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MLB - Yankees-Legende Lou Gehrig: Das Iron Horse der Murderer's Row

Donnerstag, 19.07.2018 | 09:29 Uhr
Lou Gehrig, "The Iron Horse" spielte in 2130 Spielen in Serie ohne Unterbrechung.
© getty

Er stand häufig im Schatten von Babe Ruth, war aber selbst eine der größten Baseball-Legenden überhaupt: Lou Gehrig. Der Mann von den New York Yankees stellte eine unfassbare Serie auf und wandelte zwischenzeitlich auf Tarzans Spuren. Sein Leben endete viel zu früh.

"Fans, über die letzten zwei Wochen habt ihr von einer schlechten Nachricht gelesen. Heute sehe ich mich als glücklichsten Menschen auf Erden. Ich war 17 Jahre lang in Ballparks und habe von euch Fans nie etwas anderes als Freundlichkeit und Zuspruch erhalten. Wenn ihr euch umschaut, würdet ihr es nicht auch als Privileg empfinden, euch mit diesen gutaussehenden Männern, die hier heute in Uniform im Ballpark stehen, zu assoziieren? Sicher bin ich glücklich. [...] Mir steht schon ein böses Schicksal bevor, aber ich habe sehr viel, für das es sich zu leben lohnt, noch vor mir. Danke." - Lou Gehrig im Yankee Stadium am 4. Juli 1939.

Wer an die glorreiche Geschichte der New York Yankees denkt, kommt nicht an Babe Ruth, aber auch nicht an Mickey Mantle, Joe DiMaggio, Derek Jeter oder den ganz jungen Größen wie Aaron Judge in der heutigen Zeit vorbei. Doch einer darf in dieser Liste ganz bestimmt nicht fehlen. Henry Louis Gehrig, "The Iron Horse".

Größte Bekanntheit erlangte Gehrig letztlich zwar durch seine schwere Krankheit ALS, die in Nordamerika nach ihm benannt wurde (Lou Gehrig's Disease), aber auf dem Platz war er die Konstanz und Robustheit in Person.

Am 1. Juni 1925 wurde Gehrig als Pinch-Hitter für Shortstop Pee Wee Wanninger eingewechselt, am 2. Juni wiederum startete er gar für den schwächelnden Wally Pipp an der ersten Base.

Das Besondere an diesen Momenten: Sie bedeuteten den Anfang einer schier unglaublichen Serie. Von diesen Tagen an sollte Gehrig 2.130 Spiele in Serie absolvieren, ohne auch nur eines zu verpassen. Ein Rekord, der erst 1995 von Cal Ripken Jr. übertroffen wurde.

Lou Gehrig: Sohn deutscher Immigranten

Gehrig war eines von vier Kindern der deutschen Immigranten Christina Foch und Heinrich Gehrig. Seine zwei Schwestern verstarben im Kindesalter an Keuchhusten und Masern. Ein Bruder wiederum verstarb schon als Baby.

Lou, der eigentlich Heinrich Ludwig hieß, aber wie damals üblich amerikanisiert wurde, half seiner Mutter bei der Arbeit. Sie war ein Hausmädchen und die Hauptverdienerin der Familie, während der Vater, ein gelernter Blechschlosser, aufgrund seiner Alkoholsucht kaum lange einen Job behielt.

Nach seinem High-School-Abschluss studierte er an der Columbia University mit einem Football-Stipendium und dem Ziel, einen Abschluss in Ingenieurwesen zu machen. Sein großes Ziel blieb jedoch professioneller Baseball.

Um dem näherzukommen, riet ihm John McGraw, der damalige Manager der New York Giants, in einer professionellen Sommerliga zu spielen - natürlich unter falschem Namen, da auch damals schon Entlohnungen für College-Stipendiaten im Sport untersagt waren. Und so spielte "Henry Lewis" für die Hartford Senators.

Lou Gehrig: Durchbruch bei den Yankees 1925

Das Ganze flog auf und Gehrig durfte in seinem Freshman-Jahr nicht für Columbia spielen. Ein Jahr später jedoch spielte er als Fullback Football für die Schule. Baseball begann er für Columbia erst 1923 als Pitcher und First Baseman.

Noch im selben Jahr verpflichteten die Yankees Gehrig als First Baseman. Bis 1925 allerdings war er lediglich ein Ersatzspieler, der kaum das Feld sah. Das änderte sich erst mit dem Lineup-Change zu Lasten von Pipp.

Lou Gehrigs größtes Jahr in der MLB war sicherlich 1927. Seine Zahlen überragten alles, er legte praktisch eine der besten individuellen Spielzeiten überhaupt in der Geschichte dieses Sports hin.

Lou Gehrig: Statistiken der MLB-Saison 1927

SpieleHitsDoublesTriplesHomerunsRBIOPSOPS+
1552185218471731.240220

Und doch wurde diese Leistung wie so oft in seiner Karriere überschattet. Überschattet von Ruth, der als erster Mensch in einer Saison 60 Homeruns schlug, und vor allem vom Erfolg der "Murderer's Row", wie die Yankees damals genannt wurden.

Nicht wenige halten die 1927er Yankees noch heute für das größte Baseballteam, das es je gab. Folglich gewann es auch die World Series in dem Jahr - Gehrigs erster von insgesamt sechs Meistertiteln in Pinstripes.

New York Yankees 1927 - "Murderer's Row"

PositionNameOPS+
CatcherPat Collins116
First BasemanLou Gehrig220
Second BasemanTony Lazzeri125
Third BasemanJoe Dugan78
ShortstopMark Koenig83
OutfielderBog Meusel135
OutfielderBabe Ruth225
OutfielderEarle Combs141

Es folgten zahlreiche weitere besondere Jahre, in denen Gehrig immer wieder einer der Top-Run-Produzenten der Liga war. Seine 185 Runs Batted In (RBI) im Jahr 1931 sind bis heute der Allzeit-Rekord in der American League.

Seine Nummer 4 indes trug Gehrig nicht ohne Grund: Damals nämlich war es bei den Yankees üblich, die Trikotnummern gemäß der Batting Order zu verteilen. Und da Gehrig stets Cleanup schlug, also an Position 4, trug er selbige auch. Entsprechend hatte Ruth die 3 und es ist nicht gerade abwegig zu behaupten, dass Ruths legendäre Leistungen ohne die "Protection" von Gehrig so nicht möglich gewesen wären.

Ohne Gehrig hinter dem Babe hätten gegnerische Pitcher ihn einfach absichtlich per Walk auf Base schicken können. Er hätte dann wenigstens keine Homeruns gegen sie geschlagen. Gehrigs ebenso grandiose Power machte dies jedoch schwierig. Schon 1926 schlug er 20 Triples und war später auch der erste Spieler überhaupt, der vier Homeruns in einem Spiel schlug.

Allerdings war das Verhältnis zwischen den beiden nicht immer das Beste: Als 1933 Aussagen von Gehrigs Mutter über den Kleidungsstil von Ruths Tochter die Runde machten, war Ruth so sauer, dass er sich weigerte, außerhalb des Platzes mit Gehrig zu reden.

Seite 1: 2130, Gehrigs Anfänge und Murderer's Row

Seite 2: Tarzan, Gehrigs Rede und die Versöhnung mit Ruth

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