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Golf - SPOX-Par-10 zum Ryder Cup 2018: Drive the bus, Tiger!

Drive the bus, Tiger!
© getty

6. Der entscheidende Putt des Ryder Cups

Ja, es war eine Klatsche für Team USA, aber wir dürfen nicht vergessen, wie kritisch der Beginn für die Europäer war. Es stand 0:3, als Tommy Fleetwood und Francesco Molinari in ihrem Match gegen Tiger Woods und Patrick Reed auf die 16 gingen und genau wussten, dass wenigstens sie das jetzt zwingend gewinnen müssen.

Fleetwood lochte einen überragenden Birdie-Putt zum mega-wichtigen Lochgewinn, ging in die Hocke und setzte zum ersten ganz großen emotionalen Ausbruch an. Mein Gott, war dieser Putt wichtig. Fleetwood/Molinari brachten den ersten Punkt für Europa aufs Scoreboard und hauchten dem Team genau im richtigen Moment Leben ein. Denn Fleetwoods Putt war letztlich der Startschuss für den Momentum bildenden 4-0-Whitewash in den Foursomes am Nachmittag.

5. Der Star heißt auch Le Golf National

Viel wurde im Vorfeld darüber diskutiert, wie groß der Heimvorteil für Europa sein würde. Er war wie erwartet gigantisch groß. Spielte Hazeltine mit seinen breiten Fairways den Amis noch in die Karten, war es jetzt im Le Golf National genau andersherum. Präzision war gefragt angesichts wirklich enger Fairways und der Tatsache, dass du einfach tot bist, wenn du hier links oder rechts im Heu liegst (oder eben im Wasser).

Da kann man noch so viel vom besten US-Team aller Zeiten sprechen mit 11 der Top 17 der Welt im Team, wenn man zu viele wilde Jungs im Team hat, die dieses Golf nicht gewöhnt sind und den Platz entweder gar nicht oder mindestens viel schlechter kennen als ihre Gegner, dann wird es schwierig. Gerade in den Foursomes des ersten Tages wurden die Qualitätsunterschiede im Ballstriking unfassbar deutlich (17 up war Europa in dieser Session in tutto).

Fairerweise muss man anerkennen, dass niemand im US-Team Kritik am toughen Setup übte, sondern alle voll des Lobes für einen überragenden Kurs waren, den sie in dieser Woche einfach deutlich schlechter spielten als die Europäer. Insgesamt präsentierte sich Le Golf National als herausragender Gastgeber. Nicht nur, dass der Platz überragend ist, er bietet auch den Fans dank seiner Stadion-Atmosphäre quasi überall perfekte Möglichkeiten, das Geschehen an mehreren Löchern zu verfolgen. Note 1 für Le Golf National.

4. Der Stunk um Captain America

Ja, Jim Furyk hat das Captain-Duell gegen Thomas Björn verloren. Und zwar eindeutig. Punkt 1: Phil Mickelson am ersten Tag in den Foursomes einzusetzen, kam quasi einem abgeschenkten Punkt gleich. Punkt 2: Das Hammer-Duo Patrick Reed und Jordan Spieth aufzulösen, war eine desaströse Entscheidung, die einen Riss im Team offenbarte. Furyk gab als Erklärung an, er wollte aus einem überragenden Duo zwei machen und hoffte, dass Tiger Woods auch ein perfekter Partner für Reed sein könnte. Der Plan ging aber voll in die Hose.

Wenn man den Aussagen von Reed in einem Telefon-Interview mit der New York Times glaubt, dann war es wirklich so, dass Spieth nicht mehr mit Reed spielen wollte, sondern mit Kumpel Justin Thomas. Reed wurde offensichtlich davon komplett überrascht und prangerte ein "Buddy-System" an. Außerdem sei es angesichts seiner Ryder-Cup-Historie nicht sehr klug gewesen, ihn zweimal auf die Bank zu setzen in den Sessions, so Captain America. Reed hat in Paris teilweise grottig gespielt, keine Frage, aber da hat er trotzdem Recht. Man muss sich schon die Frage stellen, ob Furyk (und ein Buddy-Club aus wenigen Spielern) den wichtigsten Eckpfeiler des Teams schon im Vorfeld zerstört hat.

Außerdem müssen insgesamt die Wildcards thematisiert werden. Tiger und Phil holten nicht einen einzigen Punkt und Bryson Dechambeau, vor Wochen noch der heißeste Spieler auf dem Planeten, wurde in Paris zu Bryson DeShambles, weil er an den ersten beiden Tagen mit Tiger und Phil spielen musste und für die ersten Neun zusammengerechnet 12 down lag! 12 down!

Dass er am Ende noch sein Match gegen Alex Noren auf der 18 verlor, nachdem alles schon längst entschieden war, passte für DeChambeau ins Bild. Der einzige Pick, der einigermaßen aufging, war Tony Finau. Furyk wurde von seinen Spielern - trotz Buddy-Club - im Stich gelassen (abgesehen von Justin Thomas, phasenweise Jordan Spieth und dem bärenstarken Webb Simpson), so muss er sich auch noch mehr fragen lassen, ob er Mickelson nicht hätte sagen müssen, dass er ihn nicht als Wildcard, sondern lieber als Vice Captain mitnehmen will, weil er für diesen Platz einfach eher einen Xander Schauffele oder Kevin Kisner noch im Team gebrauchen kann. Auf der anderen Seite schoss Mickelson kurz vor der Vergabe noch eine 63. Konnte Furyk ahnen, dass Phil danach plötzlich keine Kugel mehr trifft?

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