Montag, 06.12.2010

Serbiens Davis-Cup-Sieg: Der Vater des Erfolgs

Niki Pilic kann's nicht lassen

Niki Pilic ist der Mann hinter dem Davis-Cup-Sieg der Serben. Der 71-Jährige, der die große deutsche Davis-Cup-Ära an maßgeblicher Stelle mitgestaltete, gewann den Pokal am Sonntag zum insgesamt fünften Mal - mit der dritten Nation.

Nikola, genannt Niki, Pilic ist mit Gorana verheiratet und stammt aus Split
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Nikola, genannt Niki, Pilic ist mit Gorana verheiratet und stammt aus Split

Irgendwann, als es in einem Spiel der Deutschen mal ganz eng war, hat Niki Pilic sich neben Boris Becker auf die Bank gesetzt und ihm gesagt, was zu tun war: "Geh raus, mach Break." Becker drehte wie so oft das Match, und dennoch hat gerade er Pilic für dessen minimalistische Form des Coachings oft belächelt und kritisiert. Allerdings: So erfolgreich wie mit dem stets höflich-reservierten Kroaten ist ein deutsches Davis-Cup-Team vorher und nachher nie gewesen.

Auch nicht mit Teamchef Becker, der Pilic 1997 nach 16 Jahren stürzte und selbst in dem Amt glorios scheiterte. "Ich habe nie verstanden, dass er meinen Job wollte", sagt Pilic heute: "Ein so extrovertierter Typ wie er will immer selber in der ersten Reihe stehen, aber dort gehören im Davis Cup nur die Spieler hin."

Fünfter Sieg für Pilic

Am Sonntag in Belgrad stand der mittlerweile 71-jährige Pilic als Berater zum fünften Mal auf der Siegerseite - in der zweiten Reihe, versteht sich. Ausgerechnet er, der Kroate mit der preußischen Disziplin, ist der Mann hinter dem ersten Davis-Cup-Triumph der Serben. Heikel sei seine Mission manchmal gewesen, gab Pilic zu: "Aber ich bin Sportler, kein Politiker. Ich kenne keine Grenzen." Und außerdem hat er ja auch die Kroaten schon zum Davis-Cup-Sieg geführt, 2005 war das, damals noch mit Frontmann Goran Ivanisevic.

Bilder des Tages - 6. Dezember
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Seine größte Zeit aber erlebte Pilic als Teamchef des Deutschen Tennis Bundes. Boris Becker und Michael Stich hießen seine Protagonisten - 1988 und 1989 war der extrovertierte Becker der alles überragende Fixstern, 1993 der seriöse Michael Stich ein verlässlicher Anführer. Hier der egomanische Feuerkopf, dort der kühle Hanseat - in seltenen Momenten schaffte Pilic es sogar, die beiden unter einen Hut zu bringen. 1992 in Barcelona wurden Becker und Stich gemeinsam Olympiasieger, und in jenen Tagen habe er in vielen Einzelgesprächen viel lügen müssen, um beide bei Laune zu halten, verriet Pilic im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Sich selbst stellte Pilic nie in den Vordergrund, er überließ die große Bühne immer seinen Spielern. Manchmal schien es so, als nehme er überhaupt keinen Einfluss, wenn er während des Trainings stundenlang kerzengerade mit einem Schläger unter dem Arm als stummer Beobachter an der Seitenlinie stand. Laut wurde Pilic sowieso nie, seine größte Gabe war es, unterschiedlichste Charaktere zu einer Mannschaft zu formen, sie bei Laune zu halten, individuelle Macken mit einem feinen Lächeln zu dulden und so einen ganz speziellen Teamgeist zu kreieren.

Kein serbischer Pass

So hat er es auch bei den Serben gemacht, wo er nur deshalb nicht offiziell Teamchef ist, weil er keinen serbischen Pass hat. "Alle für einen und einer für alle - nach diesem Motto haben die Jungs gespielt", sagte Pilic in Belgrad.

"Ihr fantastischer Teamgeist und ihre Freundschaft haben diesen Erfolg möglich gemacht." Wie früher beim DTB Becker und Stich, so ist es in Serbien der Weltranglistendritte Novak Djokovic, um den herum Pilic und Teamchef Bogdan Obranovic die Mannschaft bauten.

Der 23-jährige Djokovic, der einst als 13-jähriger Junge in Pilics Tennisakademie nach München-Oberschleißheim kam und dort zum Weltklassespieler reifte, hatte seinen väterlichen Freund und Mentor 2007 überredet, Verantwortung im serbischen Davis-Cup-Team zu übernehmen. "Er hat mittags gefragt, und ich habe abends zugesagt", sagte Pilic der "SZ". Einem Funktionär hätte er nicht so schnell sein Ja-Wort gegeben. Aber die hat Niki Pilic ohnehin nie sonderlich gemocht.

Serbien gewinnt erstmals den Davis Cup


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