Mittwoch, 30.01.2008

Eli Manning exklusiv

"Plötzlich macht es klick"

München - Eli Manning hat einen der schwersten Jobs der Welt: Er spielt als Quarterback auf einer der meist beachteten Positionen im Sport.

NFL, Super Bowl, Eli Manning, New York Giants
© Getty

Er trägt den Namen Manning. Sein Vater Archie war schon ein guter Quarterback. Sein älterer Bruder Peyton ist ein großartiger Quarterback. Er wurde im Draft an Position eins gezogen. Er spielt in New York.

Zugegeben: Was den letzten Punkt angeht, wollte es Eli Manning auch nicht anders. Als er von den San Diego Chargers gedraftet wurde, forcierte er seinen Wechsel nach New York.

Seit diesem Tag, seit dem 24. April 2004, steht Manning in New York mehr oder weniger unter Beschuss.

Fehlerfreie Playoffs  

Auch diese Saison prasselte viel Kritik auf ihn nieder. 23 Touchdowns standen in der regulären Saison 20 Interceptions gegenüber.

Eine schlechte Leistung in den Playoffs und die Stimmen, die einen neuen Quarterback für die New York Football Giants gefordert hätten, wären sehr laut geworden.

Manning hat die Antwort auf dem Feld gegeben. Der 27-Jährige spielt eine fehlerfreie (4 Touchdowns, keine Interception) Postseason und ist einer der Hauptgründe, warum die Giants am Sonntag im Super Bowl stehen.

Man könnte sogar argumentieren, dass er bislang der beste Quarterback in den Playoffs war. Nicht Tom Brady.

Wie Manning die New England Patriots besiegen will, erklärt er im SPOX.com-Interview.

SPOX: Nach dem Gewinn des Super Bowls vor einem Jahr prophezeite Ihr Bruder Peyton, dass auch Sie in nicht all zu ferner Zukunft dort spielen würden. Hätten Sie gedacht, dass er so schnell Recht behalten sollte?

Eli Manning: Das weiß man doch nie. Ich habe das so lange beobachtet. Plötzlich macht es "klick" und ein Quarterback spielt auf einem höheren Level, welches seinem Team die Chance gibt, im Super Bowl anzutreten. Am Ende zählt, dass dein Team in den Playoffs am besten spielt. Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt den Hebel umgelegt. Im Spiel gegen New England in der Regular Season zeigten wir uns von unserer besten Seite. Wir waren großartig. Und aus irgendeinem Grund war dies der Moment, der alles ändern sollte.

SPOX: Ein verpatzter Saisonstart, die nie enden wollende Kritik an Ihnen selbst: Wie viel bedeutet Ihnen die Teilnahme an Super Bowl XLII?

Manning: Ich freue mich unheimlich. Doch ich weiß, dass wir nicht allein meinetwegen im Super Bowl sind. Dazu gehört nun einmal ein Team. Wir haben in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren viel durchlebt. Die Coaches, die Spieler, sogar die Teambesitzer. Wir alle haben einige Täler durchschritten und sind dadurch stärker geworden. Wir alle - auch ich - haben gelernt, mit den Medien umzugehen. Nach schlechten Spielen schreiben sie, was sie denken. Damit muss man leben. Abhaken, weitermachen. Aufs nächste Spiel konzentrieren. Wir selbst haben es in der Hand, unser Bild in der Öffentlichkeit zu ändern - mit einem Sieg im nächsten Spiel. Wir haben das gelernt und dabei viel Glaube in unsere eigenen Fähigkeiten gefunden. Wir vertrauen einander und den Coaches. Wenn wir die Chance bekommen, dann können wir es mit jedem aufnehmen. Und nun haben wir sie.

SPOX: Wo sehen Sie die Gründe für den Erfolg der Giants in den Playoffs? Sie haben immerhin nur auswärts gespielt...

Manning: Wir spielen einfach gut zusammen. Unsere Defensive ist unglaublich stark. Wir haben auch Rückstände aufholen müssen. Jedoch lagen wir nie so weit hinten, dass wir etwas hätten erzwingen müssen. Unsere Offensive Line spielt richtig gut und hält mir die Gegner vom Leib. Unsere Receiver finden die Lücken in der Verteidigung. Es ist einfach die Kombination all dieser Dinge, die uns erfolgreich macht.

SPOX: Sie loben Ihre Teamkameraden über den Klee. Haben Sie denn keinerlei Anteil am Erfolg? Immerhin sind Sie in den Playoffs noch ohne Ballverlust?

Manning: Ich kann auch nur so gut spielen, wie es die Jungs um mich herum tun. Und wenn sie ihren Job machen, habe ich doch wesentlich leichteres Spiel. Das macht es einfacher, keine Frage.

SPOX: Wie einfach?

Manning: Wenn man keine Fehler macht, den Ball nicht abgibt und sich keine Strafen einhandelt, dann wird es einfacher. Wir haben in den vergangenen Wochen sehr diszipliniert gespielt. Wir waren bekannt dafür, uns durch dumme Strafen die Chance auf Punkte zu verbauen. Doch damit ist endlich Schluss. Und es macht sich bezahlt. So lange wir clever spielen, entgehen wir unnötig schwierigen Situationen. Wir hätten Probleme, würden wir bei dritten Versuchen immer acht Yards oder mehr für ein neues First Down benötigen.

SPOX: Wie viel bedeutet Ihnen der Finaleinzug persönlich? Seitdem Sie in der NFL sind, stehen Sie ständig unter Beobachtung. Auf kaum einen anderen Spieler prasselte so viel Kritik ein...

Manning: Es fühlt sich gut an. Doch nicht nur deshalb. Es fühlt sich gut an, denn dies ist es, wofür du Tag für Tag hart an dir arbeitest. Vier Jahre haben wir gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen. Vier Jahre der Vorbereitung, unzählige Spiele - gute wie schlechte - und eben unglaublich viel Arbeit. Es ist großartig, im Super Bowl spielen zu dürfen. Doch die Reise soll hier nicht enden.

SPOX: Was haben Sie bei Ihrem ersten Duell gegen New England am letzten Spieltag der regulären Saison gelernt?

Manning: Zuerst einmal, dass sie ein verdammt gutes Team sind. Wir müssen unseren besten Football spielen, wollen wir sie schlagen. Sie sind auf allen Positionen hervorragend besetzt und haben in bislang jedem Spiel Wege gefunden zu gewinnen. Es wird verdammt schwer. Wir haben damals ein knappes Spiel verloren und viele gute Dinge gesehen - auch von uns. So waren wir zum Beispiel sehr erfolgreich, wenn wir in die Nähe ihrer Endzone gelangt sind. Wenn wir den Ball hatten, wussten wir auch etwas damit anzufangen. Aber wir haben uns auch einen Ballverlust geleistet.

SPOX: Als Sie in Woche 17 gegen die Patriots gespielt haben, hoffte da eventuell ein kleiner Teil von Ihnen, dieses Team noch ein weiteres Mal zu treffen?

Manning: Natürlich wussten wir nicht, ob sie ins Finale kommen würden. Doch wir hatten schon die Hoffnung, noch einmal gegen sie spielen zu dürfen. Wir haben nicht perfekt gespielt. Wir haben genügend Fehler gemacht, um ihnen den Sieg zu schenken. Wir dürfen am Sonntag keine Fehler machen. Zudem müssen wir Wege finden, ihre "Big Plays" zu verhindern. Sie können in allen drei Bereichen des Spiels - Offensive, Defensive und Special Teams - zuschlagen.

SPOX: Hat Ihnen Ihr Bruder Peyton schon gratuliert? Und hat er Ratschläge für Sie parat? Immerhin hat er schon viele Male gegen New England gespielt.

Manning: Ja und Nein. Ja, er hat mir gratuliert und freut sich natürlich für uns. Doch nein, wir sprechen nicht über solche Dinge. Ich frage ihn nicht, wie er gegen diesen oder jenen Gegner gespielt hat. Jedes Team spielt anders und hat andere Spieler. So läuft das nicht. Wichtig ist, dass ich meinen Coaches zuhöre und ihnen vertraue.

SPOX: Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass die Patriots versuchen, Geschichte zu schreiben und als erstes Team seit Einführung des 16-Spieltage-Systems ungeschlagen bleiben wollen?

Manning: Das ist doch toll. Wer würde nicht in unserer Position sein wollen. Wir spielen am besten, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir lieben Herausforderungen.

Interview: Sebastian Stolz

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