Keine Belohnung für Voigt nach bravouröser Vorstellung

Thomas Voeckler gewinnt die zehnte Etappe

SID
Mittwoch, 11.07.2012 | 17:30 Uhr
Auf seiner zehnten Tour de France holte Voeckler seinen insgesamt dritten Etappensieg
© Getty
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Thomas Voeckler hat die zehnte Etappe der Tour de France gewonnen. Auf 194,5 km von Mâcon nach Bellegarde-sur-Valserine kam der Franzose als Erster einer fünfköpfigen Ausreißergruppe ins Ziel, zu der auch Jens Voigt gehörte. Der Deutsche wird Dritte, die Favoriten kommen gleichzeitig ins Ziel.

Altmeister Jens Voigt ist nach einer bravourösen Vorstellung auf der ersten schweren Bergetappe der Frankreich-Rundfahrt um Haaresbreite am dritten Tour-Etappensieg seiner Karriere vorbei gefahren. Der 40-Jährige musste sich auf der zehnten Etappe mit dem undankbaren dritten Platz im Finish einer fünfköpfigen Ausreißergruppe begnügen. Den Tagessieg holte sich stattdessen der französische Publikumsliebling Thomas Voeckler vor dem früheren italienischen Giro-Sieger Michele Scarponi.

Doch beim Einstieg in die Alpen zeigte Voigt, der älteste Teilnehmer des Pelotons, noch einmal seine ganze Klasse. Gut 40 Kilometer vor dem Ziel war er mit über einer Minute Rückstand bereits abgehängt, doch der zweimalige Deutschland-Toursieger kämpfte sich nach einem beherzten Soloritt acht Kilometer vor dem Ziel an die Spitzengruppe wieder heran. Im Schlusssprint auf den letzten Metern reichte die Kraft aber nicht mehr aus.

Am Donnerstag frei

"Wir waren alle tot. Es ging nur hopp oder top. Ich hatte Schmerzen ohne Ende. Mir fehlte zum Schluss ein bisschen die Kraft. Mir stand das Laktat bis zu den Ohren", sagte Voigt, der einst in den Jahren 2001 und 2006 eine Tour-Etappe gewonnen hatte.

Trotzdem durfte sich Voigt als moralischer Sieger feiern lassen, auch wenn es zum dritten Tour-Etappensieg seiner Karriere nicht gereicht hatte. "Ich habe bewiesen, dass mein Körper noch mitmacht und ich nicht durch Glück in das Tour-Aufgebot gekommen bin", sagte Voigt, der nach der großen Kraftanstrengung schnell seinen Humor wiedergefunden hatte: "Ich erkläre hiermit offiziell, dass ich am Donnerstag frei habe. Ich werde nicht attackieren und schon gar nicht unter die besten 100 fahren."

Stattdessen strahlte am Ende Voeckler vom Siegerpodest. "Es war ein schmerzhafter Sieg. Wir haben als Mannschaft viel erdulden müssen. Das war die beste Antwort", sagte der Franzose.

Das spannende Finale, das Voeckler mit dem dritten Etappensieg seiner Karriere für sich entschied, stellte das Duell der Führenden im Gesamtklassement noch deutlich in den Schatten. Dabei hatte Geheimfavorit Vincenzo Nibali das Gelbe Trikot von Bradley Wiggins erstmals in die Bredouille gebracht, doch am Ende war der britische Bahn-Olympiasieger mit seinem Sky-Express wieder Herr der Lage.

Wiggins weiter vor Evans in Führung

Trotzdem erhielt Wiggins schon einmal einen möglichen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Nibali, der Vuelta-Sieger von 2010, hatte nach einer beherzten Attacke zwischenzeitlich mehr als eine Minute auf Wiggins herausgefahren. Doch der Mann in Gelb kämpfte sich mit seinen Teamkollegen und Evans wieder heran.

So erreichten die Favoriten gut 3:15 Minuten hinter Tagessieger Voeckler einträchtig das Ziel. Damit liegt der Mann mit dem "Maillot jaune" auf den Schultern weiterhin 1:53 Minuten vor dem australischen Titelverteidiger Cadel Evans.

Einen Tag nach dem Ruhetag ließen es die Favoriten zunächst gemächlich angehen. Auf dem Weg über den 1501 Meter hohen Col du Grand Columbier, der erstmals im Tour-Programm Berücksichtigung fand, wurde Wiggins von seinen Rivalen kaum in Bedrängnis gebracht, auch weil das Ziel nach der Gipfelüberquerung noch 43 Kilometer entfernt lag.

Voigt und Burghardt in Ausreißergruppe vertreten

Stattdessen kamen die Ausreißer zum Zug. Frühzeitig hatte sich eine 23 Fahrer starke Fluchtgruppe gefunden, der auch Voigt und Marcus Burghardt angehörte. Rund sechs Minuten fuhr die Gruppe heraus, aus der sich beim Anstieg zum Grand Columbier schließlich der französische Liebling Thomas Voeckler, der frühere italienische Girosieger Michele Scarponi, der Spanier Luis Leon Sanchez und der Belgier Dries Devenyns absetzten, ehe Voigt acht Kilometer vor dem Ziel wieder den Anschluss fand.

Die größeren Schwierigkeiten hatte Wiggins dann aber auf der rasenden Abfahrt, als Nibali mächtig auf das Tempo drückte. Kein Wunder, muss der Italiener angesichts seines Rückstands im Gesamtklassement doch einiges riskieren. Den Großteil des Zeitdefizits von gut zwei Minuten hatte sich der Italiener wie auch Evans im Einzelzeitfahren am Montag eingehandelt, als Wiggins die Konkurrenz bei seinem überlegenen Sieg deklassiert hatte.

Di Gregorio weter in Haft

Mit 175 Fahrern und damit drei weniger im Vergleich zu Montag war der Tross am Mittwoch in Macon gestartet. Der deutsche Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der bereits auf der ersten Etappe einen Kahnbeinbruch erlitten hatte, war bereits am Dienstag in die Heimat abgereist. Verletzungsbedingt musste auch der australische Meister Matt Lloyd (Ellbogenbruch) aufgeben.

Probleme anderer Art hat indes der Franzose Remy Di Gregorio, der am Dienstag wegen Dopingverdachts festgenommen worden war und spätestens am Donnerstag in Marseille dem Richter vorgeführt werden soll. Die Klagepunkte sollen der organisierte Verkauf von Dopingsubstanzen an Athleten und die verbotene Einfuhr sowie der Handel dieser Substanzen sein.

Für den Rest des Feldes wartet indes auch am Donnerstag noch einmal Schwerstarbeit in den Bergen. Auf der 148 Kilometer langen Etappe von der früheren Olympiastadt Albertville nach La Toussuire sind unter anderem mit dem Col de la Madeleine und dem Col de la Croix de Fer zwei Berge der höchsten Kategorie zu bewältigen. Und am Ende der Etappe wartet noch der 18,1 Kilometer lange und durchschnittlich 6,1 Prozent steile Schlussanstieg nach La Toussuire hinauf.

Die Etappe im Re-Live

Die Gesamtwertung der Tour

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