Olympia

Stickl: "Die Gefahr gehört dazu"

Von Interview: Christian Bernhard
Simon Stickl war erst bei den Alpinen, seit 2008 startet er im Weltcup der Skicrosser
© Imago

Simon Stickl ist die deutsche Olympia-Hoffnung im Skicross. Der 22-Jährige gewann Anfang Januar sein erstes Weltcuprennen und spricht bei SPOX über die Faszination Skicross, seine Ziele in Vancouver und Victoria Rebensburg. Außerdem erklärt er, wieso es gut ist, dass Daron Rahlves noch kein Skicross-Weltcuprennen gewonnen hat.

SPOX: Was bedeutet Olympia für Sie?

Simon Stickl: Olympia ist in dieser Saison einfach alles, die ganze Vorbereitung war darauf ausgerichtet. Das ist das große Ziel, vor allen Dingen nach der nicht so guten letzten Saison. Das sind schließlich die ersten Olympischen Spiele der Geschichte für uns Skicrosser. Da wollte jeder hin.

SPOX: Ist Ihnen bewusst, dass Sie Geschichte schreiben können?

Stickl: Ja, das hat jeder von uns im Kopf. Da wird im Fahrerlager schon viel herumgescherzt. Mit etwas Losglück bekommt man die Nummer eins, dann bist du der erste Skicrosser, der bei Olympia startet.

SPOX: Steigt dadurch der Druck?

Stickl: Das ist jetzt noch zu weit weg. Vielleicht ändert es sich, wenn man die Startnummer bekommt oder dann oben am Start steht. Ich habe allerdings keinen Druck, denn ich bin mit Abstand der Jüngste im Feld und habe nichts zu verlieren. Ich kann es ganz locker angehen.

SPOX: Was macht die Faszination Skicross aus?

Stickl: Der Kampf Mann gegen Mann. Vier Leute treten gegeneinander an und zwei kommen weiter. Das Ganze mit Sprüngen von bis zu 50 Meter, das ist einfach Action und Adrenalin pur.

SPOX: Das klingt nicht ungefährlich.

Stickl: Die Gefahr gehört dazu. Aber es gibt ja klare Regeln: Schubsen oder schlagen z.B. sind nicht erlaubt und Verletzungen passieren überall, auch bei den Alpinen. Seit ich beim Skicross bin, habe ich mich noch nie schlimmer verletzt.

SPOX: Wie sind Sie zum Skicross gekommen?

Stickl: Ich habe als Alpiner angefangen und war deutscher Jugendmeister im Slalom. Dann habe ich mir das Schienbein gebrochen. Ich bin nicht mehr richtig vorwärtsgekommen und nicht mehr beachtet worden. Ein Freund hat mich dann überredet, mir Skicross anzuschauen. Als es dann olympisch wurde, habe ich mir gedacht: Okay, das ist jetzt deine Chance. Es war also mehr oder weniger Zufall.

SPOX: Der bekannteste Skicrosser ist Ex-Alpin-Weltmeister Daron Rahlves. Wie ist er so drauf?

Stickl: Daron ist ein super sympathischer Kerl, aber wir freuen uns tierisch, wenn so ein Star zu uns in den Skicross kommt und nicht gewinnt. Er fährt jetzt seit drei Jahren bei uns und hat noch kein Weltcuprennen gewonnen. Und davor haben alle gesagt: Wenn so ein Mann kommt, haben die Skicrosser keine Chance. Das ist natürlich das Beste für uns, denn der Fokus ist meistens auf ihn gerichtet.

SPOX: Wie ist Euer Verhältnis zu den Alpinen? Trainiert Ihr auch mit ihnen?

Stickl: Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Deutschen, von den anderen bekommt man nicht so viel mit. Das Training ist aber komplett getrennt, außer man trifft sich mal zufällig im Kraftraum.

SPOX: Zurück zu Olympia: Was darf in Ihrem Koffer auf keinen Fall fehlen?

Stickl: Auf jeden Fall der Laptop, sonst bin ich aufgeschmissen (lacht). Das Handy muss natürlich auch mit. Sonst eigentlich nichts Besonderes.

SPOX: Welche anderen Sportarten möchten Sie in Vancouver anschauen?

Stickl: Auf jeden Fall Eishockey, im Mutterland des Eishockeys ist das ein Muss. Dann die Kollegen vom Boardercross und bei den Alpinen möchte ich auch vorbeischauen, vor allem beim Slalom der Herren und dem Riesenslalom der Damen. Victoria Rebensburg kommt nämlich aus dem gleichen Tal wie ich.

SPOX: Auf was freuen Sie sich besonders?

Stickl: Die Vorfreude auf das olympische Dorf ist riesengroß. In diesem Alter schon bei Olympia zu sein, ist natürlich der Hammer. Auf die Eröffnungsfeier bin ich auch sehr gespannt. Vor so vielen Menschen ins Stadion einzumarschieren, das ist bestimmt Gänsehaut pur und ein geiles Gefühl.

SPOX: Kennen Sie die Olympia-Strecken schon?

Stickl: Ja, wir hatten letztes Jahr einen Testweltcup. Die Strecke ist cool, sie ist eindeutig die spektakulärste der kompletten Saison. Viele Steilwandkurven, die weitesten Sprünge und mit Abstand der längste Kurs im Weltcup. Da wird auch die Kondition eine wichtige Rolle spielen.

SPOX: Und wie kommen Sie damit zurecht?

Stickl: Die Generalprobe ist sauber in die Hose gegangen, das hat zur letzten Saison gepasst. Wir waren ohne eigenen Servicemann drüben und das ist in Übersee, wo die Schneeverhältnisse komplett anders sind, einfach nicht kompensierbar. Das war vorauszusehen, dass das nicht gut wird. Jetzt fliegen wir zehn Tage vor dem Wettkampf rüber und haben somit genug Zeit zum testen und um uns an die Bedingungen zu gewöhnen.

SPOX: Ihre Ziele?

Stickl: Ich möchte einfach ein gutes Rennen fahren, abgerechnet wird dann im Ziel. Olympia hat seine eigenen Gesetze, das ist für uns alle eine Premiere. Mal schauen, wie die Konkurrenten so darauf reagieren.

SPOX: Wer sind denn Ihre Favoriten?

Stickl: Wenn er seine Form hält, ist Mike Schmid aus der Schweiz der Topfavorit auf Gold. Mit den kanadischen Lokalmatadoren  muss man aber auch auf jeden Fall rechnen. Und Thomas Kraus. Bei ihm lief es diese Saison noch nicht so gut, aber der hat schon alles gewonnen und den darf man nie abschreiben.

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