Handball

DHB-Gegner im Check: Dann könnte es schon gegen Island eng werden

Aron Palmarsson ist der Superstar im Team Islands.
© getty

Deutschland startet mit einer sehr guten Ausgangslage in die WM-Hauptrunde in Köln, jetzt warten mit Kroatien und Spanien aber zwei echte Schwergewichte und dazu ein gefährliches Team aus Island.

Worauf gilt es zu achten? Welche Spieler stehen im Fokus? SPOX hat die kommenden DHB-Gegner während der Vorrunde in München beobachtet. Eine Analyse.

Island (0:4-Punkte, 52:63-Tore - DHB vs. Island, 20.30 Uhr im LIVETICKER)

So lief die Vorrunde: Der Vorrunden-Spielplan meinte es nicht gut mit Island. In den ersten beiden Spielen ging es gleich gegen die Powerhouses Kroatien und Spanien, ein 0:4-Start war quasi vorgezeichnet. Aber: Island präsentierte sich vor allem in einem überragenden Auftaktspiel gegen Kroatien stark und lag sogar neun Minuten vor dem Ende noch vorne, ehe die Kroaten das Spiel in der Schlussphase auf ihre Seite zogen (31:27).

Nach einer klaren Niederlage gegen Spanien (25:32) erledigte Island die Pflichtaufgaben gegen Bahrain (36:18) und Japan souverän (25:21), auch wenn man sich gegen das Team von Dagur Sigurdssson phasenweise durchaus schwer tat. Im Endspiel um Platz drei in der Gruppe fighteten die Isis Mazedonien um Kiril Lazarov dank einer starken zweiten Halbzeit nieder (24:22) und lösten so verdient das Hauptrunden-Ticket.

Die bisherigen Erkenntnisse: Das Team von Coach Gudmundur Gudmundsson befindet sich im Umbruch. Viele junge Spieler bestreiten ihr erstes großes Turnier, es wird von einem 3-Jahres-Plan gesprochen.

Superstar Aron Palmarsson (FC Barcelona) führt das Team als Captain an, war gegen Kroatien (7 Tore) und in der Anfangsphase gegen Spanien absolut überragend, ehe er im restlichen Verlauf der Vorrunde im Abschluss etwas schwächelte (19 Tore nach der Vorrunde/59 Prozent Quote). Aber: Wenn es wichtig wurde, konnte sich Gudmundsson auf Palmarssons Regie (17 Assists) verlassen. Ein wichtiges Tor erzielen, einen entscheidenden Siebenmeter rausholen - es läuft gerade in der Crunchtime natürlich so gut wie alles über den ehemaligen Kieler.

Einen herausragenden Eindruck hinterlässt bislang Arnor Thor Gunnarsson. Der Rechtsaußen vom Bergischen HC steht in der Torjägerliste der WM aktuell mit 31 Toren gemeinsam mit Uwe Gensheimer auf Rang zwei, nur Dänen-Superstar Mikkel Hansen traf öfter (35). Gunnarssons Quote (84 Prozent) ist sogar noch etwas besser als die von Gensheimer (76 Prozent), als erster Siebenmeter-Schütze ist er zudem auch eine ziemlich sichere Bank (12/15). Mazedonien schoss Gunnarsson mit 10 Treffern praktisch im Alleingang ab.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist Torhüter Bjorgvin Pall Gustavsson, der sich nach schwachem Start ins Turnier steigern konnte (35 Prozent gehaltene Bälle nach der Vorrunde) und schon sieben Siebenmeter parieren konnte. Also aufgepasst, Uwe Gensheimer!

Island ist ein gefährlicher Gegner. Erwischt Palmarsson einen der Tage, an dem er einfach mal alles ins Tor hämmert und ein Spiel alleine gewinnt, könnte es brenzlig werden. Aber ganz klar: Gegen Island muss das deutsche Team zum Start in die Hauptrunde gewinnen, wenn der Zug Richtung Halbfinale weiterfahren soll. Es ist für Deutschland perfekt, mit einem Spiel gegen den schwächsten Hauptrunden-Gegner starten und sich so für die Schlachten gegen Kroatien und Spanien in eine Top-Position bringen zu können.

Player to watch: Gisli Thorgeir Kristjansson (THW Kiel). Der 19-Jährige ist ein kommender Star, ein Spielmacher der Zukunft im Welthandball, sonst hätte der THW den Sohn von Legende Kristjan Arason nicht verpflichtet. Dabei hätte sich Kristjansson auch für Fußball entscheiden können, bis zur U17 war er auch dort Nationalspieler.

Kristjanssons Ausbeute in der Vorrunde (nur 4 Tore/36 Prozent Quote) war im Abschluss nicht besonders, sein Spiel ist naturgemäß noch etwas wild, aber wenn er neben seinem Idol Palmarsson auf der Platte steht, ist Island eindeutig am gefährlichsten. Kristjanssons Auge zeigen seine 13 Assists, damit hat er genauso viele Vorlagen auf dem Konto wie Deutschlands bester Mann in dieser Kategorie (Fabian Wiede).

"Es ist ein Traum, jetzt in Deutschland vor so vielen Fans gegen Deutschland spielen zu dürfen. Ich weiß noch, wie ich 2007 als kleiner Junge in Island vor dem Fernseher saß und Mimi Kraus und Co. gesehen habe. Das war unglaublich. Warum sollen wir Deutschland nicht ärgern können? Wenn wir unseren besten Tag erwischen, ist alles möglich", sagt Kristjansson im Gespräch mit SPOX.

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