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Kai Gronauer im Interview: "Vor mir spielten Leute, die offensichtlich gedopt waren"

Mittwoch, 13.12.2017 | 09:06 Uhr
Kai Gronauer spielte lange Jahre im Farmsystem der New York Mets
© spox
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SPOX: Das ist jetzt vielleicht etwas unfair, aber: Wenn Sie das, was Sie in den Staaten erlebt haben mit dem vergleichen, was Sie in Regensburg vorfanden. Wo liegen da die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten?

Gronauer: Unfair ist das nicht. Man kann natürlich gerne Vergleiche ziehen. Ich glaube, wir sind hier mit dem Standort in Regensburg am nächsten dran, was Professionalität angeht (lest auch: der künftige Twins-Pitcher Niklas Rimmel im exklusiven SPOX-Interview). Wir versuchen eben das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen, so professionell wie möglich zu arbeiten, weshalb ich auch hierhergekommen bin.

SPOX: Wie muss man sich das vorstellen?

Gronauer: Nun, wir versuchen jetzt von der 1. Bundesliga, der 2. Liga, der Senioren und der Jugend ein einheitliches Konzept zu generieren, ähnlich wie in einer Major-League-Organisation, sodass die Übergänge zwischen den Mannschaften, was Spielphilosophie, Technik und Athletik angeht, nicht mehr so gravierend sind. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg, aber in Amerika gibt es das schon seit über 50 Jahren oder länger, weshalb wir hier erst ganz am Anfang stehen. Aber wir versuchen das Beste daraus zu machen, vor allem mit unserem Trainerteam, was wir hier haben: Stefan Müller (U18-Trainer), Martin Brunner (Coordinator Baseball Operations Europe & Germany der MLB), der auch nochmal hier ein bisschen aktiv ist. Jack Lind, den wir dahatten, Kevin König (U15-Trainer) jetzt, da haben wir eine richtig gute Truppe beisammen, mit der wir das wirklich von oben bis unten mit einer einheitlichen Philosophie durchziehen können.

SPOX: Wenn wir schon bei den Buchbinder Legionären sind. Wie lief denn Ihre Saison 2017?

Gronauer: Die Saison lief nicht ganz so gut. Wir haben einige Abgänge gehabt im letzten Jahr und haben uns dazu entschlossen keine neuen ausländischen Spieler mehr zu holen. Und wir haben drei Leute aus der Nationalmannshaft verloren, die aufgehört haben. Das haben wir alles mit dem Internat aufgefüllt mit jungen Spielern im Alter von 18 bis 20 Jahren. Damit hatten wir ein Durchschnittsalter von 20, 21 Jahren auf dem Platz in diesem Jahr. Da haben wir ein bisschen Lehrgeld bezahlt. Aber das wird schon. Von der Entwicklung her haben sie einen richtigen Schritt nach vorne gemacht.

SPOX: Wenn diese Entwicklung weitergeht, sehen Sie dann einen Meistertitel in absehbarer Zeit als möglich an?

Gronauer: Also im nächsten Jahr käme ein Titel noch ein wenig früh. Das wäre natürlich schön, da hätte ich nichts dagegen. Aber ein kleineres Ziel wäre es jetzt erstmal wieder in die Playoffs zu kommen und im Viertelfinale, vielleicht sogar im Halbfinale zu spielen. Ich denke mal, das Potenzial haben wir auf jeden Fall. Da gehört eine Menge Arbeit dazu, aber dafür sind wir ja da.

SPOX: Ihre ehemalige Organisation, die Mets, hat ebenfalls keine ganz optimale Saison hinter sich. Wie bewerten Sie das Geschehen?

Gronauer: Ich muss zugeben, am Anfang habe ich es noch ein bisschen verfolgt - ich bin mittlerweile der typische Mets-Fan geworden. Nachdem sie sich zur Hälfte der Saison alle verletzt hatten und dann nicht mehr so gut gespielt hatten, habe ich aufgehört zu gucken. Ich habe zwar immer noch ab und zu reingeschaut, ob ein paar Jungs, die ich noch kenne, gespielt haben. Und da sind auch noch viele dabei. Der Travis d'Arnaud spielt noch immer, TJ Rivera war lange verletzt. Noah Syndergaard, Jacob deGrom, Steven Matz - mit denen habe ich noch gespielt. Da schaue ich natürlich immer, was sie gemacht haben. Aber es tut mir unendlich Leid für die Jungs. Ich weiß genau, wie gut die sind, wie die Baseball lieben. Und es ist nicht einfach in New York Baseball zu spielen. Genau wegen Leuten wie mir, die Anfang der Saison zugucken und dann denken, "ey die sind ja sowieso scheiße, dann gucke ich jetzt nicht mehr". (lacht)

SPOX: Sie haben ja in Las Vegas gespielt. Mittlerweile gibt es zwei Sportligen, die nach Vegas gegangen sind - die NHL mit den Vegas Knights und die NFL, bei denen die Raiders folgen werden. Es gibt ja immer so ein bisschen die Befürchtung, dass die Spieler dann ins Casino gehen. Wie war das denn damals bei Ihnen?

Gronauer: Da muss man nicht groß drum herumreden, nach den Spielen und besonders am Wochenende gehst du ins Casino! Na klar. Es ist ja auch vollkommen in Ordnung, wenn du am Black-Jack-Tisch sitzt, Roulette spielst oder dergleichen. Das ist überhaupt kein Problem. Das einzige, womit die Sportarten immer Probleme hatten - nicht nur im Baseball - sind Sportwetten. Die darfst du eben nicht anfassen. Du darfst dich nicht mit irgendwelchen Bookies einlassen und musst auf jeden Fall die Finger davonlassen. Nicht auf Sport wetten - ich würde noch nicht mal auf andere Sportarten wetten.

SPOX: Warum?

Gronauer: Gerade die Jungs aus der MLB kennen auch die ganzen Basketballer und Eishockeyspieler. Man ist einfach zu nah dran. Wenn der Matt Harvey, der immer bei den Islanders ist, sieht, dass der Tavares verletzt ist und gegen die Islanders wettet, hat der zum Beispiel auch ein Problem. Aber Vegas ist einfach Casinos und Partys. Da kann man sich nicht wirklich von losreißen. Es ist ähnlich wie wenn man abends ein Bierchen trinkt und dabei ein bisschen Karten spielt. Man darf es eben nicht übertreiben. Genau wie jedes andere Suchtmittel - wie Süßigkeiten, Rauchen, Alkohol. Da ist Las Vegas nicht anders. Man muss alles mit Vorsicht genießen, aber es ist nicht illegal.

SPOX: Es gab also keine Ansage vom Team, dass man da vielleicht besser die Finger von lassen soll, also von Casinos, Spielen usw.?

Gronauer: Es wurde einfach gesagt, dass man ein bisschen vorsichtig sein sollte. Aber Sportwetten darfst du auf keinen Fall machen. Da unterschreibst vor der Saison in jeder Sportart einen Vertrag, der besagt, dass du nicht auf Sport wetten darfst. Das beste Beispiel ist Pete Rose, der nicht in der Hall of Fame ist, weil er auf Spiele gewettet hat. In der NBA gab es diesen riesen Schiedsrichterskandal, wo Schiedsrichter auf Spiele gewettet haben. Da gab's schon diverse Vorfälle.

SPOX: Wäre denn eine MLB-Franchise aus Ihrer Sicht in Vegas sinnvoll?

Gronauer: Ich glaube nicht. Las Vegas ist ja keine Stadt mit sehr vielen Einwohnern. Und die, die da sind, sind meist professionelle Poker-Spieler oder solche, die irgendwas mit Casinos zu tun haben. Es wird verdammt schwer, da irgendwie eine Fanbase aufzubauen, die konstant ist. Das haben wir bei unseren Spielen am häufigsten gesehen. Normalerweise ist unter der Woche nicht viel los. Donnerstags kommen mehr, weil Bier für einen Dollar ausgeschenkt wird. Und am Wochenende kommen auch mehr Leute. Aber das ist ja wie Disneyland, da fahren die Leute hin, um am Wochenende Spaß zu haben und dann geht's wieder nach Hause. Und das wär' natürlich schade, wenn in einer Eishockey-Saison, in der ja nicht nur Freitag-Samstag-Sonntag, sondern auch Montag-Dienstag-Mittwoch gespielt wird, keine Fans da wären, sondern nur am Wochenende volles Haus wäre. Und da müssen auch die anderen Sportarten ein bisschen aufpassen.

SPOX: Wenn man dann wiederum in New York spielt, bieten sich aber noch andere Herausforderungen, oder?

Gronauer: Richtig. Was man nicht vergessen darf, ist, dass es in New York immer noch viel Mafia gibt. Es kommt vor, dass du zum Beispiel in einem Klub mal angesprochen wirst, wenn die sehen, dass du Sportler bist. Aber da darfst du dich eben nicht drauf einlassen. Da gibt es genug Beispiele. Vor der Saison hält immer der Security Chief eine Rede und sagt: "Wenn die euch im Klub ansprechen oder so, seid nett und freundlich, aber lasst euch auf nichts ein. Sagt nicht zu irgendeinem Essen zu. Seid einfach vorsichtig."

SPOX: In den Minors gibt es ja derzeit ein paar Deutsche. Da wäre etwa der Relief Pitcher von den Dodgers, Sven Schüller. Was können Sie uns zu ihm sagen? Hat er das Zeug zur MLB?

Gronauer: Sven sehe ich meistens in der Offseason. Ansonsten muss ich mich auf Scouting Reports verlassen von Scouts, die wir noch von drüben kennen. Vor allem Martin Brunner redet häufig mit Scouts da drüben. Wenn ich den Sven hier in der Offseason sehe, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass der das Zeug dazu hat und die nötigen Voraussetzungen mitbringt: Super Fastball, einen Breaking Ball, auch einen Changeup, der sich mittlerweile sehen lassen kann. Er muss einfach nur an seiner Konstanz arbeiten. Er ist einer der akribischsten Arbeiter, die ich je kennengelernt hab. Das macht er richtig gut. Und der möchte auch unbedingt ganz nach oben kommen. Aber es dauert einfach, man kann es nicht von jetzt auf gleich erzwingen.

SPOX: Hat er vielleicht einen Nachteil, weil er nicht gedraftet wurde, sondern als internationaler Free Agent aus Deutschland rüberging?

Gronauer: Nicht direkt. Aber es ist ja so, wenn du von vornherein sehr viel Geld bekommst, dann kommst du auch einfacher nach oben. Ganz einfach. Jede Organisation möchte eben auch für ihr Investment was zurückhaben. Je mehr Kohle du als Signing Bonus bekommst, desto eher kommst du durch die ganzen Ligen durch. Ich weiß nicht, wie viel Sven bekommen hat, aber bestimmt nicht so viel wie Max Kepler. Deswegen dauert es vielleicht auch ein bisschen länger. Die wollen da nichts übereilen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass er früher oder später da oben auftauchen wird.

SPOX: Ein weiterer Spieler, der nun in den Staaten spielt, ist Pascal Amon ...

Gronauer: Pascal ist auch bei den Dodgers. Den sehe ich auch in der Offseason. Er kam aus dem Internat hier und stammt aus Ingolstadt. Das ist ein ganz netter Typ. Das Problem ist einfach: Beim Pascal finde ich, er macht sich gut und hat dieses Jahr ganz gut gespielt. Aber er hat auch nicht viel Geld bekommen, glaube ich. Ein Outfielder muss in erster Linie schlagen können - früher oder später können alle gleich fangen, das macht nicht mehr den großen Unterschied. Und wenn er schlagen kann, dann findet man eine Position für ihn. Pascal ist ein super Verteidiger, aber er muss halt zusehen, dass er sich gegen sehr viel Konkurrenz - Outfielder wie Infielder gibt es eben wie Sand am Meer - offensiv durchsetzt. Und das wird eben nicht ganz so einfach.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

Seite 1: Gronauers Zeit in den Staaten, der Job des Managers und der deutsche Baseball

Seite 2: Professionelle Strukturen, die Mets, Vegas und die New Yorker Mafia

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