifen, mit hängenden Schultern, den Blick starr nach unten gerichtet. Aber seine Antwort verriet eine Menge über sein Innenleben.

"Ja... Es ist hart. Es ist hart." Und dann: "Man bekommt nicht oft die Chance, in einem Team zu spielen, das so gut ist." Danach musste sich der 29-Jährige erst einmal räuspern.

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Paul muss es wissen. Die ersten sechs Jahre seiner Karriere hatte er bei den Charlotte/New Orleans Hornets verbracht, bei einem in guten Jahren mittelmäßigen, in schlechten Jahren richtig miesen Team. Dort hatte er sich zum Point-Guard-Prototypen gemausert, dreimal die Playoffs und einmal die zweite Runde erreicht. 2011 ging es nicht zu den Lakers, dafür dann aber zu den Clippers. Noch dreimal Postseason, teilweise aberwitzige Stats, aber wieder nur die zweite Runde. Trotz Doc Rivers, Blake Griffin, DeAndre Jordan und Jamal Crawford.

"Sich jetzt klarzumachen dass es vorbei ist - das tut weh."

In sechs Spielen gegen OKC auszuscheiden ist keine Schande. Pauls Stats lesen sich wie eigentlich immer richtig gut. 22,5 Punkte bei 51 Prozent aus dem Feld, 12 Assists pro Spiel. Unvergessen seine Dreierparade in Game 1, nach sechs Spielen waren es 15 von 33. "Point God" eben.

Von Westbrook abgelöst?

Aber eben auch wieder das vorzeitige Aus. Wieder nicht einmal in die Nähe der ersehnten Championship. Und so langsam aber sicher werden die Stimmen der Kritiker lauter: Ist er wirklich so gut, wenn er sein Team in den Playoffs nicht weiterbringen kann? Gerade mit diesem talentierten Clippers-Team? Schließlich hat Paul, wie er selbst zugab, den womöglich entscheidenden Vorsprung in Game 5 in den Sand gesetzt. Vielleicht ist Tony Parker eben doch der bessere Aufbauspieler, wenn auch nicht in den Boxscores. Vielleicht läuft ihm Stephen Curry schon den Rang ab.

Oder Russell Westbrook. Dieser Westbrook, diese Antithese zum gepflegten Point-Guard-Spiel. Selbst Paul würde zugeben: Der Thunder-Guard hat das Duell mit Paul gewonnen, nicht nur in den letzten Sekunden von Spiel 5. 27,8 Punkte (49 Prozent Trefferquote), 8,8 Assists, 6 Rebounds, 57(!) Freiwürfe in der Serie. Westbrook trat öfter als Alphatier in Erscheinung als Paul, OKC hatte auch den zweitbesten Spieler in dieser Runde.

Hadern mit sich, Russ und den Referees

Man konnte Paul anmerken, wie ihm neben dem Ärger über die eigenen Fehler ("Spiel 5 geht ganz allein auf meine Kappe") auch sein Gegenspieler jede Menge Bauchschmerzen bereitete. Allen sympathischen Werbespots zum Trotz: Auf dem Court ist CP3 ein giftiger, die Regeln biegender, bisweilen dreckiger Spieler. Aber gegen RW0 war diese, im Englischen so hübsch "Gamesmanship" genannte, Taktik wirkungslos. Es gelang den Clippers nicht, in Westbrooks Kopf zu kommen.

Chris Paul gewinnt Schachspiele, indem er den Gegner unbarmherzig einengt, ausspielt und schließlich mattsetzt.

Westbrook dagegen gewinnt Schachspiele, indem er sämtliche Figuren vom Brett fegt und dieses dann über dem Schädel des Kontrahenten zertrümmert.

Dass dieser ständig anstürmende Bulle in einem vor Athletik nur so strotzenden Körper dann für sein zuweilen kopfloses Spiel auch noch belohnt wird, ist ein weiterer Fakt, mit dem sich Paul nicht anfreunden kann. "KD und Russ haben zusammen mehr Freiwürfe gehabt als unser gesamtes Team. Wenn sie jedes Mal an die Linie geschickt werden, macht es das natürlich nicht einfacher."

Es war der einzige Moment in der Pressekonferenz, in dem sich der auf und abseits des Parketts so kontrolliert auftretende, siebenfache All-Star etwas Bitterkeit erlaubte. Denn eigentlich war sein Blick schon auf die nächste Saison gerichtet: "Es wird ein langer Sommer, das ist sicher."

"Er wird noch besser sein"

Ein weiterer Anlauf in Sachen Larry O'Brien Trophäe. Den Vorstoß eines Reporters, der ihn auf seine magere Playoff-Bilanz ansprach, wehrte er da schon wieder so souverän ab, wie er sonst nur die Clippers-Offense dirigiert: "Das hier ist kein Tennis. Hier geht es nicht um mich, wir spielen nicht eins-gegen-eins. Es geht nicht um die zweite Runde, es geht um den Titel. Niemand spielt in dieser Liga um die Finals oder gar die Western Conference Finals."

Um diesen Einzug in die Finals spielen mit den Thunder und den Spurs nun erneut zwei alte Bekannte, während Chris Paul seinen Urlaub buchen kann. Ob die Chancen auf den ersehnten Titel in Zukunft steigen, ist fraglich. "Er ist die Seele unseres Teams", betonte Doc Rivers. "Er kommt zurück und wird bereit sein. Er wird noch besser sein." Aber: Gerade den deutschen Fans wird ein Spieler einfallen, den alle Experten nach vielen bitteren Niederlagen schon längst abgeschrieben hatten - und der dann doch noch seine Sternstunde erlebte.

Die Playoffs im Überblick

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