Donnerstag, 01.07.2010

MLB-Schlaglichter Juni

Die Ankunft des Messias

Die MLB-Saison ist in vollem Gange, Zeit für die nächste Zwischenbilanz. Die Themen: Jesus, das schlechteste Team aller Zeiten und der Spinner, der mit dem Feind Essen geht.

Stephen Strasburg wurde 2009 im Draft mit dem ersten Pick von den Nationals gezogen
© Getty
Stephen Strasburg wurde 2009 im Draft mit dem ersten Pick von den Nationals gezogen

Der Rookie des Monats/Das Spiel des Monats: Zwei Kategorien, die im Juni untrennbar zusammengehören. Denn der Juni 2010 wird für immer mit einem Namen verbunden sein: Stephen James Strasburg. Am 8. Juni gab das größte Pitching-Talent seit langer Zeit sein Debüt. Gegen Pittsburgh stand er sieben Innings auf dem Mound. Seine Bilanz: 14 Strikeouts, 0 Walks. Ganz Washington feierte die Ankunft des Messias.

Auch in seinen weiteren Einsätzen war Strasburg über weite Strecken "unhittable". In 31 Innings steht der 21-Jährige, der von Teamkollege Nyjer Morgan den Spitznamen "Jesus" bekam, jetzt schon bei 48 Strikeouts. Sogar Präsident Barack Obama hat es sich nicht nehmen lassen, bei den Nationals vorbeizuschauen, um Strasburg live zu sehen. Mit Strasburg und 2010-Nummer-eins-Draftpick Bryce Harper, ein 17-jähriges Phänomen, der den Ball unfassbar weit drischt, gehört den Nationals absolut die Zukunft.

Carlos Zambrano bei seinem liebsten Hobby: Ausrasten!
Carlos Zambrano bei seinem liebsten Hobby: Ausrasten!
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Der Ausraster des Monats: Carlos Zambrano. Tata, es war mal wieder Zeit für crazy Big Z! Der völlig verrückte Cubs-Pitcher mit der Neigung zu Wutausbrüchen hat wieder zugeschlagen. Zambrano hat gegen die White Sox gerade vier Runs im ersten Inning zugelassen und damit die Reihe seiner furchtbaren Leistungen in dieser Saison um ein weiteres Kapitel ergänzt. Normal wäre es jetzt an der Zeit, dass er sich in eine Ecke des Dugouts verkriecht und schämt. Aber nein, Zambrano geht wie wild auf Teamkollege Derek Lee los und will ihm an den Kragen.

Aber das Unfassbarste kommt noch: Nachdem sich die Cubs im Duell der Erzrivalen gegen die White Sox eine Niederlage eingefangen haben, wagt es Zambrano, mit deren Manager Ozzie Guillen am Abend Essen zu gehen. Mit dem Feind! Mitten in der Serie! 2007 unterschrieb Zambrano, damals von seinen Fähigkeiten noch ein All-Star-Pitcher, einen Fünfjahresvertrag über 91,5 Millionen Dollar bei den Cubs. Mein Gott, wären die jetzt froh, wenn in der MLB die Regeln der NFL gelten würden. Dann könnten sie den Verrückten einfach rausschmeißen. Geht aber leider nicht.

Das Team des Monats: Texas Rangers. Ob sie es wirklich drauf haben, den Yankees und Red Sox in der American League gefährlich werden zu können, muss zwar bezweifelt werden, aber die Rangers sind ohne Frage das Team der Stunde. Eine 21-6-Bilanz im Juni inklusive einer Siegesserie über elf Spiele spricht für sich. Aufgepasst auf die Rangers!

Der Spieler des Monats: Josh Hamilton. Die Frage, warum die Rangers aktuell so stark sind, führt uns sofort zum Spieler des Monats. Hamilton hat einen Sensations-Monat hinter sich. Die Zahlen des Left Fielders: 9 Homeruns, 31 RBIs, ein Schlagdurchschnitt von .454. Außerirdisch. Gemeinsam mit Vladimir Guerrero und Michael Young ist er der Motor der Rangers-Offense. Und Hamilton hat echte Chancen auf die sogenannte Triple-Crown (meiste Homeruns und RBIs sowie den besten Schlagdurschnitt). Er liegt überall in den Top 5, es ist also möglich. Ganz nebenbei hat er eine unglaubliche Geschichte um Geld, Drogen und ein Comeback hinter sich. Ehrenhalber verdient auch Mariners-Pitcher Cliff Lee hier Erwähnung. Drei Complete Games in Serie, 5 (!) Walks in über 95 Innings - Lee ist momentan der beste Pitcher der AL.

Das Überraschungsteam des Monats: Chicago White Sox. Ein Team, das man fast schon abgeschrieben hatte. Sportlich lief nichts zusammen, dazu das chaotische Verhältnis zwischen Manager Ozzie Guillen und General Manager Kenny Williams, die sich sogar fast geprügelt haben sollen. Aber plötzlich scheint es aus unerfindlichen Gründen klick gemacht zu haben. 16 der letzten 20 Spiele haben die White Sox gewonnen - und damit sind sie wieder voll im Geschäft.

Riesenjubel bei den Pirates! Jeder Sieg muss gefeiert werden!
Riesenjubel bei den Pirates! Jeder Sieg muss gefeiert werden!
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Die Gurken des Monats: Pittsburgh Pirates. Bitte einen warmen Applaus, hier kommt das schlechteste Team aller Zeiten. Was haben die Buccos, die nach 17 Saisons mit mehr Niederlagen als Siegen schon den Negativ-Rekord schlechthin halten, nicht alles versucht. Sie haben sich Schnurrbärte gemalt, Teambuilding und so... Sie haben ein Maskottchen wegen Kritik an der Vereinspolitik zwischenzeitlich gefeuert. Und sie haben alles, was nur irgendwie nach Talent riecht, nach Pittsburgh beordert - aber es bringt alles nichts. Nach einer desaströsen 6-20-Bilanz im Juni und zwischenzeitlich 17 Auswärtspleiten am Stück ist mal wieder ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Die Highlights des Monats: Neuer Monat, neue Pitcher-Glanzleistungen. Nach zwei Perfect Games durch Dallas Braden (Oakland) und Roy Halladay (Philadelphia) sowie einem No-Hitter von Ubaldo Jimenez (Colorado) waren diesmal Edwin Jackson (Arizona) und Armando Galarraga (Detroit) an der Reihe. Jackson warf gegen Tampa Bay einen der unglaublichsten, weil ungewöhnlichsten No-Hitter der Geschichte. Acht Walks ließ er zu und sage und schreibe 149 Pitches musste der Junge werfen. Ein Wunder, das ihm der Arm nicht abgefallen ist.

Aber immerhin wurde er nicht von einem Ref betrogen. So ging es nämlich Galarraga, der gegen Cleveland de facto ein Perfect Game warf, aber von Umpire Jim Joyce mit einer katastrophalen Fehlentscheidung darum gebracht wurde. Ein schlimmer Fehler, der noch schlimmer gemacht wurde durch die sture MLB, die sich weigerte, im Nachhinein Galarraga sein Perfect Game zuzusprechen. Toll war dagegen die Reaktion von Galarraga, der sich wie ein echter Gentleman zeigte - und auch die Reaktion von Joyce war groß. Ein Schiri, der bitterlich weint, weil er gesehen hat, wie er einem Spieler den Tag seines Lebens versaut hat - das sieht man nicht so oft. Bemerkenswert: Joyce wurde von den Spielern in einer Umfrage zum besten Umpire der Liga gewählt.

Der Pechvogel des Monats: Brooks Conrad. Der Infielder der Atlanta Braves sorgte für eine herrliche Slapstick-Einlage. Im Spiel gegen die White Sox kommt ein Groundball von Alex Rios auf Conrad zugeschossen. Der Ball hüpft vor Conrad auf - und verschwindet... Ja, wo ist er denn nun? Conrad sucht mit völlig verzweifeltem Gesicht den Ball, schaut sogar kurz in die Luft, doch dann merkt er: "Ups, der Ball steckt mir im Jersey..." Wir behaupten mal, dass das in 100 Jahren nie mehr vorkommen wird.

Die Entlassung des Monats: Fredi Gonzalez. Das Leben ist so ungerecht. Gonzalez hatte die Florida Marlins trotz einer VfL-Bochum-ähnlichen Payroll in den letzten beiden Jahren zu einer positiven Bilanz geführt, er war 2008 sogar zum Manager des Jahres gewählt worden. Dennoch wurde er jetzt zur Überraschung aller gefeuert. Gonzalez wird bereits als Nachfolger für Braves-Manager-Legende Bobby Cox gehandelt, da dieser am Saisonende aufhört. Marlins, was habt ihr euch denn dabei gedacht? Aber zu viel sollte man sich nicht mit einem Klub beschäftigen, zu dem im Schnitt 500 Fans kommen...

Der Rücktritt des Monats: Ken Griffey Jr. Ein ganz Großer hat nach 22 überwiegend brillanten Jahren den Baseballschläger an den Nagel gehängt, nachdem er in Seattle nur noch die Bank drückte. 13 Mal All-Star, 630 Homeruns (5. Platz in der ewigen Bestenliste), 1836 RBIs - es gibt für den 40-Jährigen nur einen Weg und dieser führt ihn direkt in die Hall of Fame.

Und er pitcht und pitcht und pitcht... Jamie Moyer geht stramm auf die 50 zu
Und er pitcht und pitcht und pitcht... Jamie Moyer geht stramm auf die 50 zu
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Der Rekord des Monats: Jamie Moyer. Der Phillies-Pitcher gab im Spiel gegen Toronto einen Homerun von Vernon Wells ab. Kein Problem, Moyer kennt das Gefühl, das hatte er vorher schließlich schon 505 Mal erlebt. Mit dem 506. zugelassenen Homerun stellte der 47-Jährige einen neuen MLB-Rekord auf. Auf den ersten Blick scheint es vielleicht relativ unsexy, dass man der Pitcher ist, gegen den die meisten Homeruns in der Geschichte geschlagen wurden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Nur wer über 24 Jahre ein Star ist, kann solch einen Rekord überhaupt aufstellen. Und ganz abgesehen davon ist es fantastisch, wie Moyer (9-6-Bilanz, 4.30 ERA) auch in dieser Saison noch pitcht. Der beste Beweis, dass man keinen 100-Mph-Fastball braucht, um Erfolg zu haben.

Die Momente des Monats: 12. Juni 2010, Fenway Park zu Boston. Daniel Nava wurde aufgrund der Verletzungsprobleme der Red Sox aus dem Farmteam nach Boston geholt und steht gegen Philly sofort in der Starting Lineup. Er feiert sein Major-League-Debüt, alleine das wäre schon ein Traum. Dann tritt der Left Fielder zum ersten Mal an die Platte, bekommt von Joe Blanton den ersten Pitch seiner Karriere serviert - und donnert ihn in den Bullpen. Homerun! Grand Slam! Mit dem ersten Pitch der Karriere! Wahnsinn! Manche Experten meinen, dass es in seiner Karriere von jetzt an nur noch bergab gehen kann, außer er heiratet ein Supermodel...

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Der zweite Moment des Monats gehört Rays-Manager Joe Maddon. Wir erinnern uns: Das ist der Typ, der sich im Mai so ein überragendes Wortgefecht mit einem Umpire geliefert hatte. Nun ist Maddon wieder stocksauer, läuft aufs Feld und fängt an zu schreien. Clever wie er ist, beschimpft er mit den Worten, die für den Umpire gedacht sind, aber seinen Pitcher. Eine urkomische Szene. Und die Frechheit: Maddon wird schon wieder rausgeschmissen. Dabei darf man ja wohl seinen eigenen Spieler anschreien, so lange man will, oder etwa nicht?

Statistik: Zunächst der Blick auf die Pitcher. Top in der AL sind aktuell David Price (Rays/11 Siege), Phil Hughes (Yankees/10 Siege) und Clay Buchholz (Red Sox/10 Siege). In der NL dominiert Ubaldo Jimenez (Rockies, 14 Siege), der auch weiterhin einen überragenden ERA (1.83) vorzuweisen hat. Zum Vergleich: Den besten ERA in der AL haben Price (2.44), Buchholz (2.45) und Lee (2.45). Strikeout-King der MLB ist nicht mehr Giants-Star Tim Lincecum (117 Ks), sondern Yovani Gallardo (Brewers, 120 Ks). Die meisten Saves hat Matt Capps (Nationals, 22 ) auf dem Konto. Den Titel des Homerun-Kings teilen sich momentan Paul Konerko (White Sox), Jose Bautista (Blue Jays) und Miguel Cabrera (Tigers) mit jeweils 20 Homeruns. Der beste Schlagdurchschnitt gehört Yankees-Star Robinso Cano (.352). In Sachen RBIs führen Cabrera und Vladimir Guerrero (Rangers) mit jeweils 68 vor David Wright (Mets, 63).

Verletzungen: Die Atlanta Braves müssen aktuell auf ihren Top-Rookie Jason Heyward (Daumen) verzichten, bei den Boston Red Sox fallen mit Victor Martinez (Daumen) und Dustin Pedroia (Fußbruch) gleich zwei Topstars aus. Die Detroit Tigers trifft derweil der Ausfall von Relief Pitcher Joel Zumaya (Ellbogen) hart und auch die Philadelphia Phillies haben große Verletzungssorgen. Mit Chase Utley (Daumen) und Placido Polanco (Ellbogen) fehlen zwei absolute Leistungsträger.

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Florian Regelmann

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