Handball, THW Kiel, Alfred Gislason
© Getty

THW Kiel nach der Blamage

Donnerstag, 04. September 2008

"Es kann nur besser werden"

Meister THW Kiel leckt nach dem überraschenden Fehlstart gegen Aufsteiger TSV Dormagen (28:28) seine Wunden.

Entsetzt hatten die 10.250 Zuschauer die Sparkassen-Arena verlassen, auch die Verantwortlichen des 14-maligen deutschen Rekordmeisters wollten nicht so recht glauben, was sie zuvor auf dem Parkett gesehen hatten: ein Team ohne Linie und Biss.

Trainer nimmt Spieler in Schutz

"Wir haben mehr mit uns als mit dem Gegner gekämpft", zürnte Trainer Alfred Gislason, der sich als Nachfolger des entlassenen Erfolgstrainers Zvonimir Serdarusic einen anderen Einstand gewünscht hätte.

Der Isländer nahm sich selbst in Haftung: "Die Jungs wirkten müde, das nehme ich auf meine Kappe."

Drei Tage zuvor hatten die Kieler im Spiel um den DHB-Supercup noch Vizemeister HSV Hamburg (33:28) in die Schranken gewiesen, diesmal wurden sie von einem Aufsteiger genarrt.

"Kann nur besser werden"

"Wir haben nie unseren roten Faden gefunden, haben kein Tempo gemacht", grollte THW-Manager Uwe Schwenker. "Das einzig Positive ist: Es kann nur besser werden."

Nur am Fehlen von Welthandballer Nikola Karabatic, der wegen einer Unterarmverletzung den gesamten September pausieren muss, kann das kollektive Rumpelspiel nicht gelegen haben.

Dass der Rivale unterschätzt wurde und es an der richtigen Einstellung mangelte, wollte Schwenker nicht bestätigen.

Aufgefallen sei ihm jedoch, dass bereits während des olympischen Turniers in Peking das Niveau "schon nicht sehr hoch war" und der THW zum Bundesligastart das "Tempospiel der vergangenen Saison bei weitem noch nicht erreicht hat". Der prall gefüllte Terminkalender der Handballer fordert offenbar seinen Tribut.

Erinnerungen an 2006

Als der misslungene Auftakt unter der Rubrik Betriebsunfall abgehakt worden war, erinnerte sich Schwenker eines ähnlichen Sündenfalls.

Zwei Jahre zuvor waren die Kieler ebenfalls mit einem Heim-Remis in die neue Saison gestartet (26:26 gegen TV Großwallstadt).

"Zum Schluss haben wir das Triple geholt", meinte der Manager trotzig. Wenn nach dem erneuten Fehlstart am Ende dieser Saison wieder die Titel in Meisterschaft, DHB-Pokal und Champions League eingefahren werden, findet der Fehltritt gegen Dormagen lediglich als spaßige Randnotiz Eingang in die Annalen.

Auch Konkurrenz mit Mühe

Glanzlos sind auch die Mitfavoriten HSV Hamburg und Rhein-Neckar Löwen in die Saison gestartet. "Zur Zeit kommen wir über die individuelle Klasse", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb nach dem 30:27 gegen die HSG Wetzlar und kritisierte damit das unzureichende Mannschaftsspiel.

Die Löwen mühten sich zu einem 33:32 gegen den TV Großwallstadt. "Wir haben noch nicht unseren Rhythmus gefunden", klagte Rechtsaußen Jan Filip.

Einzig die SG Flensburg-Handewitt war mit dem 33:26 gegen den HBW Balingen-Weilstetten zufrieden. "Wir haben heute der Bundesliga gezeigt, dass wir bereit sind und angreifen wollen", verkündete Sportdirektor Anders Dahl-Nielsen.

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