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MLB: Deutsche Baseball-Nachwuchshoffnung Niklas Rimmel im Interview

"Erst die Hausaufgaben, dann Baseball"

Donnerstag, 28.09.2017 | 14:03 Uhr
Niklas Rimmel spielt ab Sommer 2018 im Farmsystem der Minnesota Twins
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MLB
Yankees @ Astros (Spiel 6)

Die deutsche Nachwuchshoffnung Niklas Rimmel von den Buchbinder Legionären unterschrieb kürzlich einen Minor-League-Vertrag bei den Minnesota Twins, dem Team von Max Kepler. Im Gespräch mit SPOX verrät der 18-Jährige, wie die Verhandlungen mit dem MLB-Klub gelaufen sind, was den Baseballstandort Regensburg auszeichnet, wer seine Vorbilder sind und worauf er sich in den Staaten am meisten freut. Zunächst verfolgt er aber noch ein anderes, vernünftiges Ziel.

SPOX: Herr Rimmel, zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Vertrag bei den Minnesota Twins!

Niklas Rimmel: Dankeschön!

SPOX: Wie ist denn der Deal mit den Twins zustande gekommen?

Rimmel: Na ja, das Interesse bestand schon etwas länger. Und wir hatten jetzt erstmal noch unsere U23-Europameisterschaft in Tschechien. Das war wohl der ausschlaggebende Punkt. Das war gewissermaßen nochmal ein Update für die Scouts.

SPOX: Gab es noch Kontakte zu anderen Teams als den Twins?

Rimmel: Ja, es gab durchaus Interesse von anderen Teams. Aber die Twins waren eben schon länger und durchgehend an mir dran.

SPOX: Ihre Entscheidung für die Twins lag jetzt aber nicht nur an Max Kepler, oder?

Rimmel: Nein, absolut nicht. Es gab natürlich auch noch andere Gründe, aber das Gesamtpaket hat bei den Twins einfach total gestimmt.

SPOX: Erklären Sie uns mal, wie der Scouting-Prozess abgelaufen ist. Wurden Sie schon Regensburg entdeckt oder wurden die Scouts erst bei den Nationalmannschaften auf sie aufmerksam?

Rimmel: Der allgemeine Scouting-Prozess lief schon über eine längere Zeit. Es hat eigentlich schon 2016 angefangen bei Turnieren, bei denen immer viele Scouts sind. Ich kann jetzt keinen genauen Zeitpunkt nennen, an dem ich konkret gescoutet wurde. Aber im Baseball ist es üblich, dass sehr viele Scouts bei Europameisterschaften oder auch beim MLB-Elite-Camp sind. Ich würde aber eher sagen, dass ich hauptsächlich bei der Nationalmannschaft beobachtet wurde. Es waren zwar auch oft Scouts in Regensburg, aber bei der Nationalmannschaft waren meist mehr.

SPOX: Wer hat letztlich mit den Twins verhandelt? Sie selbst, vielleicht Ihre Eltern - oder haben Sie schon einen Agenten?

Rimmel: Ja, ich habe einen Agenten. Und der ist im Grunde meine Kontaktperson. Wir haben hauptsächlich über ihn kommuniziert. Und mein Agent hat auch dafür gesorgt, das Interesse hochzuhalten und, dass Teams ihn kontaktieren. Er hat viel Werbung für mich gemacht.

SPOX: Wie kamen Sie eigentlich generell zum Baseball?

Rimmel: Ich habe damals wie jeder andere auch Fußball gespielt. Eines Tages habe ich dann mal mit meinem Papa im Keller Fotos gefunden aus der Zeit, als er selbst auch jahrelang Baseball gespielt hat. Das hat mein Interesse erstmals geweckt und ich wollte es auch ausprobieren. Wir sind immer schon extra ein, zwei, drei Stunden vorm Fußballtraining zum Fußballplatz gefahren, um zu werfen oder sonst was zu machen. Und irgendwann fand ich dann Baseball interessanter als Fußball. Den Ausschlag gab eben mein Dad, der mich jahrelang trainiert und betreut hat, und mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

SPOX: Wissen Sie denn schon, wo sie dann im nächsten Jahr im Farmsystem der Twins anfangen werden?

Rimmel: Erstmal werde noch mein Abi machen. Und im Juli geht es dann rüber nach Fort Myers/Florida in die Rookie-Liga. Konkret heißt die Liga Gulf Coast League und da spiele ich dann für die GCL Twins.

SPOX: Sie sprechen es selbst an, Sie machen erstmal Ihr Abitur. War das Ihre eigene Entscheidung oder gab es da vielleicht etwas Druck von den Eltern?

Rimmel: Nein, nein. Das war absolut meine Entscheidung. Man hört ja oft genug, dass jemand rübergeht in die USA und sich dann schnell verletzt oder irgendwas anderes Unvorhergesehenes passiert. Da hat das Abitur auf jeden Fall höchste Priorität. Das habe ich gleich gesagt, das muss als erstes sein, bevor ich rübergehe.

SPOX: Klingt sehr vernünftig, dass Sie da erstmal auf Nummer sicher gehen ...

Rimmel: Ja, denn wenn ich mich jetzt zum Beispiel nach zwei Jahren verletzte - so blöd es klingt - und dann zurückkomme und ohne vernünftigen Schulabschluss dastehe ... da ist mir das Abitur auf jeden Fall sehr wichtig.

SPOX: Da hätten die Twins auch nicht dran rütteln können?

Rimmel: Nein. Selbst wenn die Twins jetzt das Angebot gemacht hätten, dass ich im April schon hätte rübergehen müssen, wie es normalerweise ist - die Saison fängt im April an - dann hätte ich das auf jeden Fall abgelehnt, weil das Abitur schon ein ausschlaggebender Punkt ist. Daran wäre nichts vorbeigegangen.

SPOX: Kommen wir nun mal zum Sportlichen. Da wir jetzt noch nicht so wahnsinnig viel über sie wissen, könnten Sie mal beschreiben, was für ein Typ Pitcher Sie sind?

Rimmel: Generell gibt es ja zwei Kategorien von Pitchern: Starting Pitcher, das sind die, die das Spiel immer anfangen. Und die Relief Pitcher, die kommen nach den Starting Pitchern. Das sind die zwei großen Kategorien. Der Starting Pitcher braucht besonders viel Ausdauer und muss längere Zeit werfen als ein Relief Pitcher. Bei mir war es so, dass ich in den letzten zwei Jahren eigentlich beide Rollen immer mal wieder innehatte. In der 2. Bundesliga war ich lange Starting Pitcher und nahm eine Führungsrolle ein. Und als ich dann frisch in die 1. Bundesliga gekommen bin, war ich eher als Reliever im Einsatz, weil es da erfahrenere Pitcher gab. Bei uns ist es eigentlich üblich, dass der Relief Pitcher versucht, Starting Pitcher zu werden, weil das natürlich etwas ganz Besonderes ist. Und wenn man in die 1. Bundesliga kommt, dann versucht man sich diese Rolle des Starters zu erkämpfen. Aber ich war schon Starter als auch Reliever.

SPOX: Welches Pitch-Arten haben Sie denn im Repertoire? Fastballs wirft ja jeder ...

Rimmel: (lacht) Ja genau. Neben dem Fastball habe ich noch den Changeup und einen Curveball.

SPOX: Waren Sie denn schon immer Pitcher oder haben Sie es auch mal als Hitter versucht?

Rimmel: Als ich noch in Fürth bei meinem ersten Verein war, habe ich sowohl Pitcher als auch Positionsspieler allgemein gespielt. Und da war ich auch immer relativ erfolgreich als Schlagmann. Aber Pitching hat mir schon immer mehr getaugt. Vor allem auch wegen des Körperlichen. Ich bin relativ groß (1,95 m, Anm. d. Red.) und das ist für einen Pitcher ein großer Vorteil. Aber wenn man aufs Internat geht, dann muss man sich für eine Position entscheiden. Wenn man wirklich besser werden will, dann sollte man sich auch für eine Position entscheiden. Und da hat mir das Pitching einfach deutlich besser gefallen. Da gab es bei mir nicht sonderlich viel zu diskutieren.

SPOX: Beschreiben Sie doch mal Ihren Tagesablauf.

Rimmel: Generell läuft es so ab, dass ich ganz normal in eine öffentliche Schule gehe. An einem normalen Tag ist dann von 8 Uhr bis 13 Uhr Schule, anschließend gibt es mit allen im Internat um 13.15 Uhr Mittagessen. Um 14 Uhr stehen dann erstmal Hausaufgaben an, da haben wir extra einen Schulbetreuer, der uns da bei Bedarf weiterhilft. Da können wir dann ganz in Ruhe unsere Hausaufgaben machen. Und erst, wenn wir damit fertig sind, ist es uns sozusagen erlaubt, ins Training zu gehen. Erst steht Schule an und dann das Traininig.

SPOX: Und wie sieht das Training aus?

Rimmel: Das Training ist unterschiedlich. In der Offseason haben wir mindestens sechs Mal die Woche Training - die Offseason geht immer von Oktober bis März - und Sonntag ist in der Regel frei. Täglich sind es dann immer so zwei bis drei Stunden, die meist abends stattfinden - so zwischen 18 und 21 Uhr. Diese drei Stunden teilen sich wiederum auf in reines Baseball- und in Krafttraining. Und zwischen der Schulzeit zwischen 14 und 18 Uhr, wenn man bis 13 Uhr Schule hat, gibt es natürlich auch noch ein bisschen Freizeit.

SPOX: Das hört sich nicht nach wahnsinnig viel Freizeit an.

Rimmel: Stimmt. Wenn man noch was machen muss, ist man schon ziemlich eingebunden. Zudem gibt es abends, immer so gegen 19, noch Abendessen, aber die meisten kommen immer ein bisschen später.

Seite 1: Rimmels Anfang, der Scouting-Prozess und die Entscheidung für die Twins

Seite 2: Baseball-Standort Regensburg, Sportliche Vorbilder und die Faszination des Spiels

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