Golf

Der Denker mit der beigen Hose

Von Florian Regelmann
Dienstag, 23.06.2009 | 11:42 Uhr
Am 18. Loch in Bethpage hielten tausende Fans den Atem an - und Lucas Glover behielt die Nerven
© Getty

Es herrschte Stimmung wie bei Woodstock und es fehlte nur noch der umjubelte US-Open-Sieg von Phil Mickelson - was für eine traumhafte Geschichte. Lucas Glover machte alles kaputt.  

10. Martin Kaymer und die Majors: Es bleibt dabei: Martin Kaymer wartet weiter auf seinen ersten großen Auftritt auf der Major-Bühne. Der deutsche Shootingstar verpasste in Bethpage Black um einen Schlag den Cut. Wegen eines einzigen Spielers reichte es nicht.

Die Crux: Kaymer machte wieder mal zu wenige Birdies. Zum einen lag das daran, dass er die "gemeine" Seite des Draws hatte und von den Bedingungen benachteiligt wurde. Zum anderen stellte der 24-Jährige aber auch ehrlich fest, dass er den Ball nicht so gut und satt traf, wie er sich das wünscht.

Sicher eine enttäuschende Woche, aber auch kein Grund zur übermäßigen Frustration. Denn es bleibt dabei: Martin Kaymer wird in absehbarer Zeit um Major-Siege mitspielen. Punkt. 

9. Europa gut, aber nicht gut genug: Der Engländer Tony Jacklin (1970) ist nach wie vor der letzte europäische Sieger bei einer US Open. Dennoch Hut ab vor dem Auftreten "unserer" Jungs. Ross Fisher war auf dem fünften Platz der beste. Dessen langes Spiel war Extraklasse, das Putten aber leider so gar nicht.

Aber nicht nur Fisher, auch Sören Hansen, Henrik Stenson, Rory McIlroy und sogar der vom Liebeskummer geplagte Sergio Garcia spielten stark. Auch noch sehr ordentlich in den Top-20 klassierte sich Ian Poulter, der außerdem den Twitter-Orden der Woche verliehen bekommt für seine höchst unterhaltsame Kommentierung der Regenunterbrechungen.

Außerdem war Poulter so nett, während der Finalrunde seinen Matschball zu fotografieren - damit man mal sieht, wie das in Großaufnahme so aussieht. Danke, Poults.

8. Trio of Disaster: Harrington/Els/Casey: Paul Casey: +10! Padraig Harrington: +12! Ernie Els: +15! Hilfe! Gut, Casey und Els hatten praktisch in dem Moment keine Chance mehr, als sie im SPOX-Favoritenranking auftauchten. Aber das ist doch kein Grund, sich gleich so gehen zu lassen, liebe Leute.

Nochmal: Els schien vor den US Open gut in Form. Casey sogar in der Form seines Lebens. Aber was dann geschah? Es war grottig. Bei Harrington ist die Lage noch verwirrender als bei den anderen beiden. Der Ire hatte ja im letzten Jahr die beiden letzten Majors gewonnen. Logisch, dass sich Paddy also im Winter sagte: "So kann es nicht weitergehen! Ich stelle meinen Schwung jetzt mal schön komplett um."

Warum er meint, dass die Änderung seines so erfolgreichen Schwungs langfristig sehr wohl Sinn ergibt, hat er am Rande der US Open ausführlich erklärt. Mal schauen, ob wir jemanden finden, der es verstanden hat.

7. Trevor Murphy vs. Lindsey Vonn: Was die US Open so besonders macht, ist, dass sich jeder (mit einem gewissen Handicap natürlich) für sie qualifizieren kann. Einer, der es schaffte, war Trevor Murphy. Nachdem er zwischenzeitlich weit vorne gelegen war, reichte es für den 24-Jährigen zwar nur zu Rang 58, aber seine Geschichte ist trotzdem bemerkenswert.

Murphy gehörte einmal zu den größten Ski-Hoffnungen der USA und stand im Junioren-Olympia-Kader. Gemeinsam mit einer gewissen Lindsey Vonn, inzwischen die Miss Ski im Weltcup. Ein Kreuzbandriss machte dann aber alle Ski-Pläne zunichte, Murphy konzentrierte sich auf Golf. Bislang mit bescheidenem Erfolg.

Vielleicht sollte er erstmal ein bisschen Golf-Geschichte pauken. "Ich könnte alle Medaillengewinner im Skisport seit Olympia 1988 in Calgary aufzählen, aber wenn Sie mich fragen, wer die US Open vor drei Jahren gewonnen hat, habe ich keinen blassen Schimmer." Die Antwort lautet übrigens Geoff Ogilvy.

6. Kachelmann, hau ab! Was war das denn bitte für ein Wetter?! Es regnete. Und regnete. Und regnete. Zwischenzeitlich hätte Michael Phelps vielleicht seinen Spaß gehabt, durch das "Schwimmbecken" namens Bethpage Black zu kraulen, aber für die Spieler war es nur nervtötend.

Vor allem deshalb, weil alle fünf Minuten im amerikanischen Fernsehen die US-Version von Jörg Kachelmann auftauchte, auf der Wetterkarte herumfuchtelte und ankündigte, dass der nächste Regen schon bald ins "Krisengebiet" kommt und der sowieso noch mal viel schlimmer wird. Ob Spieler oder Fan, alle dachten sich nur: "Kachelmann, hau ab!"

Dass das Turnier am Montag ziemlich reibungslos zu Ende gespielt werden konnte, gleicht bei genauerer Betrachtung einem Wunder. Die größte Frechheit des Wettergotts: In Turnberry, wo im Juli die British Open stattfinden, herrschte Traumwetter. Wetten, dass es dort in vier Wochen wie aus Kübeln schiffen und es John Daly aus der Hose wehen wird.

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