Dienstag, 09.02.2010

Das olympische Eishockey-Turnier: Die USA in der Analyse

Team USA: Jugend forscht

Olympia im Mutterland des Eishockeys - und dann auch noch mit allen Superstars der NHL. Bei allem Respekt vor den anderen olympischen Sportarten: In Kanada und den USA spricht man fast nur über den großen Hockey-Clash der Großmächte in Vancouver. SPOX stellt die Teams der Top-6-Eishockey-Nationen in Porträts vor und sagt voraus - nicht ganz ernst gemeint -, wie sie sich die Goldmedaille holen werden. Teil 3: Die USA um die Youngster Zach Parise und Patrick Kane.

So jung sind Patrick Kanes Teammitglieder in Vancouver dann doch nicht
© Getty
So jung sind Patrick Kanes Teammitglieder in Vancouver dann doch nicht

Tor: Das Prunkstück der US-Boys. Sabres-Goalie Ryan Miller ist nicht nur für US-General-Manager Brian Burke "momentan der beste Torhüter der NHL", auch die Statistiken untermauern das: Platz eins bei der Fangquote (93,1 Prozent), Platz drei beim Gegentorschnitt (2,16) und fünf Shutouts stehen zu Buche. Läuft Miller heiß, ist für Team USA alles möglich.

Mit Tim Thomas von den Bruins steht zudem der amtierende Vezina-Trophy-Gewinner im Kader, dazu kommt Kings-Goalie Jonathan Quick, der die NHL mit 34 Siegen anführt. Ein schlechtes Paket sieht anders aus. Obwohl sich die Offiziellen noch nicht auf die Nummer eins festgelegt haben, müsste schon viel passieren, dass die Wahl nicht auf Miller fällt.

Abwehr: Red-Wings-Verteidiger Brian Rafalski ist neben Kapitän Jamie Langenbrunner und Chris Drury nur einer von drei US-Boys, die bereits Olympia-Erfahrung haben. Trotz einer bisher durchwachsenen Saison in Detroit ist er zusammen mit Ryan Suter (Nashville Predators) der Anführer der US-Abwehr.

Suter bringt zudem positive familiäre Olympia-Vibrations mit: Vater Bob war 1980 Mitglied des "Miracle on Ice"-Teams und Onkel Gary gewann 2002 mit dem US-Team Silber. Große Hoffnungen liegen auf den zwei "Youngster-Johnsons", Erik von den St. Louis Blues und Jack von den Kings.

In den letzten Tagen mussten mit Paul Martin (New Jersey Devils) und Mike Komisarek (Montreal Canadiens) gleich zwei Verteidiger verletzungsbedingt absagen. Das Duo wird von Ryan Whitney (Anaheim Ducks) und Tim Gleason (Carolina Hurricanes) ersetzt, die Qualität an der blauen Linie sinkt aber beträchtlich.

Angriff: Vorhang auf für die US-Youngster: Zach Parise (26 Tore, 32 Assists) und Patrick Kane (22 Tore, 40 Assists) gehören jetzt schon zu den Topscorern der Liga und führen die freche und torhungrige Offensive der US-Amerikaner an. Die Zeiten von Mike Modano, Scott Gomez, Bill Guerin, Doug Weight, Keith Tkachuk und Co. gehören der Vergangenheit an, nun heißt es: Jugend forscht.

Mit einem Durchschnittsalter von 26,5 Jahren ist das 2010er Team das jüngste der US-Amerikaner, seit die NHL ihre Spieler für Olympia freistellt (1998). Zu Parise und Kane gesellt sich Nummer-1-Center Paul Stastny, der auch das Power Play dirigieren wird. Mit Ducks-Angreifer Bobby Ryan steht ein weiterer 25-NHL-Tore-Mann im Kader, dazu kommt Ryan Malone (Tampa Bay Lightning), der nicht nur mit seiner Torgefahr (21 Treffer), sondern auch mit seiner physischen Präsenz und als Top-Penalty-Killer glänzen soll.

Heimlicher Kapitän ist Chris Drury von den New York Rangers, der trotz seiner enttäuschenden Saison (9 Tore, 11 Assists) als Leader, Winner-Typ und Crunch-Time-Player gebraucht wird. Der 33-Jährige wurde sogar bei der Zusammenstellung des Teams konsultiert.

Burke ist davon überzeugt, ein "Team mit großem Hockey-Verständnis und vielseitigen Spielern, die schnell auf den Beinen sind" zusammengestellt zu haben. Das Motto: Mut, Aggressivität und ein starker Torhüter vs. Kanadas Klasse, Russlands Offensivpower und Schwedens Erfahrung.

Kapitän Langenbrunner ist von seinem Team überzeugt: "Ich sehe keinen Grund, wieso wir nicht Gold gewinnen könnten. Unser einziger Gedanke sollte der Sieg sein, auch wenn andere Teams höher eingestuft sind."

Trainer: Gäbe es im Duden einen Eintrag für "Hockey-Trainerfuchs", der Name Ron Wilson stünde daneben. Bei über 1000 NHL-Spielen stand der 54-Jährige an der Bande, mit 15 Trainer-Jahren in der NHL ist er eine Legende, deren Weg bereits erblich vorgezeichnet war: Sowohl sein Vater Larry als auch sein Onkel Johnny trainierten die Detroit Red Wings.

Wilson führte das US-Team 1996 zum WM-Sieg über Kanada und stand auch zwei Jahre später bei den Olympischen Spielen in Nagano an der US-Bande. Wilsons Philosophie: "Wir möchten einen schnellen und aggressiven Forechecking-Stil spielen, der uns ein hohes Maß an Puckkontrolle garantieren soll." Außerdem weiß der Maple-Leafs-Coach, wie man Legenden bezwingt, schließlich traf er gegen Wladislaw Tretjak.

So gewinnen die USA Gold: Dank einer starken Defensive und aufopferungsvollem Kampf rücken die US-Boys ins Halbfinale vor. Dort warten die Russen und Sbornaja-Star Alex Owetschkin legt mit drei Toren in den ersten vier Minuten wie die Feuerwehr los. Doch die beruhigende Führung macht die Russen überheblich und nachlässig, was sich rächen soll.

In einem legendären Schlussdrittel sorgen die Amerikaner für die Neuauflage des "Miracle on Ice" von 1980. Vier Tore in den letzten sieben Minuten bedeuten den Finaleinzug. Dort geht es gegen Kanada und der Sieg geht an die US-Boys - schließlich gewannen die Ahornblätter vor acht Jahren in Salt Lake City auf US-Boden Olympiagold. Jetzt drehen Parise und Co. eben den Spieß um - allerdings nicht auf die gewohnte defensive Art und Weise, sondern durch ein Offensiv-Feuerwerk.

Mit je drei Treffern schießen Parise und Langenbrunner ihren Devils-Kollegen Martin Brodeur beim 7:2-Sieg quasi im Alleingang ab. Die Torhüter-Legende beendet daraufhin abrupt ihre Karriere: "In all meinen Jahren bei den Devils habe ich nicht mal im Training so viele Tore von den beiden bekommen."

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Christian Bernhard

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