Silva-Time am Super-Bowl-Samstag?

Von Oliver Copp
Samstag, 05.02.2011 | 11:54 Uhr
Anderson Silva (l.) und Vitor Belfort bestreiten den Hauptkampf bei UFC 126
© ufc
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UFC 126 (So., 3 Uhr im LIVESTREAM) findet an deinem besonderen Tag statt. Es ist Super-Bowl-Samstag in den USA und in der UFC traditionell Zeit für historische Kämpfe. In Las Vegas sollen diesmal am liebsten die Hauptkämpfer Anderson Silva und Vitor Belfort Geschichte schreiben. SPOX-Experte Oliver Copp bewertet alle Duelle.

Seit dem Jahr 2005 ist es Tradition, dass die Ultimate Fighting Championship am Vorabend des Super Bowl in Las Vegas einen Event veranstaltet. Einige der denkwürdigsten Momente der UFC-Geschichte ereigneten sich just bei diesen Shows: der dritte und entscheidende Kampf zwischen Chuck Liddell und Randy Couture, die UFC-Debüts von Quinton "Rampage" Jackson, Mirko "Cro Cop" und Brock Lesnar und der Aufstieg von Georges St. Pierre vom UFC Weltmeister in den Kampfsport-Olymp nach seinem Kantersieg gegen BJ Penn.

Im Hauptkampf der UFC 126 am Samstag geht es um die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht zwischen Rekordweltmeister Anderson "The Spider" Silva und seinem Herausforderer Vitor Belfort.

Während Anderson Silva am Vorabend des Super Bowls im Jahr 2007 seinen ersten Sieg als UFC Weltmeister im Mittelgewicht einfuhr und den Grundstein für eine legendäre Karriere legte, stand Belfort nach einer knappen Punktniederlage gegen Tito Ortiz im ersten Super-Bowl-Hauptkampf überhaupt vor dem Aus. Sein Vertrag war mit diesem Fight ausgelaufen, und nach zwei Niederlagen in Folge gegen Randy Couture und Ortiz hatte niemand eine rechte Vorstellung davon, wie es mit ihm weitergehen sollte.

Zum Vergleich: UFC-126-Vorschau von mySPOX-User bunsen

Zweite Chance für Belfort

Sechs Jahre später bekommt Belfort nun eine zweite Chance, sich am Super-Bowl-Samstag zu beweisen. Er bekommt die Gelegenheit, der erste Mann zu werden, dem es jemals gelang, ein frühes UFC-Turnier und die Weltmeisterschaften im Halbschwergewicht und Mittelgewicht zu gewinnen.

Er könnte Geschichte schreiben und den Rekordlauf von Anderson Silva beenden. Mit einem Sieg würde er endlich die Kritiker zum Schweigen bringen, die ihm seit Jahren nachsagen, im entscheidenden Moment mental immer zusammenzuklappen. Soweit die Fantasie.

Belfort glaubt nicht an sich selbst

In der Realität, dem Hier und Jetzt, fällt es dagegen schwer, Belfort große Chancen auszurechnen, wenn der Herausforderer nicht einmal an sich selbst zu glauben scheint. Auf der Eröffnungspressekonferenz wich er den Fragen der Journalisten nach seinen Titelambitionen ein ums andere Mal aus und fabulierte darüber, dass es ihm nur noch darum gehe, dabei zu sein und Spaß zu haben.

Bei allem Respekt vor Belforts vergangenen Leistungen, aber spricht so ein Weltmeister in spe? Natürlich ist es erfrischend anders, von martialischen Ankündigungen und dem allgemeinem Ballyhoo verschont zu bleiben, doch stellt man sich unweigerlich die Frage, wo die Bescheidenheit aufhört und Belfort wieder in seine altbekannten Verhaltensmuster fällt.

Wenig Vertrauen erweckt auch die Tatsache, dass der Herausforderer während seines Trainingslagers den Trainerstab komplett austauschte. Belfort ist bekanntermaßen ein Trainingsnomade, aber üblicherweise zieht er zwischen Kämpfen weiter und nicht während der Kampfvorbereitung. Anders gesagt: Es verwundert nicht, dass der Herausforderer gerade mit fast 3:1 Außenseiter ist.

Belforts einzige Chance: Silva überrennen

Die in diesen Tagen oft gelesene Expertenmeinung ist, dass die einzige Chance des Herausforderers darin besteht, Silva mit seinen schnellen Schlagkombinationen zu überrennen und kurzen Prozess zu machen. Tatsächlich ist das der Weg, mit dem Belfort in der Vergangenheit am häufigsten zum Erfolg kam.

Weltmeister Anderson Silva ist seit fünf Jahren unbesiegt und hat dreizehn Kämpfe in Folge gewonnen, elf davon vorzeitig und neun der elf in den ersten beiden Runden. Damit scheint er nicht das perfekte Opfer für Belforts erfolgversprechendste Taktik zu sein.

Silva kann Kämpfe umbiegen

Silvas letzter Herausforderer, Chael Sonnen, war der erste Kämpfer, dem es zu demonstrieren gelang, wie man den Brasilianer in Schwierigkeiten bringt. Er hatte Silva viereinhalb Runden am Rande einer Niederlage, ein Kunststück, das in der UFC noch niemandem auch nur annähernd gelungen war. Doch der Weltmeister nutzte nur zwei Minuten vor Kampfende eine Unachtsamkeit Sonnens aus und beendete den Kampf wie aus dem Nichts.

Seine Kämpfe zu dominieren und zu gewinnen verdient Respekt. Viereinhalb Runden lang nach Strich und Faden den Hintern versohlt zu bekommen und dann noch dazu in der Lage zu sein, den Kampf in letzter Sekunde zu drehen, ist jedoch eine ganz andere Hausnummer - und ein Kunststück, das Belfort in seiner Karriere noch nie gelang. Über fünfzehn Jahre hinweg gewann Vitor Belfort die Kämpfe, die er von Anfang an dominierte, und verlor jene, in denen er in Schwierigkeiten gebracht wurde.

Warum sollte sich ausgerechnet im Februar 2011 etwas daran ändern? Belfort hat die berüchtigte "Puncher's Chance" und bringt die Schlagkraft mit, Anderson Silva kalt zu erwischen und auszuknocken. Sollte Silva wieder wie in den Kämpfen gegen Demian Maia oder Thales Leites den Clown machen und Belfort verhöhnen, ist ein Knockout-Konter absolut vorstellbar und auch wünschenswert. Nur weiß das der Weltmeister auch. Die Szenarien, in denen Silva sich durchsetzt, sind einfach zu vielfältig, um auf einen Sieg von Belfort tippen zu können.

Teil 2: Der zweite Hauptkampf und die übrige Fightcard

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