Sonntag, 24.08.2008

SPOX-Vorschau US Open

Auf den Spuren von Arthur Ashe

Am Montag blickt die Tennis-Welt wieder auf New York: In Flushing Meadows starten dann die US Open. Zum 40. Geburtstag soll ein US-Tennispieler triumphieren. Die Hoffnungen der Gastgeber ruhen nicht nur auf Andy Roddick. Die SPOX-Vorschau.

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© Getty

München - Die US Open werden 40 Jahre alt. Und Amerika wäre nicht Amerika, würde es dieses Jubiläum nicht mit einer gigantischen Party feiern: Größer, teurer, glamouröser. Zur perfekten Inszenierung fehlt eigentlich nur noch der Titelgewinn eines US-Boys.

Das US-Fernsehen überträgt live, wenn sich am Montagabend 25 ehemalige Champions - von Rod Laver bis Roger Federer, von Billie Jean King bis Venus Williams - die Ehre geben und Oscar-Preisträger Forrest Whitaker durch den Abend führen wird. Selbst die Witwe von Arthur Ashe, dem ersten Sieger der Open-Ära 1968, hat ihr Kommen angekündigt.

Ein Blick auf die ehemaligen Helden des letzten Grand Slam Turniers des Jahres dürfte bei den US-Amerikanern aber auch Wehmut aufkommen lassen. 19 Mal in 40 Jahren triumphierte bei den Herren ein Lokalmatador in Flushing Meadows. Mit Jimmy Connors (5 Siege), John McEnroe (4), Pete Sampras (5) und Andre Agassi (2) kommen gleich vier Tennis-Legenden aus den eigenen Reihen.

Die gute alte Zeit. Die Gegenwart sieht anders aus. Denn der letzte US-amerikanische US-Open-Sieg liegt bereits fünf Jahre zurück. Nach Andy Roddicks Triumph 2003 folgte die Herrschaft von König Roger. Aus war es mit der amerikanischen Herrlichkeit.

Fragezeichen hinter Roddick

In diesem Jahr soll es anders werden. Und wieder liegen die Hoffnungen der Gastgeber auf Roddick. Der hat sogar auf seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Peking verzichtet, um ja topfit zu sein.

Dennoch steht hinter dem 26-Jährigen ein großes Fragezeichen. Nachdem er Anfang des Jahres mit Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic die Top Drei der Welt geschlagen und zwei Turniersiege eingeheimst hatte, plagte ihn eine hartnäckige Schulterverletzung, die unter anderem auch zu seiner Absage für die French Open führte.

Außerdem stagnierten die Leistungen des einstigen Wunderkindes in den vergangenen Jahren. Außer der Finalteilnahme 2006 in New York hat er nicht mehr viel vorzuweisen. "Man muss ihm vorwerfen, dass er sich nicht mehr auf seine Stärken besinnt, wie zum Beispiel seine extrem starke Vorhand und den knallharten Aufschlag", kritisierte Bic Mac McEnroe.

James Blake gewann in Peking überraschend mit 6:4 und 7:6 gegen Roger Federer.
James Blake gewann in Peking überraschend mit 6:4 und 7:6 gegen Roger Federer.

Blake der neue Liebling

Die Amerikaner haben aber spätestens seit Platz vier bei Olympia und dem Sieg im Viertelfinale gegen Federer einen neuen Liebling: James Blake. Zwar kam der 28-Jährige bei einem Grand-Slam-Turnier noch nie über das Viertelfinale hinaus, doch eben dieser Sieg über Federer in Peking auf Hartplatz lässt die Gastgeber von einem "next big American" träumen.

Da scheint es auch vernachlässigbar, dass der Schweizer soeben als Weltranglistenerster entthront wurde und eine kleine Durststrecke durchleidet.

"Ich fühle mich stärker, als es der vierte Platz ausdrückt", sagte Blake dem "New Haven Register" nach dem verlorenen Bronze-Match gegen Djokovic. "Ich spiele besser denn je, vor allem was den Aufschlag betrifft. Zu wissen, dass ich Roger schlagen kann, gibt mir unendlich viel Selbstvertrauen.“

Günstige Auslosung

Nun soll es in New York mit dem ganz großen Coup klappen. Er wäre der erste afro-amerikanische Sieger seit Arthur Ashe, der zugleich sein großes Idol ist. Die Chancen stehen beim Blick auf das Tableau gar nicht mal so schlecht. Erst im Viertelfinale könnte mit Nadal der erste ganz dicke Brocken warten.

Die Erstrunden-Gegner der Deutschen

Für den Spanier war allerdings bisher in New York immer im Viertelfinale Endstation. Außerdem scheint Blake die Spielweise der neuen Nummer eins zu liegen. Im direkten Vergleich steht es 3:2 für den vermeintlichen Außenseiter, dessen Stärken beim Return und dem druckvollen Grundlinienspiel liegen. Ein Duell mit Federer und Djokovic wäre erst im Finale möglich. Und mit der frenetischen Unterstützung der Massen im Arthur-Ashe-Stadium ist der Überraschung Tür und Tor geöffnet.

Die US-Open-Champions der letzten 40 Jahre
Arthur Ashe war 1968 der erste Sieger in der Geschichte offenen amerikanischen Meisterschaften
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Arthur Ashe war 1968 der erste Sieger in der Geschichte offenen amerikanischen Meisterschaften
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Rod Laver gewann 1969 das australische Duell gegen Tony Roche. Im selben Jahr war ihm schon der Wimbledonsieg gelungen
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Rod Laver gewann 1969 das australische Duell gegen Tony Roche. Im selben Jahr war ihm schon der Wimbledonsieg gelungen
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1970 hieß der Sieger Ken Rosewall, wieder ein Australier
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1970 hieß der Sieger Ken Rosewall, wieder ein Australier
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Der Amerikaner Stan Smith triumphierte 1971 im Finale gegen den Tschechen Jan Kodes
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Der Amerikaner Stan Smith triumphierte 1971 im Finale gegen den Tschechen Jan Kodes
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1972 war das Jahr des Rumänen Ilie Nastase
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1972 war das Jahr des Rumänen Ilie Nastase
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Mit John Newcombe gewann 1973 bereits der dritte Spieler von Down Under
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Mit John Newcombe gewann 1973 bereits der dritte Spieler von Down Under
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1974 beginnt die Ära von Jimmy "Jimbo" Connors. Fünfmal triumphiert der Linkshänder in New York (74, 76, 78, 82, 83)
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1974 beginnt die Ära von Jimmy "Jimbo" Connors. Fünfmal triumphiert der Linkshänder in New York (74, 76, 78, 82, 83)
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1975 besiegte Manuel Orantes Vorjahressieger Connors im Finale
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1975 besiegte Manuel Orantes Vorjahressieger Connors im Finale
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Dasselbe Kunststück gelang 1977 dem Argentinier Guillermo Vilas
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Dasselbe Kunststück gelang 1977 dem Argentinier Guillermo Vilas
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Zwschen 1978 und 1984 gab es nur zwei Sieger: Connors oder John McEnroe (Bild). Big Mac triumphierte 1979-1981 und 1984
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Zwschen 1978 und 1984 gab es nur zwei Sieger: Connors oder John McEnroe (Bild). Big Mac triumphierte 1979-1981 und 1984
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1985 beendete Ivan Lendl die Ära Connors-McEnroe mit seinem Finalsieg über Big Mac
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1985 beendete Ivan Lendl die Ära Connors-McEnroe mit seinem Finalsieg über Big Mac
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Der Schwede Mats Wilander gewann 1988 in Flushing Meadows
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Der Schwede Mats Wilander gewann 1988 in Flushing Meadows
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1989 war das Jahr der Deutschen. Nach dem Doppel-Triumph von Steffi Graf und Boris Becker in Wimbledon, gelang das gleich Kunststück in New York
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1989 war das Jahr der Deutschen. Nach dem Doppel-Triumph von Steffi Graf und Boris Becker in Wimbledon, gelang das gleich Kunststück in New York
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1990 gewinnt Pete Sampras überraschend im Finale gegen Agassi.1993, 95, 96 und 2002 ließ er vier weitere Siege folgen - weniger überraschend
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1990 gewinnt Pete Sampras überraschend im Finale gegen Agassi.1993, 95, 96 und 2002 ließ er vier weitere Siege folgen - weniger überraschend
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Ein letzter Sieg für die Stars der späten 80er. 1991 und 92 heißt der Sieger Stefan Edberg
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Ein letzter Sieg für die Stars der späten 80er. 1991 und 92 heißt der Sieger Stefan Edberg
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Andre Agassi kürt sich zweimal zum US-Open-Sieger (links 1994, rechts 1999)
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Andre Agassi kürt sich zweimal zum US-Open-Sieger (links 1994, rechts 1999)
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Nach langer Durststrecke herrschen wieder die Australier in New York: Pat Rafter siegt 1997 und 98
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Neues Jahrtausend, neue Sieger: 2000 greift Marat Safin nach einem Finalsieg über Sampras nach dem Pokal
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2001 lässt Lleyton Hewitt dem großen Sampras ebenfalls nicht den Hauch einer Chance
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2001 lässt Lleyton Hewitt dem großen Sampras ebenfalls nicht den Hauch einer Chance
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2003 gewann mit Andy Roddick der letzte US-Amerikaner in Flushing Meadows
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2003 gewann mit Andy Roddick der letzte US-Amerikaner in Flushing Meadows
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Seit 2004 regiert nur noch einer: der Schweizer Roger Federer
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Seit 2004 regiert nur noch einer: der Schweizer Roger Federer
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Um ein Haar querschnittgelähmt

Eine besondere Eigenschaft, die einen großen Champion ausmacht, besitzt Blake auf jeden Fall: Er kann kämpfen. Er kann kämpfen wahrscheinlich wie kein Zweiter, und er glaubt auch in den aussichtlosesten Situationen an seine Chance.

Dem war nicht immer so. Vom Profi-Debüt 1999 bis zum Jahr 2003 wollte der Vorstoß in die Weltspitze trotz stetiger Verbesserung nicht wirklich gelingen. Ausgerechnet das Seuchenjahr 2004 gab Blakes Karriere die entscheidende Wende.

Bei einem Trainingssturz knallte er mit dem Genick gegen den Netzpfosten, brach sich einen Halswirbel und entging nur um Haaresbreite einer Querschnittslähmung. Wenige Wochen später erlag sein Vater einem Krebsleiden. Und wäre das alles nicht schon schlimm genug, erkrankte der damals 24-Jährige im selben Jahr noch an Gürtelrose, was zu der vorübergehenden Lähmung einer Gesichtshälfte führte. An Leistungssport war nicht im Traum zu denken. Eine vielversprechende Karriere schien im Keim erstickt.

Rasanter Aufstieg nach Comeback

Doch Blake steckte nicht auf. Er brachte seine Leidensgeschichte auf Papier und landete mit "Breaking Back: How I Lost Everything and Won Back My Life" sogar in der Bestsellerliste der "New York Times". Damit war die Vergangenheit verarbeitet, der Blick sollte sich ab sofort nur noch nach vorne richten.

Beweis dafür ist ein Zitat Blakes auf seiner Homepage: "Im Sport ist es wie im Leben – der einzige Weg dort Erfolg zu haben, wo du zuvor gescheitert bist, ist, die Vergangenheit hinter dir zu lassen und den Blick unvoreingenommen auf kommende Aufgaben zu richten."

Dieses Motto katapultierte Blake nach seinem Comeback 2005 zwischenzeitlich bis auf Rang vier der Weltrangliste (April 2006). Längst ist er eine feste Größe in den Top-Ten. Und vielleicht macht er nach drei Viertelfinal-Teilnahmen in New York in diesem Jahr seinen amerikanischen Traum perfekt.

Hier gibt's alle Spiele der ersten Runde in der Übersicht

Carolin Blüchel

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