Fussball

Aus für Brasiliens Scolari

SID
Luis Felipe Scolari ist Medienberichten zufolge nicht mehr Trainer der brasilianischen Mannschaft
© getty

Rekord-Weltmeister Brasilien wird seinen sportlichen Neuanfang wohl ohne Luiz Felipe Scolari starten. Der 65-Jährige soll seine Koffer packen.

Während sich Deutschland im mythischen Maracana-Stadion von Rio de Janeiro den vierten Stern holte, bastelte WM-Gastgeber Brasilien nach dem am Ende desaströsen Abschneiden der Selecao und zwei Pleiten mit 1:10 Toren zum Abschluss der WM in einer Krisensitzung an der sportlichen Zukunft.

Das erste Ergebnis scheint festzustehen: Cheftrainer Luiz Felipe Scolari soll nicht mehr weitermachen.

Der brasilianische Fußball-Verband CBF hat sich nach übereinstimmenden Medienberichten entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem 65-Jährigen nach der WM im eigenen Land nicht fortzusetzen. Nach dem 0:3 im Spiel um Platz 3 gegen die Niederlande am vergangenen Samstag in Brasilia hatte Scolari erklärt, er überlasse die Entscheidung über seine Zukunft der CBF-Führung.

"Felipao", der Mann, der Brasilien 2002 in Yokohama zum 2:0 im Endspiel gegen Deutschland zum fünften Titel geführt hatte, genießt keine Rückendeckung mehr.

Tite oder Gallo als Nachfolger?

Der neue Nationaltrainer wird Brasilien auf die Copa América im kommenden Jahr in Chile und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro vorbereiten. Als aussichtsreichste Kandidaten werden Tite, Klubweltmeister 2012 mit dem SC Corinthians aus São Paulo, sowie der derzeitige Juniorencoach Alexandre Gallo gehandelt.

Die vogelwilden Auftritte der erfolgverwöhnten brasilianischen Elf beim 1:7-Desaster im Halbfinale gegen Deutschland haben tiefe Spuren hinterlassen. Der Ausfall von Neymar (Bruch des Querfortsatzes des drtten Lendenwirbels) wird nur noch bedingt als Entschuldigung angeführt. Die Abkehr vom "Jogo bonito", dem schönen Spiel, das Brasilien immer ausgezeichnet hat, wird Scolari zur Last gelegt.

Welche Dimension die Pleite des fünfmaligen WM-Champions, der sich am Ende der Lächerlichkeit preisgab, in Brasilien hat, zeigt auch, dass sich sogar Staatspräsidentin Dilma Rousseff mit starken Worten zur Selecao zu Wort meldete. "Wir wissen die Lektionen zu nutzen, um unseren Fußball noch weiter zu verbessern, innerhalb und außerhalb der Stadien", schrieb die Regierungschefin in einem offenen Brief zum Abschluss der WM.

Rousseff setzt dabei auf das Prinzip Hoffnung: "Ihr und der brasilianische Fußball seid größer als diese vorübergehenden Resultate."

Kein Vertrauen mehr in Scolari

Scolari wird indes nicht mehr zugetraut, das Steuer herumzureißen. Seine Methoden gelten als veraltet. "Felipao" war Ende 2012 als Nachfolger des geschassten Mano Menezes zurückgeholt worden, um den Traum von der Hexa zu verwirklichen. Nach dem Triumph beim Confed Cup 2013 hofften die 200 Millionen Brasilianer, dass sich die Selecao bei der ersten WM in Brasilien nach 64 Jahren endlich wieder zum Weltmeister kürt. Aber die einstigen Ballzauberer spielten unter Scolari Rumpelfußball, lediglich Neymar konnte ab und an Glanzlichter setzen.

In seiner zweiten Amtszeit kam Scolari auf 19 Siege in 29 Spielen. Neben dem Chefcoach müssen wohl auch Carlos Alberto Parreira als Technischer Direktor der Seleção sowie der komplette Trainerstab gehen. Die offizielle Verkündung der Trennungen durch CBF-Präsident José Maria Marin war für Montag erwartet worden.

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