"Business-Flug ist mal was anderes"

Von Interview: Jonas Wäckerle
Montag, 19.10.2009 | 14:32 Uhr
Margareta Kozuch hat sich in Italien im Starensemble von Novara durchgesetzt
© Imago
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Sie gehören in ihrer Sportart zu den Besten der Welt, finden aber häufig nicht die Beachtung, die sie verdienen. Sie sind die Schattenmänner und Schattenfrauen des Sports. SPOX widmet ihnen ein eigenes Format. Diesmal: Volleyball-Star Margareta Kozuch.

Sie war 2006 Hamburgs Sportlerin des Jahres und spielt in der stärksten Liga der Welt.

Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte die 22-jährige Außenangreiferin schon über 150 Länderspiele, holte Bronze beim Grand Prix, erreichte den vierten Platz bei der EM in Polen und gewann mit ihrem Klub den CEV-Cup.

Im Interview mit SPOX spricht Margareta Kozuch über die Außenseiterrolle ihrer Sportart in der deutschen Öffentlichkeit, Anlaufschwierigkeiten in Italien und eine Zukunft zwischen Hamburg, Japan und ihrer zweiten Heimat Polen.

SPOX: In Deutschland ist Volleyball leider keine große Nummer. Wie haben Sie da die EM kürzlich im volleyballverrückten Polen erlebt? Zumal Sie polnische Wurzeln haben und die Sprache verstehen...

Margareta Kozuch: Was das Turnier angeht, war es nicht spezieller als andere Turniere. Aber generell war es natürlich schön, die Sprache zu verstehen und zu sprechen. Ich habe mich ein wenig zuhause gefühlt. Generell war die Organisation des Turniers super. Zwar ist in Polen der Fußball auch populärer, aber im Volleyball ist hier schon einiges los. Es wäre ein Traum, wenn das auch in Deutschland irgendwann so sein könnte.

SPOX: Sie waren direkt nach dem verlorenen Spiel um Platz drei sehr enttäuscht. Können Sie mit ein bisschen Abstand positiv auf die EM und ihren vierten Platz zurückblicken?

Kozuch: So ganz verdaut ist es noch nicht, gerade wenn man sich vorstellt, dass wir mit einer Medaille hätten zurückkommen können. Aber insgesamt sind wir froh, dass wir ins Halbfinale gekommen sind. Das war schon schwierig genug.

SPOX: Im Halbfinale gegen Italien und im Spiel um Platz drei gegen Polen kamen jeweils weit über 10.000 Zuschauer. Welchen Eindruck hat die enorme Kulisse auf Sie und Ihr Team gemacht?

Kozuch: Es war für mich das erste Mal, vor so einer Kulisse zu spielen. Es war unglaublich. Ich hatte natürlich schon viel über die Atmosphäre in den polnischen Volleyball-Hallen gehört, trotzdem ist es immer etwas anderes, wenn man es selbst zu spüren bekommt. Wir konnten teilweise unser eigenes Wort nicht verstehen. Es war ein enormes Erlebnis.

SPOX: 2008 fehlten die deutschen Damen bei den Olympischen Spielen. Allgemein wird Ihrem Team eine gute Perspektive bescheinigt. Wie sehen Sie die Zukunft der Nationalmannschaft in Hinblick auf die WM 2010 in Japan und Olympia 2012 in London?

Kozuch: Ich denke, dass wir schon seit vier Jahren gut zusammenarbeiten. Zwar nehmen sich einige Spielerinnen zwischendurch immer wieder eine Pause und es kommen neue dazu, aber insgesamt ist der Kern der Mannschaft durchgehend gleich geblieben. Auch der Trainer arbeitet jetzt schon vier Jahre mit uns zusammen. Das macht sich allmählich bemerkbar. Der dritte Platz beim Grand Prix etwa ist ein Erfolg, den wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Wir sind noch eine so junge Mannschaft. Da steckt noch viel Potenzial für die nächsten Jahre drin.

SPOX: Nicht nur Ihr Team, auch die deutschen Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann waren in diesem Jahr sehr erfolgreich. Glauben Sie daran, dass der Volleyballsport in Deutschland wieder mehr in den Fokus rücken kann?

Kozuch: Durch die Erfolge bei der EM kam letztlich auch das Fernsehen dazu. Ich denke, das ist ein großer Schritt. Natürlich müssen jetzt auch die Erfolge kommen, damit das Interesse erhalten bleibt. Das sind zumindest kleine Schritte auf dem Weg in den Fokus, die dem Sport helfen, an Popularität zu gewinnen.

SPOX: Die EM bekam in Deutschland wenig Sendezeit im Fernsehen, möchten Sie ein kurzes Plädoyer für den Volleyball und seine Fernsehtauglichkeit halten?

Kozuch: Mir macht es natürlich unglaublich Spaß, Volleyball zu gucken, weil ich - wie auch die meisten Leute, die ich kenne - einfach volleyballverrückt bin. Wir waren in Polen zwischendurch unterwegs und lernten andere Sportler kennen, die sagten, dass sie sehr gerne Volleyball gucken und es schade finden, dass von der EM so wenig übertragen wird und dass Volleyball ein interessanter Sport sei. Gut, die Regeln sind etwas kompliziert, aber die könnte man ja erstmal erklären.

SPOX: Sie mussten fünf Stunden nach Ihrem letzten EM-Spiel in der Nacht mit dem Bus zurück nach Deutschland fahren. Eine weitere Übernachtung oder einen Flug konnte der DVV nicht zahlen. Sind Sie neidisch auf andere Sportler?

Kozuch: Wir hatten dieses Jahr - aus Versehen - einmal einen Business-Flug. Das ist schon was anderes. Ich hoffe, dass jetzt Sponsoren auf uns aufmerksam werden, die uns unterstützen wollen. Es wäre schon angenehm, wenn man auf zum Beispiel auf einer Asienreise etwas mehr Komfort und Platz hätte. Wir sind ja alle auch so groß (lacht). Abgesehen davon muss ich zu der Heimreise sagen: Wir waren nach dem Spiel noch etwas essen und trinken und haben uns dann entschieden, dass wir direkt nach Hause fahren, da einige schon bald zu ihren Vereinen mussten und noch möglichst viel Zeit zu Hause verbringen wollten.

Hier geht's weiter mit dem zweiten Teil des Interviews

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