Donnerstag, 06.02.2014

Der Fluch der Großereignisse

Severin Freund: "Weg von Platz vier"

Skispringer Severin Freund will endlich in einer Reihe mit Weißflog, Hannawald und Thoma genannt werden. Doch dazu bedarf es einer Einzel-Medaille - es wäre seine erste.

Severin Freund hofft in Sotschi auf den ganz großen Sprung
© getty
Severin Freund hofft in Sotschi auf den ganz großen Sprung

Als kleines Kind schaute Severin Freund vor der Schule die Olympischen Spiele im Fernsehen, später sah er seine heutigen Konkurrenten Simon Ammann und Thomas Morgenstern zu Gold fliegen. "Wenn man Olympiasieger ist, dann hat man es geschafft", sagt der Skispringer, der endlich auch in die Galerie der Großen seiner Sportart will.

Seit Jahren gehört Freund zur Weltspitze, doch bei Großereignissen will es einfach nicht klappen. "Ich wünsche ihm von Herzen, dass er von den vierten Plätzen wegkommt", sagt Bundestrainer Werner Schuster über seinen Vorflieger, der schon bei zwei Weltmeisterschaften das Podest denkbar knapp verpasste: "Er hat die Chance, sich den Medaillentraum zu erfüllen. Jetzt muss er sich den Lohn abholen."

Freunds Form stimmt vor der ersten Entscheidung am Sonntag. Zwei zweite Plätze bei der Olympia-Generalprobe in Willingen beförderten den 25-Jährigen automatisch in den Kreis der Medaillenkandidaten. Schon Bronze wäre angesichts der deutschen Olympia-Bilanz der jüngeren Vergangenheit ein Erfolg. Nur die Idole Jens Weißflog (Gold 1994), Dieter Thoma (Bronze 1994) und Sven Hannawald (Silber 2002) holten nach der Wiedervereinigung olympisches Edelmetall im Einzel.

Gedanke ans Podest zulassen

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In diesen illustren Kreis will nun auch Olympia-Debütant Freund. "Ich wünsche mir, dass ich nach den Spielen zufrieden mit mir selber bin. Und natürlich, dass ich mit einer Medaille nach Hause fahre. Am besten auch im Einzel", sagte der deutsche Hoffnungsträger dem "SID". Den Gedanken an das Podest solle man zulassen "und auch für sich fixiert" haben.

Der Saisonverlauf war für Freund allerdings nicht ganz befriedigend. Anfang Dezember gewann er den Weltcup in Lillehammer, doch bei der Vierschanzentournee enttäuschte der Bayer auf der ganzen Linie. Beides hatte der Wahl-Münchner schon ein Jahr zuvor erlebt. "Es ist selten, dass man eine Form über die ganze Saison hält", so Freund. Sollten sich die Parallelen fortsetzen, winkt Großes: Vor einem Jahr wurde er in Sotschi im Weltcup auf der Normalschanze Zweiter.

Schanze mit "eigenem Charakter"

Genau dort geht es nun am Sonntag um Olympia-Gold. "Die Schanze hat einen eigenen Charakter, das mag ich", sagt er und fängt dann an zu träumen: "Wir haben damals das beste deutsche Ergebnis seit mindestens zehn Jahren eingefahren, waren auf den Plätzen zwei, drei, fünf, sechs und zehn. Wenn wir das noch toppen können..."

Doch Severin Freund will auch die Faszination Olympia erleben. Ein paar freie Tage haben die deutschen Adler nach Sonntag, der Besuch bei anderen Sportarten ist bereits eingeplant. "Das habe ich ganz fest vor. Da werden wir was Schönes mitnehmen", sagt Freund, der 2010 das Ticket für Vancouver knapp verpasst hatte. "Damals sind alle mit leuchtenden Augen zurückgekommen. Da war klar: Ich will mit." Leuchtende Augen - so wie damals vor dem Fernseher.


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