EM-Boykott: Ein Trainer bleibt daheim

SID
Freitag, 09.01.2015 | 10:25 Uhr
Titelverteidigerin Ireen Wüst hat kein gutes Gefühl bei der EM in Russland
© getty
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Viel Lärm um wenig, am Ende war es nur noch einer, der dem Boykott-Aufruf folgte: Der niederländische Trainer Jan van Veen trat die Reise zur Eisschnelllauf-EM nach Tscheljabinsk nicht an. Damit wollte der Coach seinen Protest gegen die russische Ukraine-Politik zum Ausdruck bringen.

Das Oranje-Team geht allerdings am Samstag und Sonntag am Ural wie gewohnt auf Medaillenjagd.

"Ich habe gesagt, dass ich auf keinen Fall dorthin fahren werde. Dabei bleibt es auch", sagte van Veen. Der Mitinitiator des Boykott-Aufrufs ist Trainer von Titelverteidiger Jan Blokhuijsen und Allround-Weltmeister Koen Verweij.

Blokhuijsen konnte sich nicht qualifizieren. Das trifft auch auf Team-Olympiasiegerin Marrit Leenstra zu, die einem Russland-Start ebenfalls besonders kritisch gegenüber stand.

Ireen Wüst hatte ebenfalls große Zweifel. "Vom Gefühl her ist es nicht richtig, meinen EM-Titel in Russland zu verteidigen", hatte die Olympiasiegerin aus den Niederlanden gesagt.

Wüst könnte vierten Titel einfahren

Nun ist Wüst doch gefahren und gehört im russischen Kühlschrank zu den Top-Favoritinnen. Wüst könnte ihren vierten Titel einfahren. Den Rekord von acht Titeln hält nach wie vor Gunda Niemann-Stirnemann.

Bei den Männern kann Olympiasieger Sven Kramer seinen Landsmann Rintje Ritsma als erfolgreichsten EM-Teilnehmer ablösen und seine siebte kontinentale Meisterschaft gewinnen. Kramer holte bei Europameisterschaften bisher sechs Goldmedaillen und einmal Silber. Ritsmas Bilanz: Sechs EM-Titel, zweimal Silber und zweimal Bronze.

Die Niederlande stehen der russischen Ukraine-Politik besonders kritisch gegenüber. Von den 298 Todesopfern, die der Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 im Juli 2014 über der Ukraine forderte, stammten 192 aus den Niederlanden.

"Politisch gesehen stimmt in dem Land natürlich nicht viel", hatte Wüst damals gesagt, "und ich denke auch, dass viele Niederländer jemanden kennen, der von der Flugzeugkatastrophe der MH 17 betroffen ist."

"Mit den Medaillen werden wir nichts zu tun haben"

Im deutschen Team war ein Boykott nie ein Thema. Allerdings wäre ein Fernbleiben der DESG-Mannschaft auch nicht so stark ins Gewicht gefallen wie das der Eisschnelllauf-Macht Niederlande. Nur drei deutsche Athleten sind in Russland dabei: Isabell Ost (Berlin), Jennifer Bay (Inzell) und Jonas Pflug (Berlin).

"Mit der Medaillenvergabe werden wir nichts zu tun haben. Dennoch ist es wichtig, dass unsere Athleten bei einer so großen Veranstaltung Erfahrungen sammeln", sagte der deutsche Teamleiter Helge Jasch. Angeblich ist die Nachfrage in Russland nach EM-Tickets riesengroß.

Wie Jasch berichtete, haben die Veranstalter bis zu 15.000 Karten verkauft. Allerdings passen nur 4500 Besucher in die Halle. Nun wird überlegt, ob es vor der Arena ein Public Viewing geben wird - bei 20 Grad minus.

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