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Randy Johnson im Porträt

Der Letzte seiner Art

Von Marcus Blumberg
Mittwoch, 07.01.2015 | 09:56 Uhr
Randy Johnson (l.) und Curt Schilling waren die Co-MVPs der World Series 2001
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Dodgers @ Cubs (Spiel 5)
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Statistiken vom anderen Stern

Unter dem Strich gewann Randy Johnson 303 Spiele bei 166 Niederlagen. Sein Karriere-ERA betrug 3.29 und er brachte es auf 4875 Strikeouts. Das sind die zweitmeisten in der Geschichte des Sports, nur Nolan Ryan (5714) sammelte noch mehr. Überhaupt gibt es nur vier Pitcher, die 4000 Punchouts gesammelt haben - Roger Clemens (4672) und Steve Carlton (4136) sind die anderen.

Es gibt eine Statistik, die die Strikeouts eines Pitchers auf ein komplettes Spiel hochrechnet, die "Strikeouts pro 9 Innings". Johnsons Wert liegt bei 10.6, der beste in der Geschichte des Sports. Hinzu kommen 100 Complete Games, die unglaublich sind, wenn man bedenkt, dass Big Unit in einer Zeit spielte, in der man die Wichtigkeit des Bullpens so langsam erkannte.

Nicht statistisch erfasst ist dagegen sein Mord - oder besser Totschlag - an einer Möwe, die ihm im Spring Training 2001 vor den Fastball geflogen war. Am Ende sah man nur noch ein Meer von Federn, die ein Bild des Grauens hinterließen. Dabei wollte der Lefty doch nur einen Strike werfen.

Yankees, Giants und das i-Tüpfelchen

Seine Saison 2003 fand aufgrund zahlreicher Verletzungen ein frühzeitiges Ende. Doch er kehrte 2004 wiedererstarkt zurück, was nicht nur das Perfect Game untermauerte. Es reichte in jedem Fall, um die New York Yankees davon zu überzeugen, für ihn zu traden.

Dort bekam er einen neuen Dreijahresvertrag und pitchte 2005 und 2006 insgesamt ordentlich, gewann 34 Spiele und damit mehr als viele andere in der Zeit. Aber glücklich wurde der dann 43-Jährige nie. So ging es zur 2007er Saison wieder zurück nach Arizona, wo es einzig und allein darum ging, die 300-Siege-Marke zu erreichen, das letzte große Ziel des Linkshänders.

Nach zahlreichen Verletzungen war Johnson aber auch Ende 2008 noch fünf Siege von 300 entfernt. Es musste also noch ein Jahr her, aber nicht mehr bei den D-backs, die auf jüngere Leute setzten. Stattdessen ließen es sich die San Francisco Giants nicht nehmen, der lebenden Legende die magische Marke zu ermöglichen. Und 2009 sollte es auch gelingen. In einem Auswärtsspiel bei den Washington Nationals gewann Randy Johnson Spiel Nummer 300 und wurde damit der 24. Pitcher, der diese Schwelle überquerte.

Nachdem Johnson dann am Ende der 2009er-Saison seinen Handschuh an den Nagel hängte, fing er an, zu relaxen und nicht mehr ganz so angespannt durchs Leben zu gehen wie in seiner besten Zeit. Damals durfte man ihn an Spieltagen nicht mal ansprechen. Mittlerweile ist er ein recht kommunikativer Typ geworden, der sich über "Twitter" mit Leuten unterhält und ein Faible für Fotographie entwickelt hat. Er covert des Öfteren sogar Konzerte und andere Events, zum Beispiel für "Rolling Stone".

Erst kürzlich war er im Rahmen einer USO-Tour in Südkorea und besuchte dort die amerikanischen Militärtruppen, von wo er auch ein Bild von der berüchtigten "Bridge of No Return" an der Grenze zu Nordkorea gemacht hat.

Zudem - seine Wegbegleiter mögen es kaum glauben - hat er auch eine lustige Seite. Im vergangenen Jahr gab er einen Gastauftritt in der amerikanischen Anwalts-(Comedy)-Serie "Franklin & Bash". Er spielte die Rolle, die ihm am besten liegt - sich selbst - und kehrte für Batting Practice kurz auf den Mound zurück.

Der 300er-Klub

Früher galten 300 Siege noch als Goldstandard für Pitcher, um es in die Hall of Fame zu schaffen. Ebenso wie 500 Home Runs für einen Hitter. Doch Randy Johnson könnte der letzte Pitcher überhaupt sein, der 300 Spiele gewann. Nicht, weil alle anderen schlechter geworden sind. Vielmehr, weil sich die Zeiten geändert haben.

In der Anfangszeit des Baseballs gab es noch keine großen Pítching-Rotations oder Bullpens. Ein Pitcher stand im Grunde alle zwei, drei Tage auf dem Mound, startete also erheblich mehr Spiele als die ca. 34, die ein Starter der heutigen Zeit absolviert im Jahr. Und er beendete in der Regel auch sein Spiel und gab den Ball nicht irgendwann an einen Reliever ab. Für die sehr guten Pitcher erhöhte das die Chance auf Siege ungemein. Der Allzeit-Rekordhalter Cy Young brachte es auf 511 - heute vollkommen unmöglich.

22 Jahre auf hohem Niveau

Johnson pitchte zwar auch in der Fünf-Mann-Rotation, aber er tat dies für 22 Jahre und war extrem konstant. Doch selbst er erreichte 300 nur mit Mühe und ein paar Extra-Jahren in seiner Karriere, die er sich ohne dieses Ziel wohl geschenkt hätte.

Es gibt viele Faktoren, die gegen einen weiteren 300-Game-Winner sprechen. Der Hauptgrund sind die nur 34 Starts pro Jahr, von denen in der Regel nicht mal die Hälfte gewonnen wird. Johnson hatte gleich drei Spielzeiten, in denen er über 20 Spiele gewann. Auch das ist alles andere als alltäglich.

Gehälter kontra Motivation

Und dann geben heutige Gehälter auch weniger Grund, bis in alle Ewigkeit zu spielen. Wer es zehn bis 15 Jahre in der MLB auf hohem Niveau aushält, hat ausgesorgt und kann in den Sonnenuntergang reiten.

Clayton Kershaw ist der nächste Kandidat. Er ist 26 und hat nach sieben Jahren 98 Siege. Das sind im Schnitt knapp 14 pro Jahr. Also müsste er noch ca. 13 bis 14 Jahre auf seinem Durchschnittsniveau spielen, um 300 zu erreichen. Allerdings hat er erst kürzlich einen Wahnsinnsvertrag unterschrieben, durch den er ausgesorgt hat. Und wer sagt, dass dieser Lefty am Ende des Kontrakts 2020 noch das aktuelle Niveau hat?

Und so liegt der Schluss nahe, dass wohl in der Tat Randy Johnson der letzte Pitcher sein wird, der es auf 300 Siege insgesamt bringt. Er ist der letzte seiner Art.

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