Stefan Lövgren im Interview

"Nur die Revanche im Kopf"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Freitag, 29.05.2009 | 10:38 Uhr
Nach zehn Jahren verabschiedet sich Kapitän Stefan Lövgren am Ende der Saison vom THW Kiel
© Getty
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Der THW Kiel hat am Wochenende die Chance, mit einem Sieg über Ciudad Real die Champions League zu gewinnen. Nach dem 39:34-Hinspielsieg zu Hause muss Kiel in Spanien den Vorsprung verteidigen. Ein Champions-League-Sieg wäre die Revanche für die Final-Pleite gegen Ciudad Real im letzten Jahr, und außerdem ein würdiger Abschied für Stefan Lövgren.

Die Kieler Legende beendet im Alter von 38 Jahren seine Karriere beim THW und kehrt in seine Heimat nach Schweden zurück.

Vor dem entscheidenden Rückspiel sprach SPOX mit dem Rückraumspieler über den krönenden Abschluss, die Zukunft des Vereins und die nervige Manipulationsaffäre.

SPOX: Herr Lövgren, nach dem Finale gegen Ciudad stehen ja leider noch zwei Partien an: Gegen Essen und Flensburg. Hätten Sie sich nicht gewünscht, die Champions League sozusagen als krönenden Abschluss zu feiern?

Stefan Lövgren: Das kann man sich ja nicht aussuchen. Das ist mir auch egal. Ich finde es sogar schön, dass ich mein letztes Spiel in der Ostseehalle machen darf. Mit einem Heimspiel abzutreten, ist doch wunderbar.

SPOX: Statistisch gesehen war es ja noch mal ein richtig gutes Jahr für Sie. Warum ist es trotzdem der richtige Zeitpunkt, um jetzt abzutreten?

Lövgren: Zunächst mal bin ich bald 39 Jahre alt, da macht der Körper nicht mehr mit. Fünfzehn Minuten pro Halbzeit sind vielleicht noch drin, aber auf Dauer kann man auf diesem Niveau nicht mehr mithalten. Zudem habe ich jetzt auch Lust und die Perspektive, in Schweden etwas anderes zu machen. Da kommt halt eins zum anderen, und deshalb passt es jetzt ganz gut.

SPOX: Ich weiß, dass Sie nicht gerne darüber sprechen. Trotzdem muss ich fragen, ob es nicht schade ist, dass die Manipulationsaffäre Ihre Abschiedssaison ein wenig überschattet?

Lövgren: Natürlich, ohne diese Geschichte wäre mir wohler gewesen. Aber man kann es nun mal nicht ändern, und ich kann ja nichts dafür. Aber ich bin mehr als stolz, was für eine tolle sportliche Antwort die Mannschaft gegeben hat. Das ist für mich das Wichtigste.

SPOX: Dass sich diese Geschichte irgendwann auf das Sportliche auswirken könnte, befürchten Sie also nicht?

Lövgren: Es ist nicht meine Aufgabe, darüber nachzudenken. Bisher sind es nur Vorwürfe und Gerüchte. Ich habe keine Lust, mich an den Spekulationen zu beteiligen.

SPOX: Dann sprechen wir doch über das Rückspiel im Champions-League-Finale. Sie kennen die Halle von Ciudad Real ja schon aus den vergangenen Jahren. Wie ist es, dort zu spielen?

Lövgren: Sehr schön. Die Fans machen richtig Lärm, die haben immer eine volle Halle mit toller Stimmung, genauso wie wir hier in Kiel. Natürlich sind die Zuschauer gegen uns, aber es macht trotzdem Spaß, diese wichtigen Spiele vor solch einer Kulisse zu bestreiten.

SPOX: Das Hinspiel hat Kiel mit fünf Toren Vorsprung gewonnen: Einfach nur ein gutes Ergebnis oder sehen Sie darin auch eine Gefahr?

Lövgren: Ja, man kann beides sagen. Einerseits stand es zweieinhalb Minuten vor Schluss noch Unentschieden, deshalb ist es schon toll, dann noch mit fünf Toren gewonnen zu haben. Andererseits hat Ciudad auswärts 34 Tore gemacht, deshalb kann man getrost sagen, dass wir nur mit vier Toren gewonnen haben. Denn dass wir auswärts auch so viele Tore machen, davon kann man nicht ausgehen. Wir glauben aber sicher nicht, dass wir schon durch sind. Jetzt kommt sozusagen die zweite Hälfte.

SPOX: Glauben Sie denn, dass Sie nach dem tollen Lauf zum Spielende jetzt den psychologischen Vorteil auf Ihrer Seite haben?

Lövgren: Keine Frage, für uns war es sicherlich besser als für die (lacht).

SPOX: Kiel hat schon im letzten Jahr im Finale einen Vorsprung gegen Ciudad verspielt. Hat man das noch im Hinterkopf?

Lövgren: Wir haben nur im Hinterkopf, dass wir uns revanchieren wollen. Es ist doch klar, dass man gegen eine solche Top-Mannschaft ganz schnell hinten liegen kann. Wir haben doch im Hinspiel im positiven Sinne gesehen, wie schnell das gehen kann. Da muss man sicher aufpassen.

SPOX: Haben Sie schon mal im Kopf durchgespielt, wie das Rückspiel ablaufen wird? Wie es Ihnen im Falle einer Niederlage oder eines Sieges gehen würde?

Lövgren: Im Moment sind wir noch dabei, dass Hinspiel zu analysieren. Wir versuchen noch, uns taktisch auf den Gegner einzustellen. Alles andere warte ich in aller Ruhe ab.

SPOX: Mit Filip Jicha hat Kiel in diesem Jahr den Top-Torjäger der Champions League in seinen Reihen (98 Tore). Der Schlüsselspieler für den THW im Rückspiel?

Lövgren: Jeder muss 100 Prozent zeigen. In so einem Spiel können wir uns nicht nur auf Filip verlassen. Da reicht es nicht einmal, wenn fünf oder sechs Spieler voll da sind. Jeder Einzelne muss sein Bestes zeigen.

SPOX: Auf der anderen Seite hat Ciudad keinen Topscorer in seinen Reihen. Jonas Källmann mit 70 Treffern ist da noch der beste.

Lövgren: Genau das meine ich ja. Die sind so ausgeglichen und haben so einen tollen Kader, da kann man sich nicht nur auf einen konzentrieren. Wenn man es schafft, die erste oder zweite Anspielstation auszuschalten, dann macht halt der dritte Mann das Tor. Das ist schon schön, wenn man so viele Optionen hat.

SPOX: Wer tritt eigentlich in Ihre Fußstapfen, wenn Sie nicht mehr in Kiel spielen?

Lövgren: Da gibt es mehrere Kandidaten. Zum einen Börge Lund, und auch Filip Jicha hat einen riesigen Schritt gemacht.

SPOX: Dass es mit Kiel auch nach Ihnen gut weitergeht, darüber machen Sie sich also keine Sorgen?

Lövgren: Überhaupt nicht. Es haben vor mir schon andere gute Spieler den Verein verlassen und trotzdem ging es weiter. So ein Handballklub entwickelt sich doch ständig weiter. Wenn einer geht, rückt ein anderer nach und bekommt seine Chance.

Champions-League-Finale: Fünf-Tore-Polster muss reichen

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