Steffen und Biedermann führen DSV-Aufgebot an

EM: Härtetest und letzte Olympia-Chance

SID
Sonntag, 20.05.2012 | 11:40 Uhr
Paul Biedermann und Britta Steffen: Das Traumpaar des deutschen Schwimmsports
© Getty
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Härtetest für Deutschlands Schwimm-Traumpaar Britta Steffen und Paul Biedermann, letzte Olympia-Chance für einige prominente "Nachsitzer": Zwei Monate vor den Sommerspielen können Steffen und Biedermann bei der am Montag beginnenden EM in Debrecen ohne den ganz großen Druck noch etwas Selbstbewusstsein aufbauen.

Für Marco Di Carli, Helge Meeuw, Sarah Poewe, Dorothea Brandt oder Theresa Michalak geht es in der ungarischen Provinz dagegen um alles. Es ist die letzte Möglichkeit, noch das Ticket für London zu lösen. Auch Steffen und Biedermann wissen, dass sie sich für eine Olympia-Medaille steigern müssen.

Doch bei Doppel-Olympiasiegerin Steffen, die mit der Mannschaft am Samstag in Debrecen angekommen ist und am Sonntag noch eine Trainingseinheit im Wettkampfbecken absolvierte, überwiegt nach ihren guten Leistungen bei den deutschen Meisterschaften in Berlin die Lockerheit. Die Qualifikation für London hat sie geschafft, die EM-Starts über 50 und 100 Meter Freistil nimmt sie "aus dem vollen Training" heraus in Angriff.

Duell gegen Wunderkind

Da einige Rivalinnen auf eine EM-Teilnahme verzichten, kann die 28 Jahre alte Berlinerin eine Medaille fest einplanen. Doch für den Titel wird sich Steffen strecken müssen. Über 100 Meter kommt es zum Duell mit Schwedens Wunderkind Sarah Sjöström, die 2009 bereits als 15-Jährige WM-Gold gewann. Sjöström ist mit 53,29 Sekunden Zweite der Weltjahresbestenliste. Steffen war in Berlin als viertschnellste Frau des Jahres 36 Hundertstelsekunden langsamer gewesen.

Für Steffen geht es auch darum, wieder international zu überzeugen. Bei der WM vor einem Jahr in Shanghai war sie nach ihrem Comeback baden gegangen und vorzeitig abgereist. Bei der EM 2010 war Steffen nur als Touristin und Freundin von Biedermann nach Budapest gereist.

Biedermann kann mit Doppel-Gold über 200 und 400 Meter Freistil liebäugeln. Zumal über 400 Meter Titelverteidiger Yannick Agnel aus Frankreich ebenso nicht antritt wie der Russe Daniil Isotow auf der halben Distanz. Doch Biedermann schaut nur auf seine eigenen Leistungen und will sich nach den noch nicht berauschenden Auftritten in Berlin "von Rennen zu Rennen steigern".

Auf seiner Weltrekordstrecke 400 Meter ist der 25-Jährige aus Halle/Saale eigentlich noch die Olympia-Norm schuldig. Doch Lutz Buschkow, Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), hat Biedermann einen Freifahrtsschein für London ausgestellt.

Di Carli will "Debrecen rocken"

Den gibt es für einige weitere deutsche Schwimmer nicht. Di Carli ist so ein Fall. Doch der Frankfurter Freistilsprinter, der gerne mit Sprüchen hohe Wellen schlägt, zeigt sich unbeeindruckt vom Druck. "Berlin abhaken, fit werden, Debrecen rocken", lautet das Motto des 27-Jährigen, der bei den nationalen Titelkämpfen von Magenproblem ausgebremst wurde.

"Dankbar" über die zweite Olympia-Chance ist der frühere Vize-Weltmeister Meeuw aus Magdeburg, der über 100 Meter Rücken die Norm ebenso um den Wimpernschlag von sechs Hundertstelsekunden verfehlt hatte wie Poewe über 100 Meter Brust. Die Olympia-Qualifikation nachholen wollen zudem Athletensprecherin Brandt und Biedermanns Teamkollegin Michalak.

Dagegen muss Brustschwimmer Hendrik Feldwehr nach seinem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich auch bei der EM passen. Buschkow will dem WM-Dritten mit der Lagenstaffel aber eine Tür für London offen halten, falls Christian vom Lehn und Marco Koch die Olympia-Norm über 100 Meter nicht unterbieten. Neben Feldwehr fehlt auch Benjamin Starke wegen einer Schulterverletzung. Der Neuköllner hat das Olympia-Ticket aber sicher.

Buschkow blickt der EM optimistisch entgegen und erwartet durchaus eine deutsche Medaillenflut. "Das Kräftemessen kurz vor Olympia soll sich positiv auf die Stimmung in der Mannschaft auswirken", sagte Buschkow: "Das Ergebnis wird am Ende für sich sprechen."

Das Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) im Überblick:

Frauen: Sina Sutter, Lisa Vitting, Caroline Ruhnau (alle SG Essen), Dorothea Brandt, Britta Steffen (beide SG Neukölln), Daniela Schreiber, Theresa Michalak (beide SV Halle/Saale), Silke Lippok (SSG Pforzheim), Jenny Mensing (SC 1911 Wiesbaden), Isabelle Härle (SV Nikar Heidelberg), Sarah Poewe (SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen), Lisa Graf (SSG Leipzig), Vanessa Grimberg (SB Schwaben Stuttgart), Alexandra Wenk (SG Stadtwerke München), Franziska Hentke (SC Magdeburg)

Männer: Steffen Deibler, Markus Deibler (beide Hamburger SC), Yannick Lebherz, Marco Koch (beide DSW 1912 Darmstadt), Jan David Schepers (SG Essen), Tim Wallburger (SG Neukölln), Jan Wolfgarten, Sören Meißner (beide SV Würzburg 05), Christian vom Lehn (SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen), Paul Biedermann (SV Halle/Saale), Marco Di Carli (SG Frankfurt), Helge Meeuw (SC Magdeburg), Christian Diener (PSV Cottbus 90), Felix Wolf (Potsdamer SV), Dimitri Colupaev (University of Southern California), Philip Heintz (SV Mannheim), Christoph Fildebrandt (SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen), Clemens Rapp (TSV Bad Saulgau)

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