Dienstag, 08.06.2010

Celtics-Manager Danny Ainge im Porträt

"Sein Blut ist grün!"

Danny Ainge war kein begnadeter Spieler, er ist als Manager kein Genie, aber dennoch hat er den Erfolg gepachtet. Weil er für einen Sieg alles tut - und weil er immer wieder vom Glück geküsst wird, findet SPOX-Redakteur Philipp Dornhegge.

Celtics-General-Manager Danny Ainge und Bostons Finals-MVP-2008 Paul Pierce
© Getty
Celtics-General-Manager Danny Ainge und Bostons Finals-MVP-2008 Paul Pierce

Schauplatz Cleveland: Die Cavaliers bitten in den Eastern Conference Semifinals die Boston Celtics zum Tanz. In Spiel zwei in der heimischen Quicken Loans Arena macht das beste Team der regulären Saison keinen guten Eindruck und ist auf dem Weg zu einer deutlichen 86:104-Pleite. Das Ergebnis ist so klar, dass es eigentlich keinen Grund für erhitzte Gemüter gibt.

Wäre da nicht Danny Ainge, seines Zeichens President of Basketball Operations der Celtics. Der 51-Jährige sitzt an diesem Abend hinter dem Korb. Als in der zweiten Halbzeit Cavs-Forward J.J. Hickson an die Freiwurflinie tritt, hat Ainge seinen großen Auftritt: Hickson verwirft seinen ersten Versuch - Ainge klatscht begeistert.

Bevor Hickson seinen zweiten Wurf nehmen kann, schnappt sich Ainge das Handtuch eines Balljungen und wirft es in die Luft.

Ein Ablenkungsversuch, der zwar misslingt  - der Freiwurf sitzt -, aber dennoch perfekt Ainges Wesen zusammenfasst: Der ehemalige Shooting Guard will gewinnen. Immer. Und er tut alles, was dafür nötig ist.

Dass er dabei den Hass der Gegner und der gegnerischen Fans auf sich zieht, ist ihm herzlich egal.

Tagelang beschwerten sich die Zeitungen in Cleveland über diesen unsportlichen Mistkerl, der sich offenbar für gar nichts zu schade sei. Dass Ainge seinen Job überhaupt noch ausüben darf, hat er allerdings überwiegend großem Glück zu verdanken.

Nur einmal im All-Star-Team

Zum einen, weil er 2009 einen Herzanfall komplett unbeschadet überstand.

Zum anderen, weil er von Celtics-Legende Red Auerbach verpflichtet wurde, der bis zu seinem Tod 2006 seine schützende Hand über ihn hielt. Auerbach war ein großer Fan von Ainge, weil dieser während seiner aktiven Zeit für die Celtics sein letztes Hemd für das Team gegeben hätte.

Seine Karriere als Spieler wurde unter anderem auch wegen dieser Einstellung zu einer einzigen Erfolgsstory, auch wenn er es nur einmal in ein All-Star-Team schaffte (1988).

Man muss ja nicht immer der Star sein. Ainge war hochzufrieden mit seiner Rolle, die ihm allerdings durchaus einigen Spott einbrachte: In einer Folge von "Eine schrecklich nette Familie" besucht Al Bundy das NBA-All-Star-Game - als die Stars des Spiels vorgestellt werden, sagt er: "Hier kommen sie, die diesjährigen NBA-All-Stars! Und Danny Ainge."

Humor auf Ainges Kosten, den der 1,93-Meter-Mann ohne Probleme wegsteckte. Denn in Wahrheit gehörte er zu den erfolgreicheren Spielern der Liga-Geschichte, und mit durchschnittlich 11,5 Punkten und 4,1 Assists hatte Ainge durchaus Anteil an den sechs Finals-Teilnahmen und den zwei Meisterschaften, die seine Teams erreichten.

Stars und Sternchen bei den NBA-Finals
Christina Aguilera sang vor dem Spiel die Nationalhymne
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Christina Aguilera sang vor dem Spiel die Nationalhymne
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Und heizte den Fans dabei schon ordentlich ein
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Und heizte den Fans dabei schon ordentlich ein
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Anschließend verfolgte sie angespannt das Spiel
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Diese beiden gehören fast schon zu jedem Lakers-Spiel: Kim Kardashian (links) und Schwester Khloe Kardashian
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Khloe (rechts) feierte ausgelassen den Erfolg von Ehemann Lamar Odom
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Schauspielerin Maria Menounos (One Three Hill, Fantastic Four) hatte als Celtics-Fan wenig Grund zur Freude
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Schauspielerin Maria Menounos (One Three Hill, Fantastic Four) hatte als Celtics-Fan wenig Grund zur Freude
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Courtney Cox-Arquette (Freinds, Scream) besuchte Spiel 7 mit Schauspiel-Kollegin Laura Dern (Jurassic Park)
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Schauspieler und Lakers-Fan Jack Nicholson baute sich direkt hinter Bostons Coach Doc Rivers auf
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Schauspieler und Ex-WCW-World-Heavyweight-Champion David Arquette ging im Fan-Outfit richtig mit
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Bekennende Lakers-Fans: Die Red Hot Chilli Peppers
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Oklahomas Russell Westbrook (links) war ebenso dabei wie NFL-Star Terrell Owens
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Rapper Usher (rechts) machte es sich in der ersten Reihe bequem
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Schauspieler Jeremy Piven (Old School, Scary Movie 3, Operation Kingdom) war ebenfalls dabei
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Finals, Spiel 2: Kim Kardashian verfolgte das zweite Spiel der Lakers gegen die Celtics ebenso gespannt wie...
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...ihre Mutter Kris Jenner und ihre Schwester Khloe, die mit Lakers-Spieler Lamar Odom verheiratet ist
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Schauspielerin Kaley Cuoco gestikulierte wild beim Halbzeit-Interview. Ein solches Spiel lässt eben keinen kalt...
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Hilary Swank war auch beim zweiten Spiel wieder vor Ort, diesmal im gelben Partnerlook mit ihrem kleinen Begleiter
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Finals, Spiel 1: Oscarpreisträgerin Charlize Theron ist selbstredend Lakers-Fan und hatte deshalb mächtig Spaß
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Wie "awesome" und "amazing" der Lakers-Sieg über die Celtics war, diskutierte sie dann mit Steven Spielberg und Jeffrey Katzenberg
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Und noch eine Oscargewinnerin: Auch Hilary Swank hatte ihren Spaß
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Servus, wir sehen uns bei Spiel 2 wieder. Na hoffentlich, so eine Diashow will schließlich wachsen
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Nach soviel holder Weiblichkeit gleich mal eine ganze Busladung lustiger Männer (v.l.): Chris Rock, David Spade, Kevin James, Adam Sandler
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Andy Garcia bereitet sich derzeit auf die Verfilmung der Autobiographie von Jean Pütz vor. Titel: "Ich hab da mal was vorbereitet"
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Die frühere Playboy-Mansion-Bewohnerin Bridget Marquardt nebst Bretzel und Ehemann Nick Carpenter
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Floyd "Ich bin nicht egozentrisch" Mayweather alias Pretty Boy. Die Brille ist gut, die Kette einen Tick zu feminin, wie wir finden
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Fast so wichtig für die Lakers-Rotation wie Kobe sind Lou Adler und Jack Nicholson. Adler war früher übrigens mal Manager von Cheech und Chong
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Nicholson ist allgegenwärtig im Staples Center. Hier horcht er Celtics-Star Paul Pierce und Headcoach Doc Rivers aus
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Jetzt mal ganz ehrlich. Wollen wir Leo DiCaprio ohne Bar Rafaeli an seiner Seite sehen? Na gut, aber nur ganz kurz
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Flea und Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers
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Snoop Dogg. Nuff said.
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Terrell Owens mit Hut und frisch gemeißeltem Oberarm. Der streitbare NFL-Star sucht noch einen Klub für die kommende Saison
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Stacey Keibler war früher Wrestlerin und ist heute Schauspielerin. 2004 war sie WWE Babe of the Year
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Sylvester Stallone war im 19. Jahrhundert Schwergewichtsweltmeister. Heute macht er böse Miene zum guten Spiel der Lakers
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Ainge schreckte auch vor Jordan nicht zurück

Mit 1002 verwandelten Dreiern gehört er noch heute zu den besten Distanzschützen der Geschichte. Aufgrund der Tatsache, dass er für die Celtics, die Sacramento Kings, Portland Trail Blazers und Phoenix Suns aktiv war, kam er in den Genuss, mit gleich mehreren Superstars seiner Zeit zusammen spielen zu dürfen. In Portland erreichte er mit Clyde Drexler 1992 die Finals, ebenso mit Charles Barkley in Phoenix 1993.

Zuvor traf er in Boston mit Larry Bird auf einen der besten Spieler aller Zeiten, die Verkörperung des Boston-Stils, der von Uneigennützigkeit, Kampfgeist und Kaltschnäuizgkeit geprägt ist. Eine Spielweise, die sich Ainge sofort einverleibte. In seiner Autobiographie erinnerte sich Bird lebhaft an eine Schlägerei, die sich Ainge mit dem 2,15 Meter großen Center-Riesen Tree Rollins lieferte. Gegenspieler Mario Elie warf er bei einem Einwurf einst den Ball mit voller Absicht mitten ins Gesicht.

Selbst vor Michael Jordan machte Ainge nicht halt. Ainge spielte hart, sicher auch manchmal unfair, aber immer mit vollem Einsatz, weshalb ihn die Celtics-Fans liebten. Als Auerbach Ainge 2003 als Manager zum Team zurückholte, stellte er ihn vor mit den Worten: "Die Zusammenarbeit wird großartig sein, weil Danny ein Arbeitstier ist. Er ist eine starke Persönlichkeit, er ist smart und sein Blut ist grün!"

NBA, Playoffs, Ergebnisse, Stand, Dallas Mavericks, San Antonio Spurs, Denver Nuggets, L.A. Lakers, Boston Celtics, Orlando Magic, Cleveland Cavaliers, Miami Heat, Phoenix Suns

Katastrophendeals vs. Glücksgriffe

Allerdings traf Ainge vor allem in den frühen Jahren seiner Tätigkeit Entscheidungen, die viele andere längst ihren Job gekostet hätten. 2006 etwa fädelte er einen Trade ein, als er unbedingt Sebastian Telfair holen wollte. Dafür schenkte er den 7. Pick im Draft her - einen Pick, der den Trail Blazers wenig später Brandon Roy einbrachte. Seinen Job konnte er nur retten, weil Katastrophendeals immer wieder auch Glücksgriffe gegenüberstanden.

Draft Picks wie Al Jefferson, Kendrick Perkins oder Rajon Rondo zum Beispiel. Die Verpflichtungen von Seattles Ray Allen und Minnesotas Kevin Garnett im Sommer 2007 verschafften Ainge gar zwei Jahre Ruhe. Boston stieg von einer der Lachnummern der Liga zum Champion 2008 auf, in der darauf folgenden Saison wurde das mäßige Abschneiden mit Garnetts Knieverletzung entschuldigt.

Dass Ainge diese beiden Trades nur aus Verzweiflung und unter großem Druck tätigte, weil er vorher vieles in den Sand gesetzt hatte und sein Starspieler Paul Pierce schon seinen Weggang androhte, darüber spricht heute kaum noch jemand. Dass er sein Team, um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen, bewusst älter machte und somit ein kompletter Neuaufbau in einigen Jahren unausweichlich sein wird, ist im Moment den meisten Fans zum Glück auch noch egal.

Ainge hat das Glück gepachtet

Dennoch sind seit dem Sommer 2009 die kritischen Stimmen erneut lauter geworden: Ainge kritisierte Rondo, den kommenden Star des Teams, für seine Sturheit und Arroganz. Er bot Allen öffentlich zum Trade an. Und er verpflichtete Nate Robinson, einen absoluten Egozocker. Weiter als der dreimalige Slam-Dunk-Champion kann man von der Celtics-Mentalität nicht entfernt sein.

Dass keine dieser drei Baustellen die Celtics innerlich zerstörte, war erneut pures Glück: Statt angefressen zu schmollen, wollte Rondo allen beweisen, wie gut er ist. Allen ist zu sehr Profi, als dass er sich von Gerüchten und Diskussionen aus der Bahn werfen ließe. Robinson stellte sensationell fest, dass Teamspiel doch keine schlechte Idee ist. Hätte nur einer dieser drei anders gehandelt, Bostons Saison wäre wohl längst beendet.

Und dann wäre Ainge der Dumme gewesen, für den ihn viele ohnehin halten. Stattdessen rissen sich alle drei wie das gesamte Team zusammen, entdeckten den Teamgeist pünktlich zu den Playoffs wieder und spielen nun gegen den Erzrivalen L.A. Lakers um die zweite Meisterschaft innerhalb der letzten drei Jahre.

Und Ainge? Der steht erneut da, als hätte er alles richtig gemacht. Was ein bisschen Glück zur rechten Zeit nicht ausmachen kann.

Finals: Lakers gewinnen Spiel 1 gegen Boston

Philipp Dornhegge

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