Boxen

Powetkin: "Will gegen Wladimir Klitschko boxen"

Von Interview: Norbert Pangerl
Wladimir Klitschko als nächstes Ziel: Alexander Powetkin (l.) will endlich gegen den Super-Champ ran
© Getty

Alexander Powetkin kämpft am 27. August in Erfurt gegen Ex-Weltmeister Ruslan Tschagajew um die Schwergewichts-Weltmeisterschaft der WBA. Im Interview mit SPOX antwortet der 31-jährige Olympiasieger seinen Kritikern, gibt Auskunft über seine Arbeit mit Trainer-Legende Teddy Atlas und skizziert, wie seine Zukunft aussehen soll.

SPOX: Herr Powetkin, Sie waren bei den Amateuren Europameister, Weltmeister und Olympiasieger, jetzt kämpfen sie erstmals bei den Profis um den WM-Gürtel. Warum hat es nach ihrem Wechsel ins Profilager im Jahr 2005 so lange gedauert?

Alexander Powetkin: Ich finde nicht unbedingt, dass sechs Jahre eine lange Zeit sind. Amateurboxen und Profiboxen sind sehr unterschiedlich. Zudem musste ich mich in der Weltrangliste erst entsprechend hocharbeiten. Dazu gab es ein paar Verletzungen in meiner Karriere. Ich finde das normal.

SPOX: Die WBA hat Wladimir Klitschko nach seinem Sieg gegen David Haye zum Super-Champion erklärt. Sie boxen nun um den vakanten Weltmeister-Titel. Für Sie ein Gürtel zweiter Klasse?

Powetkin: Nein! Dies ist nicht der erste Fall, indem ein Weltverband einen Weltmeister zum Super-Champion erklärt. Speziell hier geht es aber darum, dass die nächsten in der Weltrangliste ihre Chance bekommen, um den Titel zu boxen und nicht jahrelang auf eine Möglichkeit warten müssen. Es ist also ein ganz normaler Weltmeister-Titel.

SPOX: Ihr Gegner Ruslan Tschagajew war wie Sie ein herausragender Amateur und bereits Weltmeister bei den Profis. In seinen letzten Kämpfen konnte er jedoch gegen eher schwache Gegner nicht überzeugen. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?

Powetkin: Es wird für uns beide ein harter Kampf. Es geht um die Weltmeisterschaft. Alles was vorher war, zählt nicht mehr. Ich hoffe natürlich, dass ich den Ring als Sieger verlassen werde. Ich glaube, es wird ein interessanter Kampf.

SPOX: Sie haben lange nicht mehr im Ring gestanden. Wie gehen Sie in den Kampf gegen den Rechtsausleger Tschagajew?

Powetkin: Meine Taktik kann und werde ich nicht verraten. Die Antwort erfahren sie am 27. August. Aber so viel ist klar: Es stehen sich zwei sehr offensiv boxende Kämpfer gegenüber. Da kann eine Menge passieren.

SPOX: Der WM-Kampf ihres Stallgefährten Nikolai Walujew gegen Tschagajew ist im Jahr 2009 wegen einer Hepatitis-Erkrankung von Tschagajew geplatzt. Ist die Erkrankung des Usbeken für Sie ein Problem?

Powetkin: Nein. Unsere Ärzte sagen, dass keine Ansteckungsgefahr besteht. So weit mir bekannt ist, hat mein Gegner alle medizinischen Voraussetzungen - die in Deutschland nötig sind - erfüllt.

SPOX: Jahrelang bildeten Sie mit dem ehemaligen russischen Nationaltrainer Waleri Below ein sehr erfolgreiches Gespann. Haben Sie noch Kontakt zu Below?

Powetkin: Ja, wir haben noch einen sehr guten Kontakt. Ich mag ihn sehr, habe ihm viel zu verdanken. Das werde ich sicher auch nie vergessen. Aber ich hatte den Eindruck, ein frischer Wind könnte meiner Entwicklung gut tun. Deshalb wendeten wir uns damals an Teddy Atlas.

SPOX: Seit 2009 arbeiten Sie nun mit Trainerlegende Teddy Atlas zusammen. Viele haben den Eindruck, sie hätten sich in dieser Zeit verschlechtert.

Powetkin: Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis man sich umgestellt hat. Ich hoffe, eine gute Leistung am 27. August in Erfurt wird das widerlegen. Auf der anderen Seite gab es auch andere Gründe, warum es nicht so gut lief. Zum Beispiel hat mich der Tod meines Vaters sehr mitgenommen. Mentale Stärke ist im Boxen sehr wichtig. Und ich glaube eher, dass es da Defizite gab, die mich im Ring nicht immer gut aussehen ließen.

SPOX: Ursprünglich hieß es, Atlas werde wegen seines Kommentatoren-Jobs bei ESPN am 27. August nicht in Ihrer Ecke stehen. Geht der Trainerjob normalerweise nicht vor? Sind Sie enttäuscht über sein Verhalten?

Powetkin: Das ist mir neu. Wir haben unser Training und die gesamte Vorbereitung wie besprochen durchgezogen.

SPOX: Teddy Atlas sagte in einem Interview im Vorfeld Ihres Kampfes auch, dass sie eigentlich mehr Zeit gebraucht hätten um bereit zu sein. Er habe das jedem gesagt und trotzdem wäre von Ihrem Promoter der Kampf arrangiert worden. Hat ihr Coach mit seinen Aussagen überzogen, oder kommt der Kampf tatsächlich noch zu früh?

Powetkin: Da müssen sie meinen Trainer fragen. Ich glaube allerdings, dass damit der erste angesetzte Kampf gegen Wladimir Klitschko gemeint war. Und dass ein Coach versucht, seinen Kämpfer zu schützen, liegt ja auch irgendwie in der Natur der Sache. Auf ihm lastet ebenfalls Druck - er möchte natürlich, dass ich gewinne.

SPOX: Die Europäer beherrschen derzeit das Schwergewichts-Boxen quasi nach Belieben. In den USA dagegen kennt man die Namen europäischer Spitzenboxer kaum und betrachtet die Entwicklung mit Skepsis. Ist der US-Markt für Sie interessant, noch dazu mit einem amerikanischen Trainer?

Powetkin: Ich will nur Boxen und Weltmeister werden. Ich mache mir keine Gedanken, oder stelle Spekulationen an, wie der amerikanische Markt zum europäischen Boxen steht. Das überlasse ich anderen. Aber ich würde auch gerne irgendwann mal in den USA boxen.

SPOX: Bereits zweimal sollten Sie gegen Wladimir Klitschko in den Ring steigen. Zweimal wurden Sie davon abgehalten. Sind aller guten Dinge drei, wenn sie Tschagajew schlagen?

Powetkin: Beim ersten Mal musste ich verletzungsbedingt absagen, beim zweiten Mal kam kein Kampfvertrag zustande. Und falls ich gewinnen sollte, würde ich gern gegen Wladimir Klitschko boxen. Das war immer mein Traum.

SPOX: Waren Sie beeindruckt von Wladimir Klitschkos Vorstellung gegen David Haye?

Powetkin: Wladimir hat taktisch gut geboxt und sich nie aus der Ruhe bringen lassen.

SPOX: Wer ist für Sie derzeit der beste Schwergewichtler?

Powetkin: Das kann ich nicht sagen, aber Witali und Wladimir Klitschko stehen nicht grundlos an der Spitze. Doch es gibt noch Gegner, die ihnen das Leben schwer machen könnten. Ich denke da vor allen Dingen an meine Team-Kollegen Robert Helenius und Kubrat Pulew.

SPOX: Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie zu selten und wenn dann zu schwache Gegner boxen. Seit Ihren Siegen gegen Top-Gegner wie Eddie Chambers und Chris Byrd sind bereits mehr als drei Jahre vergangen. Was antworten Sie auf diese Attacken?

Powetkin: Das kann ich nicht ganz verstehen. Ich habe mich seit den Siegen gegen Chambers und Byrd zweimal intensiv auf einen Kampf gegen Wladimir Klitschko vorbereitet. Beide Kämpfe kamen leider kurz vorher nicht mehr zustande. Und in der Zwischenzeit habe ich vielleicht gegen schwächere, aber nie gegen schlechte Gegner geboxt. Mein Trainer hatte da ein großes Mitspracherecht. Ich denke, er hat sich bei der Gegnerwahl durchaus etwas gedacht.

SPOX: Bei den Olympischen Spielen 2016 sollen nach einer Regeländerung erstmals auch Profi-Boxer teilnehmen dürfen. Im letzten Jahr hatten Sie damit geliebäugelt, nochmals bei Olympia zu starten. Immer noch eine Option für Sie?

Powetkin: Ich will Profi-Weltmeister werden und danach gegen Wladimir Klitschko boxen. Was danach passiert, kann ich jetzt noch nicht sagen.

SPOX: Finden Sie die neue Regelung gut, oder schadet sie dem Amateurboxen?

Powetkin: Man muss diese Entwicklung abwarten. Dazu kann ich jetzt nicht viel mehr sagen.

SPOX: Ihr Stallkollege Robert Helenius boxt in Erfurt mit Sergei Ljachowitsch ebenfalls gegen einen Ex-Weltmeister und wird bereits als kommender Champion gehandelt. Kennen Sie Helenius aus dem Training? Wenn ja, wie stark ist er?

Powetkin: Helenius ist ein ganz starker Kämpfer, den ich sehr schätze. Dazu ist er ein sehr netter, umgänglicher Zeitgenosse. Er wird in der Zukunft bestimmt noch viel erreichen.

SPOX: Wo steht Alexander Powetkin im Jahr 2012? Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Powetkin: Ich hoffe, dass ich mich als Weltmeister auf den Kampf gegen Wladimir Klitschko vorbereiten kann.

Die Weltranglisten der anerkannten Verbände

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