"Dann fress ich halt meinen Sombrero"

Von SPOX
Mittwoch, 11.03.2009 | 12:20 Uhr
Nur Carl Lewis sprang in der Halle weiter als Sebastian Bayer
© Getty

Kaum zu glauben - die 8,71 Meter von Weitspringer Sebastian Bayer. Während ganz Deutschland die Traum-Weite des frischgebackenen Europarekordlers BEwundert, ist der Vorsitzende des spanischen Leichtathletikverbandes, Jose Maria Odriozola, eher VERwundert.

Wenn bei der Weitenmessung tatsächlich alles mit rechten Dingen zugegangen sei, "dann fresse ich halt meinen Sombrero", sagte Odriozola. Er selbst glaube aber eher an einen Messfehler des etwas betagteren Kampfrichters.

"Das war keiner dieser Sprünge, bei denen du sagst: 'Das waren bestimmt 8,71m.'" Odriozola will nach eigenen Angaben auf Höhe der Sprunggrube gesessen haben und seine "subjektiver Eindruck" sei ein anderer gewesen. "8.50 Meter wären ja immer noch eine irre Weite", sagte er.

DLV zweigt Verständnis für Zweifler

Das deutsche Lager nimmt die Zweifel des spanischen Ex-Athleten gelassen. "Sebastian ist ja in eine neue Dimension gesprungen. Klar, dass das angezweifelt wird", zeigte Bundestrainer Uwe Florczak Verständnis.

Ein Grund warum Odriozola den neuen Europarekord anzweifeln möchte, liegt jedoch auf der Hand: Schließlich entthronte Bayer mit seinem Riesensatz den bisherigen Rekordhalter Yago Lamela (8,56 m), Odriozolas Landsmann.

Messfehler kein Einzelfall

Andererseits wäre eine Fehlmessung beileibe kein Einzelfall. So wurde beispielsweise bei der Hallen-EM 2005 in Madrid ein Sprung der Deutschen Bianca Kappler mit 6,96 Metern gemessen. Die Athletin selbst hatte unmittelbar nach dem Sprung die Kampfrichter jedoch darauf hingewiesen, gar nicht so weit springen zu können.

Eine Analyse der Videobilder bewies anschließend Kapplers Vermutung eines Messfehlers.

"8,50 wären auch schon toll"

Für Weitsprung-Chef-Trainer Herbert Czingon spielt die exakte Weite seines Schützlings jedoch keine Rolle. "8,50 m wären zwar nicht so milchstraßenmäßig-galaktisch wie die 8,71 Meter, aber sie würden ihre Funktion als ganz große Ermutigung für die deutsche Leichtathletik noch immer erfüllen."

Der entthronte Ex-Europarekordler Lamela teilt im Übrigen die Zweifel seines Verbandschefs nicht, sondern freute sich über Bayers Ausnahmeleistung:

"Ich freue mich, dass ein Europäer so sehr von sich reden macht und nicht wieder ein Amerikaner oder ein Kubaner", fügte aber hinzu: "Mit Blick auf die WM in Berlin sind die 8,71 Meter ein enormer Druck. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er die Weite jemals noch mal erreicht."

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