Schwimmen

Embacher: "Zu Uhrenhaltern degradiert"

SID
Henning Lambertz ist seit 2013 Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes

Frank Embacher, langjähriger Heimcoach des früheren Schwimm-Weltmeisters Paul Biedermann, hat seine Kritik an Bundestrainer Henning Lambertz erneuert. "Als Henning Lambertz damals angetreten ist, hat er uns das Gefühl vermittelt, dass er mit uns zusammenarbeiten will. Das ist mit der Zeit aber immer mehr verloren gegangen. Jetzt wird eine sehr radikale Politik gemacht", sagte Embacher im FAZ-Interview: "Mit dieser rigorosen Art hat er viele Leute vor den Kopf gestoßen."

Embacher, der sich zurzeit im Rechtsstreit mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) wegen seines ausgelaufenen Vertrages befindet, kritisierte Lambertz' Maßnahmen-Paket nach dem medaillenlosen Olympia-Debakel von Rio. "Gerade werden alle Schwimmer über einen Kamm geschoren und die Trainer damit zu Konzeptablesern und Uhrenhaltern degradiert", sagte der 53-Jährige.

Lambertz machte ein neues Kraftkonzept verbindlich, er schraubte die Normzeiten für Großereignisse deutlich nach oben und er treibt die Zentralisierung voran. WM-Halbfinalistin Vanessa Grimberg wird deswegen zum 1. Juli ihre Anstellung als Sportsoldatin bei der Bundeswehr verlieren, weil sie nicht von Stuttgart zum Bundesstützpunkt Heidelberg wechseln will.

"99 Prozent der Schwimmer verdienen kein Geld. Wenn sie dann hören, dass sie aus ihrer Wohlfühlzone rausmüssen, dann ist das ein Schlag in die Magengrube. Das zeigt auch, wie weit weg die Leute von der Realität sind", hatte Embacher bereits zuvor im Gespräch mit dem SID gesagt.

Lambertz wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Ich will niemandem etwas aufzwingen", sagte der 46-Jährige dem SID. Aber er verfolge "konsequent den Weg des DSV, ich werde dafür bezahlt, mir Gedanken zu machen und Ideen zu entwerfen, damit das Nationalteam international nicht mehr so deutlich hinterherschwimmt". Auch den Vorwurf der Intransparenz wies der 46-Jährige weit von sich: "Ich bin wohl der kommunikativste Bundestrainer, den es je gab. Mehr Gesprächsangebote kann man nicht machen."

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