Deutschland sehnt sich nach dem Turbo

Von Für SPOX in Vilnius: Haruka Gruber
Donnerstag, 08.09.2011 | 22:52 Uhr
Nowitzki (r.) alleine gegen zwei spanische Verteidiger: Ist Schnelligkeit die Lösung?
© Imago
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Das Antiserum gegen das Hack-a-Dirk-Nowitzki? Bundestrainer Dirk Bauermann verordnet dem DBB-Team eine Prise Run'N'Gun - die ersten Ansätze sind vielversprechend. Johannes Herber bietet sich an. Vielleicht sogar als Starter für Steffen Hamann im Türkei-Spiel (Fr., 16.45 Uhr im LIVE-TICKER)?

Auch aus 30 Metern Entfernung war Johannes Herber anzusehen, dass er sich erschrocken hatte. Womöglich über die eigene Courage oder über das tatsächliche Gelingen seines Manövers. Oder darüber, wie leicht es ihm gelang, mit einem Sprint die gesamte spanische Verteidigung zu entblößen.

Gegen Ende des dritten Viertels griff sich Herber einen Rebound am eigenen Brett und machte etwas Ungewöhnliches. Er lief einfach los. Anstatt den Ball an den Spielmacher weiterzuleiten und sich gemächlichen Schrittes in die spanische Hälfte zu bewegen und dort seine Position im Setplay einzunehmen.

Spanien, wie alle Gegner eingestellt auf das langsame, strukturiere Angriffsspiel der Deutschen, zeigte sich völlig unorientiert, so dass Herber widerstandslos den Court runterrennen konnte.

Als sich endlich ein Gegenspieler in den Weg stellte, hielt er kurz inne, blickte sich überrascht um, sah den mitgelaufenen und freistehenden Philipp Schwethelm und spielte ihn an. Pass, Dreier, Treffer.

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Herber: "Vorgabe, schneller zu spielen"

So ernüchternd die 68:77-Niederlage gegen Spanien war - diese Szene und einige andere zeigten auf, mit welchem Mittel Deutschland es zumindest versuchen könnte, das kleine Wunder zu schaffen und die Türkei sowie Litauen zu bezwingen. Zwei Siege sind Voraussetzung, um die kleine Chance auf das Viertelfinale zu wahren.

"Wir haben versucht, schneller zu spielen. Das war zwar schon die Vorgabe in den Partien davor, aber gegen Spanien ist uns das gelungen", sagt Herber.

Von einer Revolution zu sprechen, wäre übertrieben. Aber Bundestrainer Dirk Bauermann, der sture Defensiv-Prediger von einst, zeigt sich in diesem Sommer wesentlich flexibler als in der Vergangenheit.

Heiko Schaffartzik zum Shooting Guard umzufunktionieren, sowie Schwethelm zu einem spielmachenden Combo-Guard, deuteten dies an. Die Anweisung, zumindest in Phasen Run'N'Gun spielen zu lassen, ist ein weiterer Hinweis.

"Auf die Tube drücken"

Bauermann sagt zwar, dass "eine richtige Mischung" wichtig und ein ständiges Auf-und-Ab-Gerenne der falsche Ansatz sei: "So zu spielen wie eine bessere D-League-Mannschaft und nicht abzuwarten, ob Dirk Nowitzki und Chris Kaman überhaupt die Mittellinie erreicht haben, macht keinen Sinn."

Doch der Coach verhehlt nicht, dass sich die Anweisungen für die Mannschaft verändert haben: "Wenn man nur konservativ den Ball nach vorne trägt, ist es für die gegnerische Defense leichter, sich auf uns einzustellen. Man muss zu leichten Punkten kommen. Dazu muss man, wenn sich dies ergibt, auf die Tube drücken."

Eine mögliche Folge der schnelleren und manchmal hastigeren Spielweise waren die vielen Turnover. Es mangelt an der Abstimmung, weil in der Vorbereitung fast ausschließlich der Halbfeld-Angriff getestet wurde. Alleine Steffen Hamann (4) und Heiko Schaffartzik (3) kamen auf 7 Ballverluste, Chris Kaman beging 3 seiner 5 Turnover nach Schrittfehlern, die von Hektik zeugten.

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Das große Ziel: Für Nowitzki Lücken schaffen

Andererseits waren die Vorteile augenscheinlich. Bei ihren gelegentlichen Breaks hielten die Deutschen die spanische Defense davon ab, sich zu sortieren - was Dirk Nowitzki zugute kam.

Nowitzki wurde zwar wie in den Spielen zuvor hart angegangen, doch hin und wieder gelang es, einen Isolation Play für ihn zu laufen. Obwohl es unter FIBA-Regeln wesentlich schwerer fällt als in der NBA, einen Spieler auf einer Seite zu isolieren, weil beispielsweise der gegnerische Center unter dem Korb "parken" kann und das Aushelfen durch die kürzere Dreier-Linie leichter ist.

Dennoch kam Nowitzki häufiger in Eins-gegen-eins-Situationen. "Im Schnellangriff kann Dirk dort auftauchen, wo man es nicht von ihm erwartet. So kann er Lücken in der Verteidigung finden und kann nicht so physisch angegangen werden", sagt Bauermann.

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Warum nicht Herber für Hamann?

Entsprechend Sinn macht es, Nowitzki weiter zu entlasten und Räume zu schaffen, in dem ihm ein weiterer guter Schütze neben Heiko Schaffartzik und Robin Benzing zur Seite gestellt wird. Herber bot sich mit seinen guten Leistungen für eine Beförderung in die erste Fünf an.

Er bringt einen Dreier-Wurf, eine starke Defense und vor allem Basketball-IQ mit, um je nach Sachlage zu entscheiden, ob ein Angriff gemäßigt oder im Turbo-Gang gespielt werden soll.

Steffen Hamann würde dadurch zwar auf der Bank landen - doch auch dies hätte einen Zweck. Wenn er auf dem Court steht, wird der Platz für Nowitzki und Kaman verknappt, weil Hamanns Gegenspieler wegen dem nicht vorhandenen Wurf absinken kann.

Hamann als Energizer von der Bank

Doch in der zweiten Fünf, wenn Nowitzki oder Kaman verschnaufen, könnte Hamann eine neue Dimension einbringen. Mit Schwethelm, Herber, Lucca Staiger und Sven Schultze verfügen fast alle Ersatzspieler über einen guten Wurf, dafür ziehen sie jedoch fast nie zum Korb. Anders als Hamann, der mit seinen kraftvollen Drives als Einziger im deutschen Kader hervorsticht.

Zumal Hamann gegen die Türken und deren unathletische Guards nicht als Verteidiger in der Starting Five vonnöten ist.

Freilich, dass Bauermann seinen Point Guard des Vertrauens mitten in einem Turnier aus der Anfangsformation rausrotiert, ist sehr unwahrscheinlich. Gegen Spanien bescheinigte er ihm trotz der Turnover "ein gutes Spiel". Aber dass Bauermann durchaus für Veränderungen offen ist, hat er bereits bewiesen.

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