Analyse

Die ganze Welt in seinen Händen

Von Johannes Blumau
Freitag, 14.09.2007 | 08:30 Uhr
Boston Celtics, Ray Allen, Paul Pierce, Kevin Garnett
© Getty
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München - Es gibt diesen schönen Werbefilm. Kevin Garnett tritt aus einem Laden auf die Straße und hievt einen Mann auf seine Schultern.

Während er mit seinem Passagier weiter durch die Stadt geht, klettern zum von Etta James wundervoll intonierten Gospel-Klassiker "He's got the whole world in his hands" immer mehr Menschen auf seine Schultern, am Ende sind es vielleicht hundert.

Und Garnett trägt die immense Last mit Leichtigkeit und einem Lächeln auf den Lippen.

Der Spot ist ein paar Jährchen alt, hat aber nichts von seiner Mehrdeutigkeit verloren.

So wie Garnett damals die Minnesota Timberwolves bis ins Finale der Western Conference trug, so soll er jetzt bitteschön seinen neuen Klub, die Boston Celtics, aus einem tiefen Jammertal zurück ans Licht führen.

Vor 21 Jahren holten die Celtics ihren 16. und bis dato letzten Titel. Jetzt soll die Zeit gekommen sein für neue Höhenflüge.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Boston ist sozusagen der Gewinner der Offseason schlechthin. Wer sonst noch gut gerüstet ist für den Saisonstart am 30. Oktober, zeigt ein kleiner Überblick.

1. Boston Celtics

General Manager Danny Ainge stand das Wasser schon bis Oberkante Unterlippe, ehe ihm der große Coup mit den Verpflichtungen des siebenmaligen All-Stars Ray Allen und des zehnmaligen All-Stars Kevin Garnett glückte. Im Verbund mit Paul Pierce haben die Celtics ein Triumvirat zusammen, das den Rest der Liga in Angst und Schrecken versetzen kann.

Kein Zweifel, aus dem schlechtesten Team der Eastern Conference der vergangenen Saison (24 Siege, 58 Niederlagen) ist ein Titelanwärter geworden. Minuspunkte gibt es für den Spielaufbau, die Centerposition, die Bank und für die Tatsache, dass man Reggie Miller nicht zur Rückkehr aus dem Ruhestand bewegen konnte. Aber das wäre dann auch zu schön gewesen...

2. Houston Rockets

Kein Team hat sich wohl so umfassend erneuert wie die Rockets. Für Defensiv-Guru Jeff Van Gundy, der nach dem Playoff-Aus im Mai gefeuert wurde, kam Offensiv-Spezialist Rick Adelman. Der hat mit Rückkehrer Steve Francis, Mike James und Draft-Pick Aaron Brooks die Qual der Wahl auf der Spielmacher-Position. Im Frontcourt wird Yao Ming viel an Entlastung und Unterstützung erfahren durch zwei Neue aus San Antonio, den erfahrenen Argentinier Luis Scola und den Energiebolzen Jackie Butler.

Und dann wäre da noch Bonzi Wells, um für jede Menge Wirbel zu sorgen. Der 30-Jährige drohte unter Van Gundy zu versauern. In Reminiszenz an gute gemeinsame Tage bei den Kings wird er unter Adelman aufblühen. Die Rockets nehmen in der kommenden Saison die großen Drei aus San Antonio, Phoenix und Dallas ins Visier.

3. New York Knicks

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Knicks auf einer In-and-Out-Liste, einem Ranking, in der Rubrik Tops und Flops oder wie immer man es nennen möchte, auf der guten Seite auftauchen. Zugegeben, auch diesmal bestand nicht unbedingt die absolute Notwendigkeit.

Aber während sich im Zuge des Sex-Skandals um Chef-Coach und Team President Isiah Thomas schon wieder dunkle Wolken über dem Madison Square Garden zusammengebraut haben, will man mal nicht so sein. Um es kurz zu machen: Mit der Verpflichtung von Zach Randolph haben die Knicks einen richtigen Kracher gelandet. Sofern die Chemie stimmt, sind er und Eddy Curry eine Macht - auch wenn beide keinen Schimmer haben, was Defense bedeutet.

Steve Francis loszuwerden, war ebenfalls ein guter Schachzug, so sollten Jamal Crawford, Quentin Richardson und Mardy Collins sich besser entfalten können. Randolph ist ein streitbarer Geselle, um nicht zu sagen ein Pulverfass. Sollte es mit ihm schiefgehen, wird man im Big Apple einem Channing Frye kräftig nachweinen.

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