Olympia

Riesch und Co. kämpfen mit Piste

SID
Maria Riesch holte bei der WM 2009 die Goldmedaille im Slalom
© Getty

Das Duell Maria Riesch gegen Lindsey Vonn sollte einer der Höhepunkte der Olympischen Spiele von Vancouver sein, doch jetzt droht das erste Aufeinandertreffen der Skiköniginnen zur Farce zu werden.

Anstatt sich am Mittwoch (11.00 Uhr Ortszeit/20.00 Uhr MEZ) in der Abfahrt auf das Ringen um die Krone ihres Sports konzentrieren zu können, müssen Riesch und Vonn wohl mit der Strecke kämpfen.

"Die Piste ist von oben bis unten eine einzige Rumpelkiste, darauf habe ich mich einfach nicht wohl gefühlt", sagte Riesch nach dem ersten und wohl einzigen Training auf dem Franz´s Run. Die noch immer leicht angeschlagene Amerikanerin Vonn klagte: "Der Kurs ist der schlechteste für mein Schienbein überhaupt. Er ist sehr wellig und schmerzhaft, ich war förmlich geschockt."

Und auch Anja Pärson aus Schweden schimpfte: "Die Strecke ist fast wie eine Buckelpiste." Regen und Schnee hatten die Piste am Wochenende aufgeweicht, so dass zunächst alle Trainings und am Sonntag die Super-Kombination verschoben werden mussten. Obwohl es in der Nacht auf Montag kälter wurde, waren die Veranstalter nicht in der Lage, die Piste in einen besseren Zustand zu bringen.

Berthold: "Sprünge zu weit"

"Die Mädels hatten alle Hände voll zu tun, den Berg runterzukommen", sagte Cheftrainer Mathias Berthold. Und vor dem Rennen drohte erneut Ungemach: Für Dienstag waren wieder Niederschläge vorhergesagt, das zweite Training war stark gefährdet.

Gegen das Wetter sind die Veranstalter machtlos, Berthold forderte sie aber trotzdem auf zu reagieren: "Der Zielsprung ist zu mächtig. Da müssen wir nochmal reden, da gehen die Sprünge zu weit."

Neben der Unterlage machte Riesch und Co. bei der Übungsfahrt auch die Zweiteilung zu schaffen. Weil nebenan die Männer-Abfahrt ausgetragen wurde, mussten sie ihren Kurs in zwei Etappen befahren - eine in der Olympia-Geschichte einmalige Sache.

Riesch beschwerte sich jedoch nicht über die Aufsplittung, "obwohl es besser gewesen wäre, alles auf einmal durchzuziehen". Aufgrund der Zweiteilung hatte auch das Ergebnis nur bedingte Aussagekraft, Riesch lag in der Addition 1,82 Sekunden hinter Vonn, die Bestzeit fuhr.

Riesch: "Lindsey ist die Favoritin"

"Das Ergebnis macht mich nicht nervös. Und dass Lindsey die Favoritin ist, habe ich ja schon immer gesagt", meinte Riesch, die die Olympia-Generalprobe in St. Moritz gewonnen hatte, allerdings nicht als Trainingsweltmeisterin gilt. Während Riesch auf eine zweite Testfahrt am Dienstag hoffte, flehte Vonn dunkle Mächte an, um diese zu verhindern.

"Ich hoffe, dass Mutter Natur kooperiert und ich nicht noch einmal fahren muss. Spaß macht das hier nicht, es geht nur darum, die Augen zuzumachen und durchzuhalten. Es ist ein einziger Kampf, überhaupt nach unten zu kommen", beschrieb sie ihre Erfahrungen in Whistler Creekside.

Keine Rede mehr von Verzicht

Vonns Verletzung ist zwischen den Freundinnen Gesprächsthema Nummer eins. "Maria fragt mich jeden Tag, wie es mir geht", sagte Vonn, die noch vor wenigen Tagen über einen möglichen Verzicht auf die Spiele gesprochen hatte. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.

"Ich glaube nicht, dass sie ein Pokerspiel betreibt. Sie hat sicher Schmerzen, aber sehr scheint sie das nicht zu beeinflussen", sagte Riesch über die Weltmeisterin, die mit Schmerzmitteln fahren will. Auch für Berthold bleibt "diese Amerikanerin" die Topfavoritin.

Riesch zählt der erfahrene Coach "zum Kreis der Medaillenkandidaten" - wenngleich er mit ihrer Traingsleistung nicht zufrieden war. "Das war nicht so entschlossen, wie wir uns das vorgestellt haben2, sagte er. Doch Berthold bleibt dabei: "Maria hat sehr gute Chancen."

Defago gewinnt Gold in der Abfahrt

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