Sonntag, 28.03.2010

Radsport

Bartko wohl nicht mehr im Vierer

Robert Bartko muss seine Karriere im Vierer wohl beenden. Udo Sprenger, Vizepräsident des BDR, hat Bundestrainer Andreas Petermann empfohlen, Bartko nicht mehr zu berücksichtigen.

Robert Bartko holte 2000 zwei Olympische Goldmedaillen
© sid
Robert Bartko holte 2000 zwei Olympische Goldmedaillen

Erst die Rote Karte für den Vierer, dann das Ende aller Medaillenträume: Für den zweimaligen Olympiasieger Robert Bartko kam es zum Abschluss der Bahnrad-Weltmeisterschaften in Kopenhagen knüppeldick.

Der Potsdamer belegte im Omnium den undankbaren vierten Platz und musste mit leeren Händen die Heimreise antreten. Damit ging der letzte Tag für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ohne Medaille über die Bühne, zumal auch Robert Förstemann als Vierter im Sprint knapp am Podest vorbeifuhr.

Im Mittelpunkt stand aber Bartko: Nach dem Debakel des einst so ruhmreichen Vierers musste der 34-Jährige als Sündenbock herhalten und soll nicht mehr in der Mannschaftsverfolgung zum Einsatz kommen.

"Ich glaube, dass der Bundestrainer nicht mehr auf ihn setzen wird. Das ist meine Empfehlung an Herrn Petermann", formulierte Udo Sprenger, der Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), eine klare Ansage in Richtung Andreas Petermann, dessen Tage nach den schwachen Vorstellungen wohl ebenso gezählt sind.

"Schlechter Stil"

Bartko, der den Vierer bei den Spielen in Sydney 2000 in Weltrekord-Zeit zu Gold geführt hatte, war von der Entscheidung überrascht und warf dem BDR "schlechten Stil" vor. "Das ist nicht schön, dass ich so etwas von der Presse erfahre. Die Enttäuschung ist groß. Aber vor zwei Jahren war ich auch schon mal draußen und bin dann wieder gefahren", sagte der 34 Jahre alte Potsdamer.

Geht es nach Sprenger, dürfte die Entscheidung diesmal endgültig sein. "Das liegt an seiner Leistungsfähigkeit. Madison kann er noch fahren. Deshalb will ich einen generellen Verbleib von Bartko bei der WM nicht ausschließen", ergänzte der BDR-Vize.

Der zukünftige Verzicht auf den langjährigen Erfolgsgaranten hatte sich schon am Freitag angedeutet, als die Verantwortlichen nach dem zehnten Platz des Vierers auf Distanz zu Bartko gegangen waren.

Dort hatte der Potsdamer mit Robert Bengsch, Henning Bommel und Patrick Gretsch das schlechteste Ergebnis einer deutschen Mannschaft seit der Wiedervereinigung erzielt - ausgenommen der Boykott 2003, als keine deutsche Mannschaft am Start gestanden hatte.

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"Nicht weiterentwickelt"

So fiel die Bilanz im Ausdauerbereich ernüchternd aus. "Von den Ergebnissen her haben wir uns nicht weiterentwickelt. Es muss sich was ändern", sagte Sprenger und wich Fragen nach einer Entlassung von Petermann aus.

"Darüber haben wir bislang nicht gesprochen. Die Ausdauer-Bundestrainer, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, müssen sagen, wie es weitergeht. Sie müssen uns glaubhaft machen, dass es vorwärts geht", so Sprenger, der den Frauen-Coach Thomas Liese gleich mit ins Boot nahm.

Eitel Sonnenschein bei Sprintern

Eitel Sonnenschein herrscht dagegen im Lager der Sprinter, auch wenn Robert Förstemann als Vierter im Sprint eine Medaille knapp verpasste.

Mit der Goldmedaille im Teamsprint, dem dritten Platz von Maximilian Levy im Keirin sowie den starken Leistungen von Stefan Nimke im 1000-m-Zeitfahren und Förstemann sind Deutschlands schnelle Männer absolut konkurrenzfähig. "Die WM ist insgesamt super gelaufen. Wir gehören zur Weltspitze. Unser Ziel ist die Goldmedaille im Teamsprint bei Olympia 2012", sagte Nimke.

Aber auch im Frauen-Bereich darf wieder von erfolgreicheren Tagen geträumt werden, und die Hoffnung ist eng mit dem Namen der sechsmaligen Junioren-Weltmeisterin Kristina Vogel verknüpft. Die 19-Jährige, die vor zehn Monaten nach einem schweren Unfall zwei Tage im Koma gelegen und mehrere Knochenbrüche erlitten hatte, fuhr im Sprint sensationell auf den fünften Platz.

"Beachtlich!"

"Das ist beachtlich", lobte Bundestrainer Detlef Uibel: "Jetzt gilt es daran anzuknüpfen und konsequent weiterzuarbeiten." Bis zur Weltspitze bleibe immerhin noch viel Arbeit.

Das trifft auch insgesamt auf den deutschen Bahnradsport zu. Trotz der Lichtblicke im Sprintbereich hinkt Deutschland im Medaillenspiegel mit einer Gold- und einer Bronzemedaille den Top-Nationen noch hinterher.

Das Ziel ohnehin niedrig gesteckte Ziel von drei bis vier Medaillen wurde verpasst, während die Australier (sechsmal Gold) und die Briten (dreimal Gold) in Kopenhagen reihenweise Medaillen abgeräumt.

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