Olympia

Tests ergeben: Doping-Hightechflaschen nicht fälschungssicher

SID
Die Doping-Hightechflaschen sollen angeblich nicht fälschungssicher sein.
© getty

Das Sicherheitsproblem mit den Hightechflaschen für die Dopingproben bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ist offenbar noch größer als ohnehin schon angenommen. Laut eines Berichts des Schweizer Online-Magazins Republik, das gemeinsam mit der ARD-Dopingredaktion, der britischen Sunday Times und dem schwedischen Fernsehen SVT ein Rechercheteam gebildet hat, sind die Behälter nicht nur gelegentlich wiederholt zu öffen, sondern auch nicht fälschungssicher.

Wie das Magazin berichtete, wurden die Flaschen der Schweizer Firma Berlinger "zersägt und kopiert, nachgebaut, kühl gelagert und die Deckel auf- und wieder zugedreht". So sei in einem Betrieb im Ruhrgebiet die Flasche kurz unter dem Verschluss aufgeschnitten worden. Den Verschluss habe man danach problemlos auf eine andere Flasche schrauben können. Für einen Kommentar der Firma Berlinger stand auf SID-Anfrage niemand zur Verfügung.

Die Kopie einer solchen Flasche sei laut Republik im Internet bestellt worden und sehe dem Original täuschend ähnlich. Anschließend seien die notwendigen Etiketten kopiert worden. Diese neue Flasche sei anschließend einem Tester aus einem europäischen Dopingkontrolllaber vorgelegt worden.

Original und Plagiat nicht voneinander zu unterscheiden

Dieser erklärte nach seiner Untersuchung des Objekts: "Ich habe das jetzt mehrere Minuten angeschaut und nicht erkennen können, was Original und was die Fälschung ist. Nur als ich die Flaschen aneinandergestoßen habe, da war der Klang minimal anders. Im normalen Ablauf ist das aber nicht üblich, die Flaschen so exakt zu kontrollieren. Das würde nicht auffallen." Dieser Test wurde anschließend auch noch in anderen Laboren durchgeführt, mit dem gleichen Ergebnis.

Republik berichtete weiter, dass auch der Deckel mit dem angeblich sicheren Verschluss von einer Spezialistin problemlos nachgebaut worden sei. In der Folge wurde eine komplett nachgebaute Flasche mit Etikett und Deckel einem Mitarbeiter eines Kontrolllabors vorgelegt. Auch die komplette Kopie konnte offenbar nicht als solche identifiziert werden.

Manipulation der Flaschen problemlos - Sportrechtsexperte geschockt

Die Originalflaschen der Firma Berlinger ließen sich nach einer 72-stündigen Lagerung in einem Kühlschrank teilweise mühelos aufdrehen und anschließend wieder verschließen. Einer Manipulation wäre dadurch Tür und Tor geöffnet.

Für den deutschen Sportrechtsexperten Michael Lehner ist das ein Skandal. "Ich war geschockt, wie leicht die Behälter zu öffnen sind. Deshalb habe ich auch gesagt: Das Dopingkontrollsystem ist am Ende", sagte er dem SID am Dienstag.

Die Sicherheitsprobleme bei den Dopingtestflaschen für die Olympischen Winterspiele haben seiner Meinung nach gravierende juristische Auswirkungen. Es komme bei den Dopingverfahren zu einer Umkehr der Beweislast, sagte Lehner, "die Beweislast trifft nun nicht mehr den Athleten, sondern voll den Verband."

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