Montag, 13.12.2010

Versunsicherung bei den Athleten

Datenschutz: Athleten befürchten Startverbote

Die massive Kritik deutscher Datenschützer an den nationalen Dopingkontrollen hat viele Athleten stark verunsichert. Die Sportler befürchten nun Startverbote.

Deutsche Athleten befürchten ein Startverbot
© sid
Deutsche Athleten befürchten ein Startverbot

Die massive Kritik deutscher Datenschützer an den nationalen Dopingkontrollen sorgt bei den Athleten für große Verunsicherung.

Weil ein Bewertungsentwurf des Landesdantenschutzbeauftragen in Rheinland-Pfalz die Vorgehensweise der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA bei den Kontrollen als "unerträgliche Verletzung der Intim- und Privatsphäre" sowie "rechtswidrige Datenverarbeitung" beurteilt, befürchten die Sportler nun Startverbote.

"Das wäre eine Katastrophe"

"Das wäre eine Katastrophe, weil das würde bedeuten, wenn wir den Code der NADA nicht erfüllen würden, dann wären wir international nicht startberechtigt. Das heißt, alle Mühen der letzten Jahre in Richtung Olympische Spiele 2012 wären umsonst, weil wir gar nicht starten dürften. Man würde quasi meinen Beruf zerstören", sagte Weitsprung-Europameister Christian Reif dem ARD-Politik-Magazin "Report Mainz", das am Montagabend ausgestrahlt wurde.

Und auch die Bonner Degen-Europameisterin Imke Duplitzer macht sich Sorgen wegen der überzogenen Forderungen der Datenschützer: "Das bedeutet, dass deutscher Leistungssport tot ist und die Leidtragenden wieder die Athleten sind, die sauber darauf hingearbeitet haben, an Wettkämpfen teilzunehmen."

Datenschützer wollen ihre Auffassungen durchsetzen

In dem Bericht heißt es unter anderem, dass die Auffassung der Datenschützer bedeuten könnte, "dass die der NADA assoziierten Vereine und (Sport-)Verbände auf Landesebene angewiesen werden, die Unterwerfung ihrer Athleten unter den NADC (Nationalen Anti-Doping-Code) künftig nicht mehr zu verlangen". Auf die Frage, wie er die Forderungen der Behörde umsetzen wolle, erklärte der Landesbeauftragte Edgar Wagner gegenüber "Report Mainz": "Mit all den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, werden wir unsere Auffassungen durchsetzen wollen."

Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, bekräftigte diese Position. "Wenn deutsche Sportlerinnen und Sportler keine Starterlaubnis bei internationalen Wettbewerben bekämen aufgrund von datenschutzrechtlichen Regelungen, dann hätten wir die öffentliche Diskussion, die meines Erachtens dringend notwendig ist, nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene", sage Weichert.

Franke warnt vor Doping-Freigabe

Der Dopingforscher Werner Franke sieht die Gefahr, dass Doping unter Sportlern freigegeben würde, wenn sich die Datenschützer mit ihren Vorstellungen durchsetzen würden. "Das ist ein Kabarettprodukt. Man müsste es nur vorlesen und es würde schallendes Gelächter bei jedem fünften Satz ernten, denn es ist so entfernt von jeder Wirklichkeit dabei. Es würde praktisch ja bedeuten, dass man Doping unter Sportlern frei gäbe", sagte Franke zu dem Entwurf.

Das Dokument der rheinland-pfälzischen Datenschützer stellt eine umfassende juristische Expertise der Anti-Doping-Praktiken der NADA dar. Es ist als Entwurf deklariert und trägt den Titel "Datenschutzrechtliche Bewertung des NADC (Nationaler Anti-Doping-Code) 2009". Am kommenden Mittwoch wird es mit den Datenschützern aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie Vertretern der NADA in Düsseldorf beraten.

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