Dienstag, 11.10.2016

Ironman-Sieger Frodeno schießt gegen den Verband

Frodeno übt Kritik: "Glaube an uns aufgegeben"

Jan Frodeno hat die Aufmerksamkeit nach dem grandiosen Dreifach-Triumph beim Ironman auf Hawai genutzt und in einem Interview Missstände im deutschen Verband angesprochen. Die Funktionäre seien Schuld für die Olympiaflaute von Rio.

Denn während bei der längeren Marathon-Distanz auf Hawaii die schwarz-rot-goldenen Erfolge alles überstrahlten, ging in Rio auf der olympischen Distanz mit Anne Haug gar nur eine einzige Athletin an den Start. Frodeno begründet das im Gespräch mit der FAZ wie folgt: "Der Glaube an diese Generation ist aufgegeben worden." Es werde permanent der Eindruck vermittelt, dass die Athleten nichts könnten und, dass der Verband auf die nächste Generation baue, erklärt der 35-Jährige.

Die sei der Hauptgrund, warum die Deutsche Triathlon Union keine weiteren Athleten nominiert hätte. Der Hawai-Sieger verweist dagegen mit Nicola Spirig auf ein positives Beispiel aus der Schweiz: "Sie hätte bei den Spielen von Rio de Janeiro im Grunde niemals Zweite werden können. Ihr persönlicher Trainer hat ihr aber jeden Tag in jeder Einheit vermittelt, dass sie mit ihrer Leistung zur Weltspitze gehört", sage der 35-Jährige.

Frodeno: "Nicht leicht als Profi in Deutschland"

Auch aufgrund dieser Umstände hat sich Peking-Olympiasieger Frodeno inzwischen auf die im Vergleich zu Olympia deutlich längere Ironman-Distanz spezialisiert. "Wenn du dich in Deutschland auf der Ironman-Distanz behaupten willst, musst du absolute Weltklasseleistungen zeigen", sagt der Hawai-Champion.

Ohnehin sei es in Deutschland derzeit nicht leicht, als Profi Fuß zu fassen. "Wenn, dann musst du schon ordentliche Leistung zeigen, damit du Anerkennung kriegst", schlägt Frodeno ähnliche Töne an wie etwa Schwimmer Philip Heintz nach Olympia. " Ich glaube, gerade hier auf Hawaii kommt uns auch unsere Methodik gerade als Deutsche sehr entgegen. Dass wir halt sehr wissenschaftlich trainieren und auch gewissenhaft", so Frodeno.

Viele Amerikaner würden das dagegen noch als Funsport ansehen, auch, "wenn man das nicht verallgemeinern kann. Aber dieses strikte und sture nach Plan ist doch eine deutsche Tugend."

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