UFC Fight Night in Hamburg: Josh Barnett im Interview

"Das Beste zur Erholung ist deutsches Bier"

Von Interview: Jannik Schneider
Freitag, 02.09.2016 | 17:00 Uhr
Josh Barnett kämpft in Hamburg gegen Andrei Arlovski
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Josh Barnett ist ein echter UFC-Veteran und hat in seiner Karriere alles gesehen. In Hamburg steigt er gegen Andrei Arlovski ins Octagon (live auf DAZN). Zuvor sprach er mit SPOX über die Entwicklung der UFC, Ronda Rousey, Doping und deutsches Bier.

SPOX: Herr Barnett, Sie haben bereits einiges erlebt während all der Jahre in der MMA: Siege, Niederlagen, Titelgewinne und sogar eine Sperre. Was ist heutzutage wichtiger im Octagon: Erfahrung oder jugendliche Frische?

Josh Barnett: Das ist wirklich taff zu entscheiden. Erfahrung spielt eine unglaublich große Rolle im Octagon, aber die Jungen können ihre Schnelligkeit und Technik sehr effektiv einsetzen und fast immer das Beste aus sich herausholen. (Überlegt) Aber ich denke aus meiner Sicht - nach allem was ich gesehen und erlebt habe - ziehe ich meine Erfahrung der Jugendlichkeit vor.

SPOX: Was waren Ihre ersten Eindrücke seit Sie 2013 zurück zur UFC gekehrt sind. Es hat sich ja einiges geändert, oder?

Barnett: Auf alle Fälle. Die UFC hat nichts mehr mit der Vereinigung zu tun, die ich kannte. Um ehrlich zu sein: Es ist 2016 die größte UFC, die es jemals gegeben hat - alleine wenn man sieht, was der Markt hergibt. Man muss sich ja nur mal anschauen, welche Reichweite die Übertragungen momentan haben und auch die Bezahlung ist natürlich besser geworden.

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SPOX: Sprechen wir mal über die großen Namen momentan in der UFC. Welchen Einfluss auf die Szene haben Conor McGregor, Ronda Rousey oder Jon Jones - die UFC haben sie alle auf ihre Art ein stückweit nach vorne gebracht. Hatten diese Kämpfer auch Einfluss auf Ihre Persönlichkeit als Fighter?

Barnett: Ich weiß nicht wirklich, wie sehr diese Fighter mich persönlich als Kämpfer beeinflusst haben oder beeinflussen. Es gab ja immer schon Stars, die mit ihrer Art zu kämpfen beeindruckt haben. Aber diese Drei haben gezeigt, was passiert, wenn die UFC Mittel in die Hand nimmt, um ihre Aushängeschilder zu promoten: Im Endeffekt profitiert unser Sport davon und wird bekannter. Schaue Dir doch mal Ronda Rousey an. Dank der richtigen Leute ist sie weit über die UFC-Szene hinaus bekannt und das ist immer gut für die UFC und ihre Kämpfer.

SPOX: In Hamburg sind Sie eine der Hauptattraktionen, treffen im Mainevent auf Andrei Arlovski, der ebenfalls ein echter MMA-Veteran ist. Wie haben Sie sich hinsichtlich seiner guten Takedown Defense und Striking Power vorbereitet?

Barnett: Die Konstellation ist so: Es ist ein Kampf, der längst überfällig ist und es ist toll für uns und die Fans, dass zwei Legenden die Chance erhalten, zu zeigen, wer der Bessere ist. Natürlich muss ich mich in gewisser Weise auf Andreis Qualitäten vorbereiten und einstellen - oft ist er meiner Meinung nach nicht am Boden unterwegs. Und auch wenn es sich blöd anhört. In erster Linie sollte ich mich voll auf mich und meine Qualitäten fokussieren, um während des Kampfes das Beste aus mir herauszuholen. Ich kann versprechen: Ich bin in fantastischer Verfassung.

SPOX: Mehr als 10.000 Zuschauer in der schon seit Monaten ausverkauften Barclaycard Arena sowie im Livestream auf DAZN werden Sie und Ihren Kontrahenten frenetisch bejubeln. Was denken Sie über das UFC-Event in Deutschland und die deutschen Fans?

Barnett: Ich bin froh, dass es für mich endlich mal geklappt hat - ich war nämlich noch nie in Deutschland, weder privat noch für einen Fight. Dabei habe ich sogar etwas deutsches Blut, das durch meine Adern fließt. Soweit ich informiert bin, hat sowohl mein Großvater väterlicherseits Vorfahren aus Deutschland und auch auf Seiten meiner Mutter kommen frühere Generationen von hier. Ich müsste das eigentlich mal genauer herausfinden mit einem Test - auf jeden Fall kämpfe ich mit etwas deutschem Blut und bin froh, dass die Halle ausverkauft ist. (lacht)

SPOX: Sie verbindet einiges mit Brock Lesnar, der sein Comeback während des UFC 200 gefeiert und damit nicht nur seine Kritiker beeindruckt hat. Wie schwer ist es eigentlich zwischen Showkämpfen und MMA zu wechseln?

Barnett: Es ist nicht so schwer. Das Wichtigste ist Professionalität - egal, ob beim Wrestling oder in der UFC. Du musst physisch und mental in herausragender Verfassung sein und das geht nur, wenn du professionell bist. Ich bin immer gut damit gefahren, nicht nur einen Monat vor einem großen Fight Vollgas im Training zu geben und auf mich zu achten. Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass das reicht um ein Champion zu sein. Diese Einstellung hat mich zum einen vor einigen Verletzungen bewahrt und zum anderen hat sie mir tolle Möglichkeiten verschafft. Im Wrestling und in der UFC.

SPOX: Sie sprechen Verletzungen an. Nach all den Jahren: Wie erholen sie sich am schnellsten und am besten von den Kämpfen? Was war schwieriger für ihren Körper: Wrestling oder MMA?

Barnett: MMA, definitiv. Das Beste zur Erholung ist wahrscheinlich regelmäßig deutsches Bier zu trinken. (lacht)

SPOX: Wirklich? Und haben sie ein bestimmtes Lieblingsbier?

Barnett: Nein, dafür bin ich bisher zu wenig hier gewesen. Aber die Sorten, die ich bisher probiert habe, waren alle wirklich lecker. Also wenn mir jemand deutsches Bier vorsetzt, werde ich bestimmt nicht meckern (lacht). Ernsthaft: Man muss sich im Training eben gut vorbereiten, auch präventiv, um Verletzungen bestmöglich aus dem Weg zu gehen.

SPOX: Doping ist zurzeit ein großes Thema im Kampfsport. Es gibt viele Vorurteile, viel Gerede. Sie haben einst ihren Gürtel wegen eines positiven Tests verloren. Seitdem sind einige Jahre vergangen: Was denken Sie heute über die positiven Tests von Lesnar oder Jones?

Barnett: In erster Linie zeigen diese Fälle, dass das Testsystem ziemlich effektiv ist. Und ich denke, dass wir einige Überraschungen erleben würden, wenn man alle professionellen Sportarten derart mikroskopisch beleuchten würde, wie es momentan mit der UFC geschieht. Überall wo es um Rivalität, Berühmtheit und viel Geld geht, gibt es Athleten die alles unternehmen, um erfolgreich zu sein. Das ist in der UFC genauso wie in allen anderen Sportarten.

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