DHB-Präsident Andreas Michelmann im Interview

"Dagur hat unglaubliches Rückgrat bewiesen"

Mittwoch, 02.11.2016 | 12:50 Uhr
Präsident Andreas Michelmann (l.) und Bundestrainer Dagur Sigurdsson sind zwei der Säulen des DHB
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SPOX: Ihnen geht es um den Sport an sich, was man längst nicht von allen Funktionären behaupten kann. IOC, FIFA, DFB - alle möglichen Sportverbände geben in den letzten Monaten und Jahren ein desaströses Bild ab. Man hat das Gefühl, dass viele Funktionäre den Sport als Kuh verstehen, die es zu melken gilt, bis nichts mehr herauskommt. Wie gefährlich ist diese Entwicklung für den Sport insgesamt?

Michelmann: Es gibt meiner Meinung nach zwei gefährliche Entwicklungen. Erstens das, was Sie gerade eben beschrieben haben. Und zweitens, die Situation fast nur noch so zu beschreiben, wie Sie es getan haben. Wir tun damit vielen Menschen unrecht, die ehrenamtliche Arbeit im Sinne des Sports leisten. Es gibt in Deutschland aber Tausende von Menschen, die ehrenamtlich arbeiten und mit ihrer Selbstausbeutung den Sport in Deutschland überhaupt erst möglich machen.

SPOX: Und international gesehen?

Michelmann: International brauchen wir auch in großen Verbänden Demokratie und Rechtsstaat. Viele machen es sich zu einfach. Die stimmen ab, da kommt dann ein Ergebnis von 96:35 Stimmen heraus und dann ist die Sache durch. Stellen Sie sich vor, unsere Demokratie würde sich darauf beschränken. Dann hätten wir chaotische Zustände. Wir brauchen ein System, in dem es natürlich um Mehrheiten geht. Aber die Verbände brauchen klare Regularien für sich selbst, die Korruption genauso ausschließen wie Doping. Bei aller kritischer Begleitung von Journalisten, die ohne Zweifel sein muss, wünsche ich mir manchmal auch etwas mehr Unterstützung von den Medien, um den Prozess hinzubekommen.

SPOX: Trotzdem sei mir noch eine Frage gestattet, weil auch der Handball-Weltverband mit Hassan Moustafa einen Präsidenten hat, der teilweise als dubiose Person wahrgenommen werden muss. Welchen Eindruck haben Sie vom ägyptischen Handball-Oberhaupt?

Michelmann: Ich kenne ihn noch nicht so lange. Trotzdem sage ich es Ihnen ganz ehrlich, so wie ich es sehe. Zunächst einmal haben wir eine emotionale Verbindung oder einen Bezug dadurch, dass wir beide in Leipzig studiert haben. Das ist ja nicht verboten. Was gelaufen ist, bevor ich DHB-Präsident wurde, weiß ich nicht genau. Mir fällt jedenfalls aus eigener Erfahrung nichts ein, wo ich sagen könnte, dass Hassan Moustafa korrupt gewesen sei, um es mal auf den Punkt zu bringen. Er ist uns gegenüber immer sehr fair bis freundschaftlich. Und in den Punkten, in denen wir anderer Meinung sind, sagen wir ihm das auch. Wir sind dankbar, dass wir die Wildcard für die WM in Katar bekommen haben, so wie sie Norwegen nun für die WM in Frankreich erhalten hat. Als wir Deutschen diese Wildcard bekamen, haben einige gleich ein Geschmäckle gewittert. Bei den Norwegern war das seltsamerweise anders.

SPOX: Eine Wildcard für eine WM ist doch aber grundsätzlich wie ein Fußtritt für den Sport. Wie können Sie das gut finden?

Michelmann: Grundsätzlich haben Sie ja Recht. Deswegen waren wir froh, dass wir die Quali für die EM in Polen aus eigener Kraft geschafft haben und uns darüber - auch ohne Wildcard - für Olympia qualifiziert haben. Und bei der WM in Frankreich sind wir ebenfalls ohne Wildcard mit dabei.

SPOX: Daran hat Bundestrainer Sigurdsson einen großen Anteil. Was auffällt ist, dass er sich bei allen seinen bisherigen drei Turnieren in Katar, Polen und Rio überhaupt nicht verändert hat. Er wirkt distanziert geradlinig, ohne dabei unfreundlich zu sein. Warum kommt er so gut beim Team an?

Michelmann: Für mich ist Dagur Sigurdsson einer der weltbesten Trainer überhaupt. Er ist fachlich kompetent und kann sich über eine wahnsinnig lange Zeit hinweg konzentrieren. In diesem Jahr musste er die Mannschaft zu Olympia noch einmal innerhalb von wenigen Monaten ändern im Vergleich zur EM. Er musste Spieler wieder rausnehmen, die sich aufgrund der Verletzungsmisere in Polen beweisen konnten. Da hat er großen Mut bewiesen. Egal wie schwierig Entscheidungen sind, Dagur sitzt sie nicht aus, sondern trifft sie. Er hat unglaubliches Rückgrat bewiesen, das ist schon beeindruckend.

SPOX: Vor allem behandelt er die Spieler ehrlich und gerecht.

Michelmann: Gerecht ist genau das richtige Wort. Die Spieler empfinden Dagurs Entscheidungen als in sich logisch. Erinnern wir uns beispielsweise an Silvio Heinevetter, der nicht mit nach Polen durfte. Da gab es keine Diskussion und keinen Kommentar von Heinevetter, was mancher nicht erwartet hatte. Oder Carsten Lichtlein, der bei Olympia nur Ersatzmann war. Auch er hat das beeindruckend tapfer ertragen. Das alles zeigt doch, dass die Spieler Dagurs Entscheidungen total respektieren.

SPOX: Wie sehen Sie den möglichen Verlust Ihres Erfolgstrainers im kommenden Sommer?

Michelmann: Wir sind in Gesprächen. Noch ist keine Entscheidung gefallen, aber beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Sollte sich Dagur nach der WM 2017 einer neuen Aufgabe zuwenden, sehe ich den Deutschen Handballbund auch dank seiner Arbeit für die Zukunft gut aufgestellt.

Ferner Osten oder Stadt der Liebe, Dagur?

SPOX: Mit Michael Biegler konnte der DHB einen weiteren echten Typen verpflichten. Als Beagle Frauen-Bundestrainer wurde, konnte sich manch einer ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ganz nach dem Motto: Da können sich die Mädels aber warm anziehen.

Michelmann: Die Philosophie des Trainerteams ist von Respekt und hohen Anforderungen geprägt, die dem Männer-Handball sehr nahe kommen. Damit kommen die Frauen gut klar. Das merkt man an der Stimmung im Team und auch daran, dass alle sehr gerne zur Nationalmannschaft kommen. Ich weiß natürlich, was Sie meinen: Michael Biegler wird als etwas knorriger Typ empfunden. Man tut ihm damit unrecht, er ist sensibler als es scheint. Gleichzeitig ist er sehr konsequent. Und diese Konsequenz haben die Frauen in der Vergangenheit vermisst.

SPOX: Bieglers Auftrag ist klar: Er soll mit dem Team bei der Heim-WM im Dezember 2017 ein erfolgreiches Turnier absolvieren. Hanning meinte, dass man die Tür für die Frauen zu machen könne, wenn das sportlich wieder schief laufen sollte. Warum hat er derart drastische Worte gewählt?

Michelmann: Bob ist beim DHB nicht nur für den Leistungssport zuständig, sondern auch dafür, immer mal wieder den Finger in die Wunde zu legen. Diese Worte waren sicherlich als Ansporn gedacht, was die WM im sportlichen Bereich anbelangt. Wir sind organisatorisch auf einem guten Weg und haben die Weichen sportlich so gut gestellt, wie wir es konnten. Deshalb bin ich jetzt optimistischer, als ich es noch vor einem Jahr war.

SPOX: Inwiefern spielt in den Planungen für die Frauen-WM auch schon die Männer-WM 2019 eine Rolle?

Michelmann: Wir haben für 2017 und 2019 zwei nahezu identische WM-OKs. Natürlich laufen auch die Vorbereitungen für 2019 bereits. Da wir WM dann gemeinsam mit Dänemark veranstalten, ist da jetzt schon viel Kommunikation erforderlich.

Alles zum Handball

Seite 1: Michelmann über Storm, Kritik am CL-Modus und die HBL

Seite 2: Michelmann über Hanning, einen Sandkasten und Flüchtlinge

Seite 3: Michelmann über Funktionäre, Sigurdsson und Biegler

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