Basketball

Basketball Champions League - Final Four: Brose Bamberg will ersten europäischen Titel gewinnen

Von Robert Arndt
Brose Bamberg trifft beim Final Four zunächst auf Bologna.

Brose Bamberg steht als zweite deutsche Mannschaft der Geschichte im Final Four der Basketball Champions League (alle Spiele LIVE auf DAZN). Die Oberfranken sind heiß auf ihren ersten internationalen Titel, zuvor müssen die Bamberger im Halbfinale an Wundertüte Virtus Bologna vorbei, deren US-Amerikaner zuletzt ordentlich negative Schlagzeilen produzierten.

Das erste Halbfinale mit Brose Bamberg gegen Virtus Bologna startet um 18.30 Uhr (live auf DAZN).

Vor genau einem Monat sicherten sich die Bamberger im Rückspiel bei AEK Athen dank des Floaters von Tyrese Rice 5 Sekunden vor dem Ende ihre Teilnahme am Final Four der Basketball Champions League. Nun gilt es, diesen Überraschungscoup zu veredeln. Passenderweise findet das Event im belgischen Antwerpen statt, dem größten Handelsort für Diamanten, den es auf der Welt gibt.

"Wir sind alle heiß, wollen endlich einen internationalen Titel für Bamberg gewinnen", erklärte Nationalspieler Patrick Heckmann am Donnerstagabend nach dem Training in Antwerpen im Gespräch mit SPOX. Dafür hat man in Oberfranken alles untergeordnet. Nach der Niederlage bei den Bayern reisten die Bamberger früh nach Belgien, um sich dort konzentriert vorbereiten zu können. "Wir sind jetzt länger zusammen, so können wir uns gemeinsam konzentrieren", so Heckmann weiter.

Basketball Champions League: Alle Termine des Final Four

DatumUhrzeitPaarungÜbertragung
3. Mai18.30 UhrBologna - Brose BambergDAZN
3. Mai21.15 UhrTenerife - AntwerpenDAZN
5. Mai15 UhrSpiel um Platz 3DAZN
5. Mai18 UhrFinaleDAZN

Brose Bamberg: Probleme in der BBL nach Coup in Athen

Der Liga-Alltag war zuvor beschwerlich für die erfolgsverwöhnten Bamberger, die zwischen 2010 und 2017 mit Ausnahme einer Saison alle deutschen Meisterschaften gewannen. Inzwischen haben sich die Vorzeichen aber ein wenig geändert. Die Bayern haben Brose überflügelt, sie vertreten inzwischen die BBL in der Euroleague.

In Bamberg hat man dagegen mit der Champions League vorliebgenommen, wo man nach anfänglichen Problemen nun auf den großen Wurf aus ist. In der Liga war zuletzt dagegen die Luft raus. Sechs der letzten acht Spiele wurden verloren, der fünfte Platz scheint für die Playoffs vorbestimmt. "Die letzten Ligaspiele waren nicht einfach, aber immerhin haben wir gegen Braunschweig gewonnen", sagte Heckmann zu dem kleinen Loch, in dem die Bamberger zuletzt steckten.

"Nach dem Rückspiel in Athen hatten wir Probleme, unser hohes Niveau zu halten. Das war schon ein Höhepunkt und dann fällt es schwer, konstant so weiterzuspielen. In München haben wir eigentlich gut gespielt. Am Ende haben wir dann auch ein bisschen die Kräfte fürs Wochenende geschont. Wir haben aber gezeigt, dass wir mithalten können."

Brose Bamberg: 12 Siege in Serie im Frühjahr

An guten Tagen können die Bamberger ohnehin jede Mannschaft vor Probleme stellen. Es war kein Zufall, dass Bamberg im Frühjahr zwischenzeitlich zwölf Spiele am Stück für sich entschied und in dieser Phase in der heimischen Brose Arena nach einem packenden Finale gegen Alba Berlin (83:82) den BBL-Pokal in die Höhe stemmen konnte.

"Der Pokalsieg war auf jeden Fall eine Genugtuung, weil es nach der ersten Saisonhälfte nicht so aussah, dass wir irgendwas gewinnen könnten oder hier ins Final Four kommen", fand auch Heckmann. Einen großen Anteil daran hatte Coach Federico Perego, der im Dezember den glücklosen Letten Ainars Bagatskis ablöste. "Er hat uns auf den richtigen Weg gebracht und uns erst die Chance gegeben, dass wir nun hier im Final Four stehen."

Bologna: Große Vergangenheit, Probleme in der Gegenwart

Trotz schwachem Saisonstart steht nun zumindest schon einmal eine Trophäe in der Vitrine, ein Umstand von dem der heutige Gegner aus Italien im Moment nur träumen kann. Virtus Bologna gewann einst unter anderem mit der argentinischen Legende Manu Ginobili das historische Triple, doch diese rosigen Zeiten sind längst vorbei. Zwischenzeitlich musste Bologna sogar in die zweite Liga runter, bevor man sich 2017 ins Oberhaus zurückkämpfte.

Die Ansprüche stiegen dabei wieder schnell, das Budget war schließlich da. Dennoch krebste Bologna in dieser Saison im düsteren Mittelmaß der italienischen Liga herum (Platz elf), die Playoffs wird man wohl verpassen, obwohl Anfang März mit Ex-Bayern-Trainer Sasa Djordjevic der Head Coach der serbischen Nationalmannschaft verpflichtet werden konnte.

"Das ist schon verwunderlich, dass sie mit solch einer Mannschaft und solchen Einzelspielern die Playoffs verpassen", findet auch Heckmann. Ein Grund für die guten BCL-Leistungen und die Schwankungen in der Liga ist, dass in Italien nur sechs Ausländer eingesetzt werden dürfen, in der Champions League agiert die Djordjevic-Truppe meist mit acht.

Bologna: Angeblicher Bordell-Besuch sorgt für Aufregung

Dennoch: Auf grandiose Vorstellungen wie im Viertelfinal-Rückspiel gegen Nanterre folgten teils peinliche Auftritte wie die Heimniederlage gegen Schlusslicht Pistoia (67:78) nur wenige Tage später. Noch viel schlimmer war jedoch, wie sich Teile der Mannschaft nach diesem Spiel präsentierten.

Gleich sechs US-Amerikaner, darunter auch Ex-Heat-Guard Mario Chalmers, fuhren am späten Abend ins benachbarte Mailand und feierten heftig - angeblich in einem Bordell - und stellten dies zur Krönung auch noch in die sozialen Medien. Vorsichtig gesagt, darf man dies als nicht wirklich clever bezeichnen.

Ob die Virtus-Spieler auch in Antwerpen das durchaus vorhandene Nachtleben genossen haben, ist bisweilen nicht bekannt, aber auch in Bamberg ist man sich der Qualität der Djordjevic-Truppe durchaus bewusst. Chalmers kommt bei Bologna nur von der Bank, da die Italiener mit Kevin Punter und Tony Taylor ein unglaublich explosives Guard-Duo besitzen, die Spiele im Alleingang gewinnen können.

Alle Ergebnisse von Brose Bamberg in der Champions League

RundeGegnerErgebnisse
GruppeAEK Athen77:73, 86:93
GruppeHapoel Jerusalem85:88, 89:103
GruppeTelenet Giants Antwerpen82:78, 85:76
GruppeBC Lietkabelis82:77, 67:84
GruppeJDA Dijon73:64, 80:61
GruppeCEZ Nymburk78:71, 84:78
GruppeMontakit Fuenlabrada88:89, 75:65
AchtelfinaleBanvit81:79, 88:85
ViertelfinaleAEK Athen71:67, 67:69

Brose Bamberg will ersten internationalen Titel gewinnen

"Wir sind bereit und wissen, was jeder einzelne von ihnen gerne macht", gab sich Heckmann vor der kommenden Aufgabe aber entspannt. "Wenn wir physisch und auch schlau spielen, haben wir eine gute Chance, ins Finale einzuziehen. Wir müssen uns auf unsere Defense verlassen, weil offensiv haben wir gezeigt, dass wir mit jedem mehr als nur mithalten können."

Die Bamberger sind sich ihrer historischen Chance auf einen europäischen Titel also durchaus bewusst, das zeigte auch die letzte Trainingseinheit im überdimensionierten Sportpaleis, einem ehemaligen Radstadion, welches knapp 16.000 Plätze fasst. Unter dem grellen Flutlicht spielten die Bamberger noch einmal konzentriert ihre Systeme durch und wurden danach von Coach Perego ausdrücklich gelobt.

Brose kann und will in der Stadt der Diamanten Geschichte schreiben, zunächst gilt es aber, die Hürde Bologna zu nehmen. Wie es zuvor in der Liga gelaufen ist, interessiert die Bamberger im Moment nicht. Alles wird dem Gewinn der BCL untergeordnet, um nach einer scheinbar verlorenen Saison schon vor dem Ende der BBL-Saison mit zwei Titeln dazustehen. Das gab es selbst in den Bamberger Hochzeiten noch nie.

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