Dienstag, 22.01.2008

Australian Open

Scharapowa deklassiert Henin

Melbourne - Maria Scharapowa hat im Viertelfinale für einen Paukenschlag gesorgt und sich zur absoluten Top-Favoritien gemausert.

Maria Sharapova
© Getty

Die Russin fegte die Weltranglisten-Erste Justin Henin mit 6:4 und 6:0 vom Platz und steht zum vierten Mal nacheinander in Melbourne im Halbfinale. Für die Belgierin Henin war es die dritte Niederlage im neunten Vergleich mit Scharapowa. Scharapowa war Henin in allen Belangen überlegen und brachte es auf 30 Winner, während die Belgierin nur deren elf zustande brachte.

"Es ist fantastisch, wenn du auf dem Court stehst und spürst, dass du praktisch immer das Richtige tust. Ich war heute irgendwie in meiner eigenen Welt", sagte Scharapowa. Tatsächlich hatte die 1,67 Meter große Henin mit ihrem variablen und trickreichen Spiel im ersten Abendmatch auf dem Center Court keine Chance gegen das druckvolle Power-Tennis der 1,88 Meter großen Scharapowa.

Die glamouröse Russin spielte teilweise Katz und Maus mit der zuvor in 32 Matches unbesiegten Wallonin und fügte Henin die erste Niederlage seit dem Halbfinal-Aus in Wimbledon im Juli 2007 zu. "Sie hat alles besser gemacht als ich. Es war heute ihr Tag und wahrscheinlich ist es auch ihr Turnier", sagte die 25-jährige Henin nach der Demontage.

Williams ohne Chance

Die Überraschungssiegerin vom vergangenen Jahr war die Überraschungsverliererin in diesem Jahr. Serena Williams hat sich nach einer unerwartet klaren 3:6, 4:6-Niederlage gegen die Serbin Jelena Jankovic im Viertelfinale der Australian Open verabschiedet.

"Es hat mich verrückt gemacht, wie ich heute gespielt habe", sagte die Australian-Open-Siegerin von 2003, 2005 und 2007, nachdem sie bis dahin ohne Satzverlust durch das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres gekommen war. Doch gegen die Nummer drei der Setzliste gelang Serena Williams vor den Augen ihrer älteren Schwester Venus, die in einem weiteren amerikanisch-serbischen Duell gegen Ana Ivanovic die Chance auf das Halbfinale hatte, fast nichts.

Zu viele Fehler

"Ich habe so viele Fehler gemacht, oh mein Gott", sagte die ehemalige Weltranglisten-Erste. Die pinkfarbene Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen, geschmückt mit riesiger Halskette und überdimensionalen Ohrringen, empfand sie diesen Teil des Abends als lästige Pflichterfüllung.

 "Ich habe gedacht, dass ich hier besser abschneiden würde als Viertelfinale. Aber da habe ich mich wohl getäuscht, kann ja nicht immer recht haben", sagte Serena Williams. Kurz zuvor war sie auch im Doppel mit Schwester Venus an den Chinesinnen Yan Zi und Zheng Jie gescheitert.

Ausraster ohne Wirkung

Gegen Jankovic half kein Outfit-Wechsel, kein Schlägerwerfen und keine Verletzungspause. Mitte des ersten Satzes schmiss die exzentrische Amerikanerin ihr pinkfarbenes Stirnband zur Seite und ersetzte es durch eine Mütze. Nach ihrem Aufschlagverlust zum 1:3 im zweiten Satz zertrümmerte sie ihr Racket auf dem blauen Bodenbelag.

Beim Stand von 2:3 nahmen sich beide Spielerinnen eine Auszeit. Serena Williams machte eine Blase am Fuß zu schaffen, Jankovic litt unter Oberschenkelproblemen. Doch nach 99 Minuten verwandelte die 22-Jährige ihren ersten Matchball und steht damit zum ersten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale der Australian Open. Im Kampf um den Einzug ins Endspiel trifft die 22-Jährige auf die Russin Maria Scharapowa.

Nadal vernichtet Nieminen

Anschließend erteilte der Weltranglisten-Zweite Rafael Nadal dem Kohlschreiber-Bezwinger Jarkko Nieminen eine Lehrstunde auf dem Center Court. In 2:19 Stunden entschied der dreimalige French-Open-Champion das Duell der Linkshänder gegen den Finnen mit 7:5, 6:3, 6:1 für sich und erreichte ohne Satzverlust ebenfalls erstmals das Halbfinale in Melbourne.

Dort spielt er gegen Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich, der gegen den Russen Michail Juschni 7:5, 6:0, 7:6 (8:6) gewann und erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier im Halbfinale steht.

"Jetzt will ich auch am Sonntag im Finale stehen", sagte der "Sandplatz-König", der zum Saisonauftakt auch auf Hardcourt in bestechender Verfassung ist. "Wenn ich gut spiele, ist der Belag egal", so der Mallorquiner.


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