Olympia

Deutsches Team scheitert an China

SID
Timo Boll gewann zwar sein Spiel gegen Zhang Jike, doch das war nicht genug
© Getty

Timo Boll zeigte Olympiasieger Zhang Jike die Grenzen auf, doch am Ende standen Deutschlands Tischtennis-Herren gegen China wieder mit leeren Händen da. Der Europameister verlor das Halbfinale des olympischen Mannschaftswettbewerbs gegen die alles andere als übermächtig spielenden Chinesen 1:3 und trifft nach der verpassten Sensation im Bronze-Match am Mittwoch auf Hongkong oder Südkorea.

Statt mit dem ersten Sieg gegen die Asse aus dem Reich der Mitte Geschichte zu schreiben, blieb Boll und Co. nur der anerkennende Handschlag. Wie schon im WM-Finale von Dortmund und dem olympischen Endspiel in Peking vor vier Jahren suchten Boll, Dimitrij Ovtcharov und Bastian Steger vergeblich nach dem Loch in Chinas Mauer.

"Wir müssen die Niederlage abhaken und uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Das wird unser Finale", sagte Boll. "Ich bin sehr traurig, wir hatten eine große Chance. Timo war fantastisch. Hätten wir 2:0 geführt, hätten wir gewonnen", sagte Ovtcharov.

Boll punktet, Ovtcharov patzt

Ausgerechnet der in London bisher nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzende Boll hielt Deutschland lange im Spiel. Mit seinem klaren 3:1-Erfolg über Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike schockte der WM-Dritte die Asse aus dem Reich der Mitte und besorgte den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1. Zuvor hatte Ovtcharov bereits die Führung auf dem Schläger.

Der Olympia-Dritte bot gegen Ma Long streckenweise herausragendes Tischtennis und stachelte mit dem Gewinn des zweiten Satzes selbst einige britische Zuschauer unter den 7.000 Fans zu "Deutschland, Deutschland"-Rufen an.

Doch im dritten Durchgang verlor der 23-Jährige beim Stand von 9:9 die Konzentration und setzte einen vergleichsweise einfachen Angriffsschlag daneben. Der 23-Jährige war fortan völlig von der Rolle, verlor den Satz und wenig später auch das Match.

Im Doppel, ohnehin eine chinesische Domäne, war für Boll und Bastian Steger nicht mehr als der Gewinn des erste Satzes drin. Gegen den Deutschen Meister Steger sorgte der Weltranglistenerste Ma Long zur Erleichterung des chinesischen Teams durch einen ungefährdeten Sieg für die Entscheidung.

Kein offizieller Sieg

In der Statistik der offiziellen Länderspiele bleibt Deutschland damit auch nach 22 Vergleichen mit China ohne Sieg. Nur bei einem Freundschaftsspiel am 1. April 1989 in Urbach war eine Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) als Sieger vom Tisch gegangen. Die bisher knappste Niederlage ist bereits über 20 Jahre alt.

Bei der WM 1991 gab es ein 2:3, wobei China aus taktischen Gründen nicht gewinnen wollte und die Deutschen beim Stand von 2:0 einfach aufgaben.

An taktische Spielchen ist in London nicht mehr zu denken. Die Vergabe der Goldmedaillen dürfte zu einer rein chinesischen Angelegenheit werden. Die Damen erreichten am Montagvormittag das Endspiel durch ein 3:0 gegen Südkorea. Dort treffen die Weltmeisterinnen am Dienstag auf Japan, dass durch den Finaleinzug die erste olympische Medaille im Tischtennis bereits sicher hat.

Der Medaillenspiegel

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