Tischtennis

Ovtcharovs Siegesserie gegen Fan gerissen: "China ist immer noch China"

SID
Dimitrij Ovtcharovs Siegesserie reißt gegen den Chinesen Fan
© getty

Ausgerechnet als künftige Nummer eins der Tischtennis-Welt hat Dimitrij Ovtcharov seine Siegesserie der vergangenen Monate nicht fortsetzen können. Nach vier Triumphen bei wichtigen Turnieren in Folge verlor der Weltcup-Gewinner beim World-Tour-Jahresfinale in Astana das Finale gegen Chinas Weltranglistenzweiten und Vizeweltmeister Fan Zhendong unerwartet deutlich 0:4 (7:11, 9:11, 7:11, 10:12) und verpasste damit den krönenden Abschluss des erfolgreichsten Jahres seiner Laufbahn.

"Ich hätte zu gerne auch dieses Turnier noch gewonnen. Aber dieses Mal war Fan zu stark", erkannte Ovtcharov die Überlegenheit des Doppel-Weltmeisters und Halbfinal-Bezwingers von Rekordeuropameister Timo Boll (4:2) im Kampf um den 100.000-Dollar-Siegerscheck neidlos an.

Gleichwohl trat der 29-Jährige die Heimreise nicht nur wegen der immerhin auch noch 55.000 Dollar Prämie für den Finaleinzug mehr als zufrieden an. "Ich werde Astana natürlich wegen der Eroberung der Nummer eins für immer in guter Erinnerung behalten", sagte er.

Ovtcharov auf dem Weg ins Finale souverän

Seinen ab Januar offiziellen Status als Weltranglistenerster hatte Ovtcharov nach dem dafür entscheidenden Auftaktsieg gegen den Weltranglistenachten Koki Niwa auf dem weiteren Weg ins Endspiel eindrucksvoll bestätigt. Japans erst 14 Jahre altes "Wunderkind" Tomokazu Harimoto kämpfte der Olympia-Dritte von 2012 ebenso mit 4:3 nieder wie danach auch Chinas Weltranglistensechsten Lin Gaoyuan trotz eines 0:2-Satzrückstandes.

Bundestrainer Jörg Roßkopf wollte Ovtcharovs Niederlage gegen Fan nicht überbewerten. "Es war schon enorm, wie 'Dima' gegen Harimoto und Lin seinen Fokus wiedergefunden und seine Konzentration hochgehalten hat, denn es war schon einiges auf ihn eingeprasselt, seit er am Freitag die Nummer eins erobert hatte", sagte der frühere Doppel-Weltmeister.

Roßkopf bemüht sich um realistische Einordnung der Weltrangliste

Zugleich bemühte sich Roßkopf um eine realistische Einordnung der künftigen Spitzenposition des zweimaligen Europameisters im Computer: "Sicherlich ist der Abstand zu den Chinesen geringer geworden, aber es wäre vermessen, nun in jedem Spiel gegen Chinesen einen Sieg zu erwarten. China ist immer noch China, und das Finale hat das auch gezeigt." Der deutsche Weltverbandspräsident Thomas Weikert hatte nur Lob für Ovtcharov übrig: "Dima muss sich nicht grämen: Er hat ein super Turnier gespielt und wird jetzt die Nummer eins der Welt sein - viel besser geht es nicht."

Auch Boll hatte Fan trotz teilweise sensationeller Erfolge über chinesische Starspieler in den zurückliegenden Wochen nicht am Einzug ins Endspiel hindern können. "Hinter mir liegen die härtesten acht Monate meiner Spieler-Karriere, und ich bin froh, dass sie langsam zu Ende sind. Gegen Fan muss ich schon besser spielen, um gewinnen zu können, aber ich war einfach nicht mehr in der Lage, mehr zu mobilisieren", bilanzierte der 36 Jahre alte Weltranglistenfünfte.

Ungeachtet des Dämpfers für Ovtcharov und Boll am Abschlusswochenende nach zuvor drei Finalduellen der deutschen Stars bei wichtigen Turnieren nacheinander hatte das deutsche Tischtennis in Astana kräftig abgeräumt. Schon vor dem Sprung des Stars von Champions-League-Sieger Fakel Orenburg auf Platz eins der Weltrangliste waren in der kasachischen Hauptstadt Boll als "Weltspieler des Jahres" und Roßkopf als "Welttrainer des Jahres" ausgezeichnet worden - eine Würdigung der zahlreichen Erfolge von Roßkopfs Schützlingen vor allem in der zweiten Jahreshälfte.

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