Demontiert von Hitlers Schergen

Von Maximilian Schmeckel
Freitag, 17.07.2015 | 11:38 Uhr
Österreichs Nationalteam trat bei der WM 1934 in Italien an
© getty
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Österreichs Wunderteam der 30er-Jahre war die erste große Mannschaft der Fußballgeschichte. Begründet wurde sie von einem Engländer und einem jüdischen Visionär. Nach einer erfolgreichen Dekade wurde das Team Stück für Stück vom Nazi-Regime auseinander genommen, das sich die Klasse von Sindelar, Schall und Co. Zunutze machen wollte. Jüdische Protagonisten wurden vertrieben und verfolgt, während andere hofiert und zu Nazi-Ikonen stilisiert werden sollten. Page 2 mit einer Geschichtsstunde über den Aufstieg und den Fall einer besonderen Mannschaft.

Der Mann brannte vor Ehrgeiz. Große Freude über den politischen Coup räumte er sich und seinen Mitstreitern nicht ein. Hart gegen andere, noch härter gegen sich selbst. Nicht weniger als eine neue Weltordnung war das deklarierte Ziel der Männer in den grauen Mänteln mit den auffälligen Oberlippenbärten.

Ein Ziel auf der Agenda des Mannes, der gerade das Land, aus dem er selbst stammte, annektiert hatte, war der Sport. Ähnlich den Blitzkriegen an den Fronten Europas nur ein Jahr später, sollten die Sportler des Reiches ihre Kontrahenten überrollen und die Macht Deutschlands im Sport über Jahre zementieren. Zentrum der propagandistischen Gedankenspiele: der Fußball, Favorit der Massen, von deren Liebe der Mann in Grau und seine Mannen zehrten.

Da kam gerade recht, dass einige der besten Fußballer der 30er aus Österreich stammten und so nach der Annexion für das Reich auf Torejagd gehen sollten. Deutsche Tugenden sollten mit österreichischer Klasse zu einem nicht aufzuhaltendem Konstrukt verschmolzen werden - nationalsozialistische Phantastereien, die den vorläufigen Höhepunkt des Niedergangs eines mystifizierten Teams darstellten: Des Wunderteams um Sindelar, Hiden und Schall. Der ehrgeizige Politiker, der eigentlich aus Österreich stammte: Adolf Hitler.

Väter Meisl und Hogan

Der Aufstieg des Teams, das viele heute in einem Atemzug mit dem Ungarn der 50er, dem Barcelona und Spanien der 00er, dem Real der 50er und 60er oder dem Ajax der 70er nennen, begann mit Hugo Meisl. Der Visionär, ehemaliger Spieler, Schiedsrichter und Verbandskapitän, sprach acht Sprachen fließend und sollte den Fußball des Alpenlandes revolutionieren.

Als ÖFV-Generalsekretär wurde er gemeinsam mit Trainer Jimmy Hogan zum Architekten des Wunderteams. Erstmals verpflichtete Meisl Hogan 1912 kurz vor Olympia in Stockholm als Nationaltrainer Österreichs. Hogan hinterließ sofort seine Spuren. Paradox, dass ausgerechnet ein Engländer es war, der dass "Scheiberlspiel", eine Ur-Form des "el toque", das heute fälschlicherweise als "Tiki Taka" bezeichnet wird, so vehement spielen ließ. Denn auf der britischen Insel galten Zweikampfstärke und Ausdauer als Fähigkeiten, die Erfolg garantierten.

Hogan dagegen forcierte technischen Fußball als Fundament von Ballbesitz und Positionsspiel. 1914 wurde der Engländer, der auch auf österreichischer Klubebene mit der Wiener Austria eine nachhaltige Prägung hinterlassen hatte, bei Anbruch des ersten Weltkriegs verhaftet. Klar, als Engländer war er erklärter Feind der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn.

Es gelang ihm über Umwege nach Ungarn auszureisen, wo er noch während in Europa die Hölle von Verdun tobte, mit MTK Budapest die nationalen Titel 1917 und 1918 holte, ein einziges Spiel verlor seine magyarische Kombinationsmaschinerie in beiden Saisons. Obwohl er als Brite auch in Ungarn eigentlich mit einer Verhaftung hätte rechnen müssen, durfte er als Coach arbeiten. Seine Klasse wurde als wichtiger erachtet als seine Herkunft.

Rückkehr als Vaterlandsverräter

Nach dem Ende des Krieges lag Europa vor allem in moralischer Hinsicht in Trümmern. Neben der materiellen Zerstörung, hatten Millionen von Soldaten in den Schützengräben des ersten Weltkrieges ihr Leben gelassen. Auch Ungarn war am Boden - Zerstörung, Hunger und Armut knechteten das Land. Hogan kehrte also in seine Heimat zurück - Fußballtrainer war nach dem Krieg kein Beruf mit Ertrag. Er war bettelarm, an eine Anstellung als Trainer war zunächst nicht zu denken.

Nachdem er von einer Entschädigung gehört hatte, die die FA jedem Funktioonär zugestand, der im Krieg finanzielle Einbußen hatte hinnehmen müssen, vergaß Hogan seinen Stolz und suchte den FA-Vorsitzenden Frederick Wall auf. Der warf Hogan ein paar Socken vor die Füße. "Das haben wir an die Front geschickt", lautete Walls unmissverständlich ablehnende Botschaft. Angeblich hat Wall Hogan sogar als Verräter beschimpft, der in feindlichem Terrain Fußball gespielt habe, während mutige Engländer verreckt seien.

Gedemütigt zog Hogan mit seiner Familie nach Liverpool und wurde Versandleiter. Den Ruf als Verräter wurde er nicht mehr los, einmal soll er bei einem Einkauf gar angespuckt worden sein. 1922 hörte hatte sich das brodelnde Elend in Europa wieder beruhigt und man stand an der Schwelle zu einem goldenen Jahrzehnt.

Als Hogan über einen Kontakt vom Interesse an seiner Person vom europäischen Festland hörte, ging er ohne zu zögern in die Schweiz. Nach teilweise großem Erfolg in Bern, Lausanne, Budapest und Dresden, holte Meisl seinen ehemaligen Pionier-Freund wieder nach Österreich. Hogan wurde erneut Trainer des Nationalteams.

Ernte des 1912 gepflanzten Samen

In Österreich war aus dem Samen, den Hogan 1912 gepflanzt hatte, eine stattliche Pflanze geworden. Fußballer wie Zischek, Schall und natürlich Sindelar waren prädestiniert für das Scheiberln, die Quintessenz der Wiener Schule, die Hogan begründet hatte.

Im Verborgenen feilte er an der Zeugung des Team, das seiner Idealvorstellung des Fußballs am nächsten kam. Es erlebte nach einigen, teilweise auch lautstark ausgetragenen Streits, am 16. Mai 1931 seine Geburtsstunde und besiegte mit berauschendem Fußball Schottland mit 5:0. In den nächsten Monaten zelebrierte das Wunderteam Fußball für Genießer.

Obwohl Hogan für viel Geld zu Paris ging, siegte man munter weiter und wurde sogar Europapokalsieger (Vorgänger der Europameisterschaft). Von 1931 bis 1933 verlor man bei einem Torverhältnis von 62:18 in 15 Spielen nur einmal. Und das auf englischem Boden sehr unglücklich mit 3:4 - ein Spiel, für das Hogan, um gegen seine Heimat aufzutrumpfen, sogar noch einmal von Meisl aus Paris zurück geholt wurde.

Ein später Triumph für Hogan war das 6:3 der Ungarn in Wembley 1953, Jahre lang hatte er vor dem Niedergang des englischen Fußballs gegenüber dem Donaufußball gewarnt - Puskas und Co. besiegelten seine Prophezeihung.

S-S-S-S-Achse

Das Team, das heute so sagenumwoben ist, bestand aus einer Reihe von Weltklasse-Spielern. Im Tor stand Rudolf Hiden. Der 1,84-Mann war sehr reflexstark, mutig und Weltklasse bei Flanken oder im Eins-gegen-eins. 1933 holte Hogan seinen Torhüter nach Paris, Hiden lief danach nie mehr für Österreich auf.

Nachdem er 1937 französischer Staatsbürger wurde, kam er sogar zu einem Länderspiel für die Equipe Tricolore. Vor Hiden bestand das Gerüst des Wunderteams aus der S-S-S-S-Achse. Sesta, Smisek, Sindelar, Schall - vier überragende Akteure, die flankiert vom Duo Zwischek/Vogl und assistiert von Gall, Gschweidl, Blum, Nausch oder Schramseis, ein Konstrukt bildeten, dem in puncto Spieleinfluss aus näherer Vergangenheit wohl am ehesten das Quartett Busquets, Xavi, Iniesta und Messi nahe kommt.

Abwehrchef Karl Sesta war der modernste Verteidiger seiner Zeit. Der gelernte Mittelstürmer konnte mit starker Antizipation schon viele Angriffe im Keim abfangen und stürmte dann zur Verwirrung des Gegners mit nach vorne, um mit seinem gefürchteten Schuss den Abschluss zu suchen. Ebenfalls berüchtigt waren seine eingesprungenen Tacklings, die einem Nemanja Vidic oder Vinnie Jones wohl ein verzücktes Lächeln entlockt hätten.

Legendär Sestas Dialog mit George I., dem Sohn des englischen Königs George V. - George: "Fußballer ist ein schöner Beruf!" Sestas Antwort: "Sie haben aber auch keine schlechten Hackn' (Beruf), Majestät!"

Donau-Xavi und der Papierne

Als Hirn des Spiels und Stratege par excellence wird Josef Pepi Smistik angesehen. Der Donau-Xavi war eine Rapid-Legende und einer der Routiniers des Wunderteams. Er las das Spiel und verstand sich vor allem mit Sindelar blind.

Im Angriff wirbelten neben dem explosiven Torjäger Anton Schall vom SK Admira Wien (fünfmal österreichischer Torschützenkönig), der 19 der 62 Wunderteam-Tore erzielte, Linksaußen und Youngster Adolf Vogl, Rechtsaußen Karl Zischek vom SC Wacker Wien, der technisch als einer der besten Spieler des Teams galt und Friedrich Gschweidl von Vienna FC, vor allem die Ikone schlechthin und der Kapitän des Wunderteams. Der vielleicht beste Spieler seiner Zeit: Matthias Sindelar, der Papierne.

Der größte Spieler der österreichischen Fußballgeschichte wurde 1903 in Mähren, Teil des heutigen Tschechiens geboren. 1906 zogen die Sindelars nach Wien, wo der Vater sich eine bessere Zukunft für seine Familie erhoffte. 1917 fiel Matthias Vater im Krieg, Sindelar machte eine Lehre zum Schlosser und entdeckte aber schnell seine wahre Berufung: den Fußball.

Bei Austria Wien wurde der schmale Techniker zum Superstar. Trotz mäßiger Erfolge und lukrativer Angebote von Arsenal London, Rapid und Slavia Prag, blieb er seiner Austria, mit der er 1933 gegen Inter Mailand und Meazza den Mitrocup erringen konnte, treu.

Seite 1: Vorbild für Barcelona nach englischem Muster

Seite 2: Das Ende der Wundermannschaft

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