Boxen

Sturm: "Vielleicht wollte ich zuviel"

SID
Felix Sturm (r.) verlor seinen Boxkampf gegen Daniel Geale (l.) nach Punkten
© Getty

Die dick geschwollene Nase blutete noch etwas, unter dem linken Auge breitete sich ein riesiges Veilchen aus. Gezeichnet und geschockt von der Niederlage in jenem Boxkampf, der der größte seines Lebens werden sollte, suchte Felix Sturm noch lange nach Mitternacht nach Erklärungen.

Mit riesigem Selbstbewusstsein und als Superchampion der WBA war Sturm in den Titelvereinigungskampf mit dem australischen IBF-Weltmeister Daniel Geale am Samstag in Oberhausen gegangen, nach einer knappen Punktrichterentscheidung stand er am Ende mit leeren Händen da und verabschiedete sich von einem großen Traum.

Sturm vs. Geale: So lief der Kampf

"Ich wollte den großen Triumph meiner verstorbenen Mutter widmen, die nicht hier sein kann. Ich wollte den Leuten von Srebrenica diesen Sieg widmen", sagte der aus Bosnien stammende Boxer noch im Ring.

Fast gespenstisch still war es da in der Arena, und selbst für den zurückhaltenden Doppel-Weltmeister Geale hatten die 8.000 Zuschauer nur ganz wenige Pfiffe übrig. Dass sein Sieg in Ordnung ging, war auch beim größten Sturm-Fan angekommen. So blieb auch dem entthronten Champion nur die faire Gratulation an Geale - und die Hoffnung auf eine Revanche.

Vier Millionen Fernseh-Zuschauer

"So viele Champions sind nach Niederlagen stärker zurückgekommen. Vielleicht noch ein Kampf, dann boxe ich wieder um eine WM", sagte Sturm. Der übertragende TV-Sender Sat.1 beeilte sich jedenfalls, noch in der Nacht seine Treue zu Sturm zu bekunden. Vier Millionen Zuschauer hatte der Kampf vor die Fernseher gelockt, und der sich selbst vermarktende Sturm hatte allen die ganz große Show bieten wollen. "Vielleicht wollte ich zuviel. Manchmal verkrampft man dann", sagte er.

Seltsam passiv wirkte Sturm phasenweise gegen Geale, aber irgendwelche Ausreden mochte er nicht suchen. Erst sein Trainer Fritz Sdunek plauderte aus, dass Sturm in der Woche vor dem Kampf unter einer Bronchitis gelitten hatte. "Er konnte nicht optimal arbeiten und war dadurch nicht so frisch heute", sagte Sdunek. Der 65-Jährige hatte in den vergangenen Wochen statt Sturm Witali Klitschko vor dessen WM-Kampf begleitet und deshalb selbst erst am Kampftag von den gesundheitlichen Problemen seines Schützlings erfahren. Das Richterurteil (zweimal 116:112 gegen Sturm, einmal 116:112 für ihn) fand er "ein bisschen heftig".

Abraham erstmal kein Thema mehr

Auch Sturm hatte sich eigentlich vorn gesehen, umso genervter reagierte er wohl auch auf den Namen Arthur Abraham so kurz nach dem Kampf. Dabei hatte er selbst dem Supermittelgewichts-Champion in den vergangenen Tagen öffentlich deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet als Gegner Geale. In der Vorbereitung habe ihn das aber "natürlich nicht" abgelenkt, erklärte Sturm. Ein Duell scheint mit Sturms Niederlage aber wieder außerhalb der Diskussion.

Auf den nächsten großen Kampf wird er nach ein paar Wochen Urlaub in der Sonne dennoch nicht lange warten müssen, da ist sich Felix Sturm sicher. "Ich glaube nicht, dass ich mich jetzt hinten anstellen muss, vor allem nicht als mein eigener Promoter", sagte er und rührte gleich mal die Werbetrommel: "Die größte Plattform im Mittelgewicht in Deutschland bin ich." Ein paar Zweifel waren nach seiner Niederlage aber wohl doch geblieben. "Man weiß nie, wozu so etwas gut ist. Vielleicht kommt alles auch besser als ich denke."

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