Eisschnelllauf

DESG: Doping-Gerüchte falsch

SID
Freitag, 05.03.2010 | 16:28 Uhr
Doping ist im Eisschnelllauf immer wieder ein Problem
© Getty
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Erneute Doping-Gerüchte gegen zwei deutsche Eisschnellläuferinnen hat die DESG zurückgewiesen. Derweil durchsuchte das BKA Geschäftsräume des Verbandes.

Eine Woche nach dem Olympiasieg des Frauen-Teams in Richmond ist die deutsche Eisschnelllauf-Szene erneut mit dem Thema Doping konfrontiert worden.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wies am Freitag Anschuldigungen gegen zwei ihrer Läuferinnen zurück, die wie die für zwei Jahre gesperrte Claudia Pechstein erhöhte Retikulozyten-Werten aufweisen sollen.

Hausdurchsuchung bei Pechstein

Der Verdacht war am Donnerstag aus Ermittlerkreisen am Rande der Hausdurchsuchung bei Pechstein laut geworden.

"Die lancierte Vermutung, es bestehe ein Dopingverdacht gegen zwei Sportlerinnen der DESG, kann der Verband nicht bestätigen. Der DESG liegen keine dahin gehenden Informationen vor", teilte der Verband mit.

Wie die DESG erläuterte, wolle sie den Kurs der "umfassenden objektiven Aufklärung" weiter verfolgen, um die Vorwürfe gegen Pechstein und den Verband aufzuklären.

21 Durchsuchungen durch BKA

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte indes Ermittlungen im Fall Pechstein. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe am 4. und 5. März 21 Durchsuchungen auf der Geschäftsstelle des Verbandes, bei Mitarbeitern der DESG, bei Sportlern sowie in einer Arztpraxis wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz durchgeführt.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Häuser von Pechstein und von DESG-Teamchef Helge Jasch durchsucht worden waren.

Ziel der Maßnahmen sei es gewesen, so die Staatsanwaltschaft, dem Verdacht von Dopinghandlungen im Bereich des Verbandes nachzugehen und mögliche Beweismittel zu sichern. Mit Unterstützung der Polizei seien umfangreiche Unterlagen sichergestellt und eine Vielzahl von Beteiligten vernommen worden. Die Auswertung dauerten noch an, teilte die Behörde mit.

Anzeige gegen Unbekannt

Auslöser der Hausdurchsuchungen war eine Anzeige gegen Unbekannt, die durch die DESG und die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA am 1. Dezember 2009 bei der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft gestellt worden war.

Ziel dieser Aktion ist es, mögliche Hintermänner ausfindig zu machen. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) begrüßt man die Ermittlungen. "Sie entsprechen unserem bereits 2006 verabschiedeten Zehn-Punkte-Plan zum Kampf gegen Doping", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue.

Beim Weltverband ISU hielt man sich hingegen bedeckt. "Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, dass Claudia Pechsteins Haus durchsucht worden ist", sagte ISU-Mediziner Harm Kuipers: "Ich fand die Bemerkung interessant, dass weitere deutsche Läuferinnen betroffen sein sollen. Davon weiß ich aber nichts."

Weltverband entscheidend

Dabei ist das Verhalten des Weltverbandes entscheidend für den weiteren Verlauf. Erst, wenn die ISU einen der zwölf Athleten, die wegen zu hoher Blutwerte angeblich auf ihrer Liste stehen, anklagt, kann von einem Fall gesprochen werden.

Allerdings ist die ISU gewarnt. Die vielen juristischen Verfahren und unterschiedlichen Gutachten, die den Fall Pechstein prägten, dürften dem Verband aufgezeigt haben, welche Probleme eine Sperre allein auf der Grundlage erhöhter Blutwerte mit sich bringt.

Pechstein beklagt Ungleichbehandlung

Ungeachtet der neuen Entwicklungen setzt Pechstein ihren juristischen Kampf fort. Bis Montag hat die 38-Jährige noch Zeit, ihren Antrag auf Revision beim Schweizer Bundesgericht einzureichen.

Sollte das Bundesgericht die neuen Beweise des Pechstein-Lagers anerkennen, die zum Zeitpunkt des CAS-Urteils noch nicht vorlagen, kann der Fall neu aufgerollt werden. Zudem warf Pechstein der ISU vor, nicht alle Sportler mit erhöhten Retikulozyten-Werten gleich zu behandeln.

Pechstein: "Warum kein Verfahren?"

Wie sie aus Kreisen der Ermittler erfahren haben will, soll es nach ihrem Fall am 7. Februar 2009 weitere Kontrollen mit dem Ergebnis erhöhter Blutwerte gegeben haben. Bislang hatte sie angenommen, dass sie die einzige Athletin sei, die nach dem 1. Januar 2009 mit erhöhten Retikulozyten-Werten aufgefallen war.

"Warum ist gegen den betroffenen Athleten kein Verfahren eingeleitet worden", fragte Pechstein auf ihrer Homepage.

"Gute Stimmung verflogen"

"Die gute Stimmung ist verflogen. Noch vor einer Woche haben wir bei Olympia so einen großen Erfolg gefeiert, und jetzt stehen plötzlich wieder so unangenehme Dinge im Mittelpunkt", sagte Helge Jasch vor dem Sprint-Weltcup am Wochenende in Erfurt.

"Für mich ist das ganz neu. Ich kann da nichts zu sagen", teilte die Olympiazweite Jenny Wolf mit. Sie ist am Wochenende in Erfurt besonders gefordert.

Die Berlinerin könnte eine Woche vor dem Weltcup-Finale in Heerenveen zum fünften Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen.

"Ich will wieder gute Zeiten laufen. So kurz nach Olympia ist meine Form noch sehr gut", sagte Wolf.

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