Olympia

Deutsche Hockey-Herren im Endspiel

SID
Donnerstag, 21.08.2008 | 19:14 Uhr
Hockey, Herren, Olympia, Finale, Deutschland
© Getty

Peking - Sie rissen die Arme jubelnd nach oben, stürzten sich auf Torwart Max Weinhold und begruben den Teufelskerl nach dem Siebenmeter-Krimi von Peking unter sich.

Ausgerechnet die ehemalige Nummer drei im deutschen Tor wurde in der dramatischen Neuauflage des Olympia-Halbfinales von Athen gegen die Niederlande zum Matchwinner.

Nervenstark entschärfte er drei von sechs Schüssen und führte die deutschen Hockey-Herren beim 4:3 im Siebenmeterschießen ins Endspiel. Nach einem dramatischen Spielverlauf hatte es nach der Verlängerung 1:1 gestanden.

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Weinhold der "geilste Torhüter"

Die Glanztaten des 1,96 großen und 99 Kilogramm schweren Hünen verleiteten seinen Teamkollegen Christopher Zeller zu Lobeshymnen: "Das ist der geilste Siebenmeter-Torhüter überhaupt. Wir wussten, er hält mindestens zwei."

Weinhold selbst gab sich auch nach dem alles entscheidenden Duell gegen Taeke Taekema cool: "Ich habe ihm tief in die Augen geschaut."

Im Finale treffen Weinhold & Co. auf Spanien, das sich im zweiten Halbfinale mit 3:2 gegen Athen-Sieger Australien durchsetzte.

Unlösbar scheint diese Aufgabe nicht: Schon in der Vorrunde gelang dem DHB-Team ein 1:0-Sieg gegen die Iberer. Anders als auf die meisten anderen Ballsportarten war auf das deutsche Hockey in Peking wieder einmal Verlass. Schließlich kämpft auch das Damen-Team an diesem Freitag gegen Argentinien um Bronze.

"Schade Deutschland, alles ist vorbei"?!

Der Krimi gegen die Niederländer mit dem Happy-End für die deutsche Mannschaft war nichts für schwache Nerven. Erst zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit erzielte Philipp Zeller das 1:1.

"Ich habe immer davon geträumt, ein wichtiges Tor zu schießen", kommentierte der Verteidiger. Erst kurz zuvor waren die Holländer durch Timme Hoyng nach einer Strafecke in Führung gegangen (65.).

Mit schelmischem Grinsen beschrieb Stürmer Carlos Nevado seinen Gemütszustand: "Einfach unfassbar. Es war vor allen Dingen deshalb ein schönes Gefühl, weil die holländischen Fans zwei Minuten vor Schluss gesungen haben: 'Schade Deutschland, alles ist vorbei'."

Weise könnte Geschichte schreiben

Beim Führungstreffer von Hoyng war der Ball unhaltbar für Weinhold abgefälscht worden. "Ich habe mich geärgert wie Sau. Wir waren kurz davor, uns selbst zu bestrafen. Man fühlt sein Magengeschwür ein bisschen wachsen", berichtete Coach Weise.

Nach dem Finaleinzug ergibt sich für ihn die Chance, als erster Hockey-Trainer sowohl mit einer Damen- als auch mit einer Herren-Mannschaft Gold zu gewinnen.

In der Zeit vor Weise hatten die deutschen Hockey-Herren schon öfter das "Oranje"-Team vom Siebenmeter-Punkt aus bezwungen. Und nach dem 9:8 in Dublin 1995 und dem 5:4 vier Jahre später in Padua jeweils im EM-Endspiel dürfte das Trauma für die Niederländer nun komplett sein.

"Wir wollten es vielleicht einen Tick mehr als die Holländer, das war das geilste Spiel überhaupt", frohlockte Mittelfeldmann Moritz Fürste.

Glück im Unglück

Der Tag hatte mit einer schlechten Nachricht für das deutsche Team begonnen: Oliver Korn musste wegen eines fiebrigen Infekts passen.

Kurzfristig wurde der mit einer sogenannten P-Akkreditierung ausgestattete Gladbacher Jan-Marco Montag nachnominiert.

Die DHB-Auswahl ließ sich davon aber gar nicht irritieren. Einziges Manko war lange Zeit die Schussausbeute. Auch in der dramatischen Verlängerung fehlte Benjamin Wess bei einem Pfostentreffer das nötige Glück für das mögliche Golden Goal.

Weise mit richtigem Gespür

Verlass war aber jeder Zeit auf Weinhold, der lange in der von beiden Seiten spürbar mit Respekt geführten Partie wenig geprüft worden war.

Beim alles entscheidenden Siebenmeterschießen überraschte der Keeper mit einer besonderen Strategie: "Die Taktik ist die, seine Taktik ständig zu ändern", verriet er.

Weise hatte sich vor Olympia für Weinhold entschieden und dafür Weltmeister-Keeper Ulrich Bubolz ausgemustert und Christian Schulte nur als Ersatz mit nach China genommen.

"Damit hat der Trainer intuitiv die richtige Entscheidung getroffen", befand Christopher Zeller.

 

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