Golf

"I am such an Idiot!"

Von Florian Regelmann
Und er kann es bis heute nicht fassen, was er da gemacht hat... Phil Mickelson 2006 in Winged Foot
© Getty

Im Congressional Country Club in Bethesda/Maryland findet in dieser Woche die 111. US Open statt. Zeit, um auf unglaubliche Storys zurückzublicken. Hier kommen 10 der unfassbarsten US-Open-Geschichten! Mit dabei: Der Wahnsinn von 1908, Phil Mickelson und Tiger Woods - und ein unspielbares Loch.

US Open 1908: Drama um Ernie Way

Wir machen zu Beginn eine Zeitreise ins Jahr 1908, die Älteren werden sich erinnern... Okay, Spaß beiseite: Niemand von uns war so richtig live dabei, aber nach den Überlieferungen muss sich vor 103 Jahren etwas Unfassbares ereignet haben. Etwas, das man sich eigentlich gar nicht vorstellen kann. Ein Spieler hat beim Putten seinen Ball verloren. Wie bitte?

Jeder Golfer weiß, wie leicht man seine Bälle verlieren kann. Aber im Normalfall passiert das vorzugsweise in dichtem Rough, Büschen oder Wasserhindernissen. Wenn man auf dem Grün angekommen ist, fühlt man sich, was das Verlieren von Bällen angeht, doch recht sicher.

Ernie Way ist es aber 1908 dennoch passiert. US-Open-Grüns waren einfach schon immer tückisch. Es passierte auf Loch 4 des Myopia Hunt Club in South Hamilton, Massachusetts. Ein gewisser Mike Brady benötigte 9 Putts auf diesem verdammten Grün, das einer Oberfläche aus Marmor ähnelte. Und für Ernie Way kam es noch schlimmer. Er schätzte die Geschwindigkeit falsch ein und spielte seinen Putt viel zu fest, sodass der Ball den Hügel hinunter in einen Sumpf rollte. Er fand seinen Ball nie wieder.

Übrigens: Den Sieg und damit die Prämie von stolzen 300 Dollar holte sich 1908 Fred McLeod, der mit Runden von 82, 82, 81 und 77 Schlägen tatsächlich in ein Stechen kam und dort Willie Smith besiegte. Unser Freund Ernie Way landete nach Runden von 89, 90, 93 und 84 Schlägen abgeschlagen im Feld. Armer Ernie.

US Open 1962: Let's meet Jack Nicklaus!

Solange Tiger Woods seinen Major-Rekord nicht knackt, und langsam verliert man den Glauben, dass Tiger das noch packt, bleibt Jack Nicklaus der größte Golfer aller Zeiten. Deshalb darf er in dieser Auflistung auch nicht fehlen.

Wir machen einen Sprung ins Jahr 1962, Nicklaus hatte in den Jahren zuvor als Amateur schon an einem Sieg bei der US Open geschnuppert (2. und 4. Platz) und in seiner ersten Saison als Profi war es dann endlich soweit.

Der 22-Jährige erreichte in Oakmont, Pennsylvania, dank einer 69 am Finaltag das Stechen und setzte sich dort gegen Arnold Palmer durch. Dieser hatte das Masters erst im Playoff gewonnen, aber bei der US Open war Nicklaus letztlich zu stark. Nicklaus spielte im Stechen eine 71, Palmer notierte nur die 74.

Auch 1962 gewann schon der Spieler die US Open, der in der Woche am besten puttete. Nicklaus leistete sich in fünf Runden nur einen einzigen Dreiputt, bei Palmer waren es 10.

US Open 1973: Die 63 von Johnny Miller

Johnny Miller ist heutzutage ein überragender TV-Experte - und er ist für die unfassbarste Runde in der US-Open-Historie verantwortlich. Im Jahr 1973 war die US Open wieder in Oakmont zu Gast. Vor der Finalrunde war Miller im Prinzip überhaupt kein Thema, er lag nach einer schwachen 76 an Tag drei nur auf Platz zwölf und hatte sechs Schläge Rückstand auf die Spitze.

Was er dann am Sonntag fabrizieren sollte, war magisch. Miller schoss eine wahnsinnige 63 und holte sich dadurch noch die Championship. Nebenbei überholte der damals 26-Jährige so Sportskameraden wie Jack Nicklaus, Arnold Palmer und Lee Trevino.

Millers Runde war die beste, die jemals bei einer US Open gespielt wurde. Seitdem brachten zwar auch Nicklaus, Tom Weiskopf und Vijay Singh jeweils mal eine 63er-Runde ins Clubhaus, aber keiner von ihnen schaffte es am letzten Tag. Mit einer 63 am Finaltag noch die US Open mit einem Schlag Vorsprung zu gewinnen - das hat Eier.

Und das wird man nie wieder sehen. Wetten, dass? Die USGA war so schockiert darüber, wie dieser Miller ihren Open-Platz zerlegte, dass sie schon im nächsten Jahr reagierte und "meterhohes" Rough installierte. Das Ergebnis war das "Massaker von Winged Food", Hale Irwin siegte mit einem Gesamtscore von sieben über Par.

US Open 1993: John Daly spielt ein Par 5...

Das längste Loch der diesjährigen US Open im Congressional Country Club hat es in sich. Die 9 spielt sich 636 Yards lang, es ist selbst in der heutigen Zeit der Bomber eigentlich ein echtes Three-Shot-Par-5. Mit zwei Schlägen kann man da nicht hinkommen, da kann man vor der Runde noch so viel Spinat essen.

Und die 9 im Congressional Country Club ist nicht mal die längste Bahn, die bei Majors so gespielt wird. Da gibt es ja noch die 17 in Baltusrol. Die misst inzwischen 650 Yards. Bergauf, ist klar. Und wer ist schuld, dass sie so ewig lang ist? John Daly!

JD schaffte bei der US Open 1993, als das Par 5 noch lächerliche 630 Yards lang war, das Kunststück, mit zwei Schlägen das Grün zu erreichen. 325-Yard-Drive, dann ein Eisen 1 aufs Grün, es waren zwei der besten Schläge seines Lebens.

Der Oberwitz: Es gab 1993 neben Daly noch einen anderen, der die Länge hatte, um das Grün in zwei Schlägen zu erreichen: Sandy Lyle. Der Schotte verzog seinen zweiten Hieb nur etwas nach rechts ins Rough.

US Open 1999: Payne Stewart, Gott hab ihn selig!

Die Faust, der Schrei, der Wahnsinn! Payne Stewarts US-Open-Sieg 1999 sollte für immer in die Geschichte eingehen. Stewart war einer der charismatischsten Golfer aller Zeiten - und 1999 holte er sich in Pinehurst einen der dramatischsten US-Open-Titel überhaupt.

De facto war er der Erste, der damals in der 99-jährigen Geschichte an der 18. Bahn in der Finalrunde einen großen Putt lochte, um den Sieg klar zu machen. Stewart lochte aus fünf Metern zum Par und gewann so ein faszinierendes Duell mit Phil Mickelson mit einem Schlag Vorsprung.

Stewart hatte zuvor schon zwei Major-Siege errungen, aber 1999 war seine Karriere im Alter von 42 Jahren eher auf dem absteigenden Ast. Seit der US Open 1991 hatte er nur noch zwei Turniere auf amerikanischem Boden gewonnen.

Vier Monate später starb Stewart bei einem Flugzeugabsturz. Wir vermissen dich bis heute, Payne.

Teil 2: Unfassbares mit Tiger und Phil!

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