Lückenkemper verpasst Finale über 100 m

SID
Sonntag, 06.08.2017 | 20:55 Uhr
Gina Lückenkemper verpasst das Finale über 100 m
© getty
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Gina Lückenkemper kämpfte, sie gab alles - doch am Ende reichte es für Deutschlands neue Sprinthoffnung nicht für das große Finale über 100 m. "Eine 10,95 kann man nicht jeden Tag laufen", sagte die erst 20-Jährige nach ihrem Halbfinale lächelnd im ZDF, mit 11,16 Sekunden verpasste sie den Endlauf bei der WM in London. Doch Lückenkemper konnte auch so strahlen.

"Gestern hatte ich ja schon alles erreicht, was ich mir für die WM vorgenommen hatte: Unter elf Sekunden zu laufen und das Halbfinale", sagte Lückenkemper: "Alles andere wäre Zugabe gewesen. Ich hab ja zum Glück noch ein paar Jahre in der Leichtathletik."

Und zu welchen Leistungen Lückenkemper dann noch in der Lage sein wird, deutete sie am Samstag im Vorlauf an. 10,95 Sekunden über 100 m, erstmals die Schallmauer von elf Sekunden geknackt. Und das auf der ganz großen Bühne.

"Es war einfach ein geiler Lauf", sagte Lückenkemper, nachdem sie ihre Bestleistung von den deutschen Meisterschaften um sechs Hundertstelsekunden verbesserte. "Es hat sich in Erfurt schon angedeutet, dass es möglich ist. Ich habe mir gesagt, diesmal rennst du auch im Vorlauf durch", sagte die Dortmunderin: "Damit du es endlich schaffst."

Als bisher letzte Deutsche war Katrin Krabbe bei ihrem WM-Titel 1991 in Tokio unter elf Sekunden geblieben, als sie 10,91 im Halbfinale und im Endlauf 10,99 sprintete.

Lückenkemper erfüllte sich in London einen Traum

Lückenkemper gilt im Deutschen Leichtathletik-Verband schon lange als riesiges Talent, im vergangenen Jahr holte sie bei der EM in Amsterdam Bronze. Zudem genießt die Blondine die Aufmerksamkeit, sie redet gerne, viel, und wie auf der Bahn ist sie auch mit ihrem Mundwerk schnell. Gerne kokettiert die Wirtschaftspsychologie-Studentin auch damit, dass sie vor einem Rennen schon einmal eine Bratwurst vertilgt oder wie sie im Sportstudio verriet, an einer Batterie leckt. "Wir sprechen das Nervensystem im Gehirn damit an", sagte sie.

In London erfüllte sich Lückenkemper einen Traum, endlich hat sie die magische Marke gebrochen. "Mich freut das unfassbar, da ich gerade heute morgen im Netz nochmal gelesen habe, dass Leute daran gezweifelt haben, dass ich das kann, dass Leute daran gezweifelt haben, dass ich das hier kann", sagte Lückenkemper: "Daher bin ich umso glücklicher, denen gezeigt zu haben: Ätsch, ihr Lieben, ich kann das doch, ich kann sehr wohl. Ich wusste, dass es in mir steckt, mein Coach wusste, dass es in mir steckt. Es ist unbeschreiblich schön, dass es jetzt geklappt hat, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten."

Dieses Zeichen gesetzt zu haben, war Lückenkemper besonders wichtig. Denn die schnellen Läuferinnen und Läufer des DLV waren in den vergangenen Jahren ja nicht besonders überzeugend, Julian Reus war erst am Freitag über 100 m im Vorlauf gescheitert. "Deutscher Sprint ist geil, deutscher Sprint kann auch was", stellte Lückenkemper jetzt fest. Mit ihren 10,95 Sekunden liegt sie nun auf Platz sechs der ewigen deutschen Bestenliste, alle fünf vor ihr platzierten Sprinterinnen liefen ihre Bestzeiten in den 80er Jahren im DDR-Trikot.

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