Pferdesport

Die Krönung des Reinfalls: Ein pinker Helm

Von Philipp Dornhegge
SPOX-Redakteur Philipp Dornhegge war als Reiter auf die Hilfe von John David Hillis (l.) angewiesen
© spox

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Nur ein Spruch? Oder die Wahrheit? SPOX-Redakteur Philipp Dornhegge, schon vom Vornamen her ein Pferdefreund, hat es getestet. Beim Rennstall von John David Hillis setzte er sich auf einen erfahrenen Hengst, der doch eigentlich unkompliziert zu handhaben sein sollte. Doch es stellte sich schnell heraus, dass Reiten gar nicht so einfach ist.

"Wenn ich Dich auf eins unserer jungen Pferde setzen würde, würde es Dich sofort abwerfen", sagt John David Hillis und lacht. Und obwohl die Fröhlichkeit des Iren ansteckend ist, lache ich nicht. Ich frage mich: War es eine gute Idee, zur Galopprennbahn in München-Riem zu fahren und bei dem Trainer vorstellig zu werden? Der ehemalige Jockey (251 Siege) ist vor fast genau zwei Jahren in seine zweite Karriere gestartet und trainiert mittlerweile über 30 Pferde von verschiedenen Besitzern.

"Wir haben mit zehn Pferden angefangen, und weil es so gut lief, hatten wir schon im zweiten Jahr deutlich mehr", erinnert sich Hillis im Gespräch mit SPOX an die rasante Entwicklung seines Trainingsbetriebs. Mittlerweile hat man eine Größe erreicht, mit der man mit fast allen Konkurrenten in Riem mithalten kann. Hillis' Name steht auch nach der aktiven Karriere eben für Qualität. Das spricht sich rum.

"Im letzten Jahr hatten wir leider einige sehr schlechte Pferde. Dazu kam ein Virus, der viele Tiere erwischt hat", gibt er allerdings zu, dass die Vorsaison nicht ganz nach Plan gelaufen ist. Seinem Ruf hat das jedoch keineswegs geschadet. Und so freut man sich im Hause Hillis auf die Saison 2011, die am 3. April eröffnet wurde. Für Hillis-Racing sprangen am ersten Renntag gleich zwei Siege heraus.

John David Hillis im SPOX-Interview: "Mein Favorit war immer Beckenbauer"

Es ist offensichtlich: John Hillis weiß genau, was er tut. Das trifft auch in dem Moment zu, als es darum geht, mir ein Pferd zuzuweisen: "Ich gebe Dir Jersey Bounce", sagt er mit seinem charmanten irischen Akzent. "Der ist ganz brav, sehr erfahren. Mit dem kann man alles machen."

Als Besucher ist Geduld gefragt

Der Hengst hat mittlerweile knapp elf Jahre auf dem Buckel und ist damit das älteste Rennpferd in Hillis' Stall. Nach etlichen Verletzungen hat er in den letzten Jahren kaum Rennen bestreiten können.



"Mittlerweile fühlt er sich aber wieder wohl", betont Hillis und verweist auf die intensive Aufbauarbeit, die sein Team geleistet hat. Hillis' Team, das sind fünf fest angestellte Leute sowie der eine oder andere freiwillige Helfer, die Tag für Tag um fünf Uhr zur Arbeit erscheinen.

Da werden die Ställe gereinigt, die Pferde geputzt und gefüttert und der Trainingsplan für den Tag besprochen. Wenn die Pferde nicht wie gewünscht mitspielen oder etwas anderes dazwischen kommt, kann der ganze Tagesplan mitunter schon am Vormittag in die Tonne geknallt werden.

Deswegen ist als Besucher Geduld gefragt. Man darf sich nicht wundern, wenn man mal eine halbe Stunde warten muss, bis Hillis Zeit für ein Gespräch hat. Oder für einen Testritt auf einem seiner Pferde. Doch all das ist kein Problem. Wer frische Luft und den Duft ungefilterter Naturgerüche mag, für den gibt es kaum einen geeigneteren Ort als das Gelände der Galopprennbahn München-Riem.

Der Helm eines kommenden Jockey-Stars

Wenn die Sonne scheint, dann zwitschern die Vögel um die Wette, dann wirkt das Gras besonders grün. Meine Wartezeit vertreibe ich mir, indem ich den Stall besichtige, Hillis und seinen Angestellten bei der Arbeit über die Schulter schaue und den Tag genieße.

"So, jetzt können wir los legen", sagt da plötzlich der 45-Jährige. Für einen Moment weiß ich nicht, wovon er redet, so leer gefegt ist mein Kopf inzwischen. Hillis erklärt: "Wir satteln jetzt Jersey Bounce, dann gehen wir rüber in die Reithalle und ich zeige Dir, wie man trabt." Galopp, das überrascht mich nicht, kommt nicht in Frage. Schließlich weiß ich nicht, was ich tue, und Jersey Bounce ist trotz aller Abgeklärtheit immer noch ein Rennpferd.

Mein Respekt ist auch so schon groß genug. Als ich mich - überraschend problemlos - auf den Hengst geschwungen habe, stellt Hillis fest: "Du brauchst noch einen Helm. Sicher ist sicher." Das einzig verfügbare Exemplar gehört Katharina Irmer, einem der größten deutschen Jockey-Talente und damit quasi Hillis' Kronjuwel.



Am ersten Renntag in Riem war sie für die beiden Siege von Hillis-Racing verantwortlich. Mit der Stute Divya und dem Wallach Running Flame war sie nicht zu bezwingen. Dazu fuhr sie mit Golden Riviera einen nicht für möglich gehaltenen zweiten Platz gegen erstklassige Konkurrenz ein. Der Helm der 21-Jährigen ist ein topmodernes Exemplar, das mir allerdings etwas zu klein - und noch dazu pink - ist.

Jersey Bounce macht alles selbst

Ich merke, dass ich aussehe wie ein Trottel, aber was soll's? Mir geht es nicht darum, gut auszusehen. Ich will reiten, und ich bin mir fast sicher, dass ich dabei sowieso keine Augenweide für Pferdesport-Ästheten bieten werde.

Also trage ich von mir aus auch einen pinken Helm, der eigentlich nicht passt. Wie sich allerdings schnell herausstellt, hätte ich diesen Helm gar nicht gebraucht.

Denn obwohl ich Jersey Bounce sehr routiniert vom Stall in die Reithalle manövriere, macht er, dort einmal angekommen, partout nicht das, was ich von ihm fordere.

Der Hengst spaziert gemütlich im Kreis und hält souverän die Spur, aber ich habe nicht mal im Ansatz das Gefühl, dass er das wegen mir tut. "Du merkst, dass Jersey Bounce sich hier gut auskennt. Er findet instinktiv selbst seinen Weg", bestätigt Hillis meinen Verdacht.

"Kannst jederzeit wiederkommen!"

Das war so aber nicht geplant. Und das mit dem Traben bekomme ich auch nicht hin. Mein Lehrmeister erklärt: "Gib ihm ruhig kräftig einen mit den Hacken mit. Und dazu mit der Zunge schnalzen." Ich sage: "Das versuche ich ja. Aber er will nicht." Hillis: "Kräftiger." Ich: "Will ich ja. Geht nicht." Hillis: "Hm." Irgendwann wirft der Lehrer das Handtuch, greift sich die Zügel und rennt los. Na klar, jetzt klappt's: Jersey Bounce trabt!

Ohne jegliche Kontrolle über meine Bewegungen rutsche und hüpfe ich anfangs auf dem Sattel herum, bis ich mich einigermaßen auf den Rhythmus des Tieres eingestellt habe und munter mitwippe.

Aber sobald Hillis die Zügel loslässt und ich auf mich gestellt bin, wird Jersey Bounce langsamer - und bleibt zu guter Letzt ganz stehen. Ganz schnell beenden wir das Experiment, bevor es ganz peinlich wird. Beschämt mache ich mich auf den Heimweg.

Zum Abschied sagt Hillis: "Wenn du Lust hast, kannst du jederzeit wieder vorbei kommen!" Gerade noch unglaublich frustriert, komme ich jetzt schon wieder ins Grübeln: "Lust auf eine zweite Runde hätte ich eigentlich schon." Mal sehen...

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