"Grand Slam" oder Exodus?

Von Jérôme Rusch
Sonntag, 30.08.2015 | 20:45 Uhr
Ivanovic? Bouchard? Es sieht nicht so aus, als könnte man Serena Williams (M.) gefährlich werden
© getty

Vierter und für 2015 letzter Auftritt des Hawk-Eyes bei SPOX. In Flushing Meadows (ab 17 Uhr im LIVETICKER) dreht sich alles um Serena Williams und ihr mögliches US-Open-Quadruple - gleichbedeutend mit dem historischen "Grand Slam". Wenn sie denn nicht "rausfliegt". Eine Tschechin hat die Möglichkeit auf das ganz große Geld, während die deutschen Damen vor schweren Aufgaben stehen. Außerdem: Ein Dark Horse aus der Schweiz und Jimbo als Retter der schönen Eugenie.

Die Top-Favoritin: ... hat tatsächlich menschliche Züge gezeigt und mal wieder ein Match verloren. Belinda Bencic konnte Serena Williams in Toronto bezwingen, erst die zweite Niederlage in diesem Jahr für die Weltranglistenerste. In Madrid zog Williams auf Sand gegen Petra Kvitova den Kürzeren, beim kanadischen Rodgers Cup setzte es die Pleite allerdings auf Hartplatz. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit wurde zumindest oberflächlich gesehen ein winziges Stückchen angekratzt.

Wer jedoch eine (kleine) Krise erwartete oder herbeisehnte, wurde bitter enttäuscht: Beim Masters in Cincinnati schlug die Amerikanerin postwendend zurück und sicherte sich den Titel gegen Simona Halep, Nummer Zwei der Welt. Vielleicht war die Niederlage gegen Bencic sogar der rechtzeitige Schuss vor dem Bug, um sich die möglichen Gefahren zu vergegenwärtigen und auf das eigene Mantra zu besinnen: "Ich verliere nicht gerne. Ich hasse es wirklich, zu verlieren. Ich gehöre zu den Menschen, die hart arbeiten - härter als andere, um sicherzugehen, dass das nicht passieren wird."

Die Titelverteidigerin: Hoppla - schon wieder Serena! Wer hätte das gedacht! Werfen wir einen kurzen Blick auf ihren Draw: In Runde 4 steht sie aller Voraussicht nach Agnieszka Radwanska gegenüber, ehe in der Runde der letzten Acht "Nemesis" Belinda Bencic warten könnte. Auf dem Weg zu ihrem vierten US-Open-Titel in Folge wartet also auch die eine oder andere potente Gegnerin.

Die gefährlichste Kontrahentin ist jedoch Serena selbst. Kann sie mit dem Druck umgehen, nach Melbourne, Paris und Wimbledon den "Grand Slam" perfekt zu machen? Dieses Kunststück war zuletzt Steffi Graf 1988 gelungen und würde Williams´ famose Karriere krönen. Doch damit nicht genug: Bei einem Triumph in NY stünde Serena bei insgesamt 22 Major-Titeln und würde damit zu Graf aufschließen (alleinige Rekordhalterin ist Margaret Smith Court mit 24 Trophäen).

"Ich muss das alles ausblenden und entspannt sein", äußerte sich die 33-Jährige vor dem Turnierstart. Überhaupt zeigt sich die jüngere Williams-Schwester dieser Tage ungewohnt offen und verletzlich. Auf etwaige Ängste angesprochen, antwortet Serena, sie würde davon träumen, ein Grand-Slam-Finale zu erreichen - nur um dann urplötzlich das Land verlassen zu müssen: "Ich schaffe es zwar irgendwie zurück, aber der Termin des Endspiels ist dann schon längst verstrichen. Es ist ein wirklich schlimmer und wiederkehrender Albtraum. Es ist sehr beunruhigend." In ihrer Heimat sind die Chancen auf ein solches Szenario eher klein.

All eyes on: ... the numbers! Das Arthur-Ashe-Stadium ist mit einem Fassungsvermögen von 22.547 Zuschauern das größte Tennis-Stadion der Welt. Die Anlage wird bis 2018 für rund 447 Millionen Euro modernisiert, und die Tempelhalle des AAS bekommt endlich ein Dach. Mehr als 6000 Tonnen Stahl, 115.000 Schrauben und 1.700 Balken werden verbaut sein, wenn das neue Konstrukt im August 2016 erstmals zum Einsatz kommt. Bei den Australien Open und in Wimbledon ist eine solche Vorrichtung bereits existent, daher war ein mobiles Dach in New York mehr als überfällig: Zuletzt waren die Finalbegegnungen der Männer fünf Mal in Serie wegen starker Regenfälle verschoben worden.

Nicht nur bei den Zuschauerzahlen, auch beim ausgeschütteten Preisgeld rangieren die US Open an der der Spitze: Satte 37,8 Millionen Euro lassen sich die Verantwortlichen das Tennisspektakel kosten. Im letzten Jahr waren es insgesamt "nur" 34,4, im Jahr 2000 erst 13,4 Millionen Euro.

Auf den männlichen und weiblichen Final-Sieger wartet eine Prämie von je 2,9 Millionen Euro - gut 350.000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Und ein Ende der Salär-Steigerung ist nicht in Sicht: Bis 2017 will die United States Tennis Association (USTA) das Preisgeld auf mehr als 45 Millionen Euro anheben. Getreu dem Motto: höher, schneller, größer - New York.

Bestes Pärchen: Nein, an dieser Stelle widmen wir uns nicht Ana Ivanovic und Schweini oder Victoria Azarenka und Ex-Gspusi Redfoo. Stattdessen geht es um Eugenie Bouchard. Und nicht etwa um ihr Liebesleben - es geht um den Coaching-Staff der 21-Jährigen. Die Kanadierin heuerte Jimmy Connors als neuen Übungsleiter an und reagierte somit auf ihre erschreckende Formkrise: Nur drei der letzten 17 Begegnungen konnte sie für sich entscheiden, inklusive Erstrunden-Aus bei den French Open und Wimbledon. In der Folge rutschte Bouchard auf Rang 25 der Weltrangliste ab und befindet sich im freien Fall.

Der achtmalige Grand-Slam-Sieger Connors nimmt sich nun also ihrer an, allerdings ist diese Zusammenarbeit fürs Erste "kein langfristiges Engagement", wie Bouchards Management zu Protokoll gab. Es wird spannend zu beobachten sein, inwiefern "Jimbo", der bereits Andy Roddick und Maria Sharapova trainierte, die Geschicke der Kriselnden in die richtige Bahn zu lenken vermag. Mit Alison Riske wartet in Runde eins zumindest eine lösbare Aufgabe und somit eine gute Möglichkeit, den Fluch der 1. Runde brechen.

Seite 1: Serena oder nix, nackte Zahlen und Eugenies Hilfeschrei

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