1950: Wenn 200.000 Puppen schweigen

SID
Sonntag, 25.05.2014 | 17:27 Uhr
Uruguay gewann 1950 die einzige WM, die durch eine Gruppenphase entschieden wurde
© imago
Advertisement
PDC World Championship
Do14.12.
Wahnsinn im Ally Pally:
Die Darts-WM auf DAZN
Bundesliga
MiJetzt
FCB - KÖL: Alle Highlights vom Mittwoch
Copa Sudamericana
Live
Flamengo -
Independiente
Indian Super League
Pune -
Bengaluru
Coppa Italia
Lazio -
Cittadella
A-League
FC Sydney -
Melbourne City
Indian Super League
Kerala -
NorthEast Utd
Ligue 1
St. Etienne -
Monaco
Championship
Sheffield Wed -
Wolverhampton
Primera División
Sevilla -
Levante
Premier League
Leicester -
Crystal Palace
Premiership
Aberdeen -
Hibernian
Serie A
Inter Mailand -
Udinese
Premier League
Arsenal -
Newcastle
Championship
Sunderland -
Fulham
Primera División
Bilbao -
Real Sociedad
Ligue 1
Rennes -
PSG
Serie A
FC Turin -
Neapel
Premier League
Man City -
Tottenham
Primera División
Eibar -
Valencia
Championship
Cardiff -
Hull
Ligue 1
Caen -
Guingamp
Ligue 1
Dijon -
Lille
Ligue 1
Montpellier -
Metz
Ligue 1
Straßburg -
Toulouse
Ligue 1
Troyes -
Amiens
Premier League
Chelsea -
Southampton (Delayed)
Primera División
Atletico Madrid -
Alaves
Serie A
AS Rom -
Cagliari
Premier League
Stoke -
West Ham (Delayed)
Premier League
Brighton -
Burnley (DELAYED)
Premier League
Watford -
Huddersfield (DELAYED)
Primera División
Girona -
Getafe
Eredivisie
Sparta -
Feyenoord
Serie A
Hellas Verona -
AC Mailand
Eredivisie
Alkmaar -
Ajax
First Division A
Brügge -
Anderlecht
Ligue 1
Nantes -
Angers
Serie A
Bologna -
Juventus
Serie A
Crotone -
Chievo Verona
Serie A
Florenz -
Genua
Serie A
Sampdoria -
Sassuolo
Premier League
West Bromwich -
Man United
Primera División
Celta Vigo -
Villarreal
Ligue 1
Nizza -
Bordeaux
Premier League
Bournemouth -
Liverpool
Serie A
Benevento -
SPAL
Primera División
Las Palmas -
Espanyol
Primeira Liga
Sporting -
Portimonense
Primera División
Barcelona -
La Coruna
Serie A
Atalanta -
Lazio
Ligue 1
Lyon -
Marseille
Premier League
Everton -
Swansea
Primera División
Malaga -
Real Betis
Primeira Liga
Porto -
Maritimo
League Cup
Arsenal -
West Ham
League Cup
Leicester -
Man City
Coppa Italia
Neapel -
Udinese
Primera División
Levante -
Leganes
Coppa Italia
AS Rom -
FC Turin
Primera División
Getafe -
Las Palmas
First Division A
Mechelen -
Brügge
Coppa Italia
Juventus -
Genua
League Cup
Chelsea -
Bournemouth
Ligue 1
Amiens -
Nantes
Ligue 1
Angers -
Dijon
Ligue 1
Bordeaux -
Montpellier
Ligue 1
Guingamp -
St. Etienne
Ligue 1
Lille -
Nizza
Ligue 1
Marseille -
Troyes
Ligue 1
Metz -
Straßburg
Ligue 1
Monaco -
Rennes
Ligue 1
PSG -
Caen
Ligue 1
Toulouse -
Lyon
League Cup
Bristol City -
Man United
Primera División
Real Sociedad -
Sevilla
Indian Super League
Bengaluru -
Jamshedpur
Primera División
Eibar -
Girona
Primera División
Alaves -
Malaga
Indian Super League
Chennai -
Kerala
Serie A
Chievo Verona -
Bologna
Primera División
Real Betis -
Bilbao
Premier League
Arsenal -
Liverpool
Serie A
Cagliari -
Florenz
Primera División
Espanyol -
Atletico Madrid
A-League
Melbourne City -
Melbourne Victory
Serie A
Lazio -
Crotone
Primera División
Real Madrid -
Barcelona
Premier League
Everton -
Chelsea
Premiership
Kilmarnock -
Rangers
Serie A
Genua -
Benevento
Serie A
Neapel -
Sampdoria
Serie A
Sassuolo -
Inter Mailand
Serie A
SPAL -
FC Turin
Serie A
Udinese -
Hellas Verona
Premier League
Man City -
Bournemouth
Championship
Sheffield Wed -
Middlesbrough
Primera División
Valencia -
Villarreal
Serie A
AC Mailand -
Atalanta
Premier League
Burnley -
Tottenham
Primera División
La Coruna -
Celta Vigo
Championship
Aston Villa -
Sheffield Utd
Eredivisie
PSV -
Vitesse
Premier League
Leicester -
Man United
Serie A
Juventus -
AS Rom
Premier League
Brighton -
Watford (DELAYED)
Premier League
West Ham -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Crystal Palace (DELAYED)
Premier League
Stoke -
West Bromwich (DELAYED)
Premier League
Southampton -
Huddersfield (DELAYED)
Eredivisie
Ajax -
Willem II
Premier League
Tottenham -
Southampton
Premier League
Boxing Day -
Die Konferenz
Championship
Birmingham -
Norwich
Championship
Burton Albion -
Leeds
Premier League
Liverpool -
Swansea
Premier League
Man United -
Burnley (DELAYED)
First Division A
Anderlecht -
Gent
Championship
Brentford -
Aston Villa
Premier League
West Bromwich -
Everton (DELAYED)
Premier League
Huddersfield -
Stoke (DELAYED)
Premier League
Watford -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Chelsea -
Brighton (DELAYED)
Premier League
Bournemouth -
West Ham (DELAYED)
Premiership
Hearts – Hibernian

Am 12. Juni beginnt die WM 2014 in Brasilien. GO!Brasil-Experte Uwe Morawe blickt für SPOX in 19 gewohnt launigen Kolumnen auf die WM-Geschichte zurück. Folge 4, die WM 1950 in Brasilien: Bepinkelte Zeitungen, Uruguay als Fußabtreter und die berühmteste Samba der Welt.

Das kann doch nicht wahr sein. Obdulio Varela kam dieser Ohrwurm nicht aus dem Sinn. Blick auf den Wecker, 20 Minuten nach sechs. Die Nacht kaum geschlafen. Und dann doch bitteschön alles, aber nicht dieses Lied. Die berühmteste Samba der Welt: BRASIIIIL...dadadadadadadadaaa...dadadadadadadada...BRASIIIIL!

Bauchlage, Seitenlage, Rückenlage, hoffnungslos. Halb sieben, der Kapitän Uruguays schälte sich aus dem Hotelbett. Beine vertreten, und vor allem den Kopf frei bekommen. Ba..ba..baaa...baba..bambambam!

Bereits jetzt vor dem Morgengrauen des 16. Juli 1950 war die Avenida Atlantica an der Copacabana voller Menschen. Menschen voll Vorfreude.

Wie auf der Schlachtbank

Nur Obdulio Varela lief einen unpassenden Schlager summend mit Faust in der Tasche die Promenade hinunter. BRASIIIlL! Er fühlte sich wie ein Schaf auf dem Weg zur Schlachtbank. Das Schlachthaus hieß Maracana, der Termin war auf 15 Uhr angesetzt. Das letzte entscheidende Spiel der WM.

Brasilien hatte in der Endrunde bambambam Samba getanzt und Spanien sowie Schweden mit 6:1 und 7:1 vom Parkett gefegt. Uruguay sich gegen die selben Gegner zu einem 2:2 und einem späten 3:2 gequält. Gegen Schweden in Sao Paulo vor gerade mal 8.000 Zuschauern. Heute würden bei ihrer Hinrichtung über 200.000 im Stadion sein.

Da sah er sie im Aushang eines Kiosk. Die heutigen Ausgaben der Zeitungen. BRASIL CAMPEAO! Varela fasste es nicht. Zornesader Hilfsausdruck. Die warteten das Spiel nicht einmal ab. Glaubten die denn, Uruguay wäre nur ein Fußabtreter, oder was?

Jenes stolze Uruguay, dass die Weltturniere von 1924 bis 1930 dominiert hatte. Jenes tolerante Uruguay, in dem damals schon Schwarze und Weiße Seite an Seite Titel errangen, als sich in Brasilien Arthur Friedenreich, der einzige schwarze Fußballstar, bei Staatsempfängen noch weiße Kreide ins Gesicht schmieren und die Haare glätten musste.

Urinieren auf die Zeitung

Immerhin, der unerträgliche Ohrwurm war mit einem Schlag verschwunden. Eine halbe Stunde später versammelte Varela die gesamte Mannschaft auf seinem Hotelzimmer. Eine Ansprache war kaum nötig. El Negro Jefe, wie Varela respektvoll aufgrund seiner afrikanisch-spanischen Herkunft genannt wurde, öffnete nur das Badezimmer. Dort hatte der schwarze Chef 30 bis 40 Zeitungen ausgelegt.

Jeder im Team wusste, was verlangt war. Einer für alle, alle für einen. Nacheinander holten die Spieler ihren persönlichen Degen heraus und urinierten auf die fette Schlagzeile. Varela als Letzter. Schon als kleiner Junge hatte er sich Geld als Zeitungsbote dazu verdient. Sein damaliger Boss hatte immer gemeint, dass einzig Wahre in einer Zeitung sei das Datum obendrauf. Sein damaliger Boss war ein kluger Mann.

Auf dem Weg ins Stadion musste im Mannschaftsbus jeder Einzelne immer wieder grinsen. Hatten sie das da eben wirklich gemacht? Varela spürte, diese Elf hatte nichts mit einer Schafherde gemeinsam.

Varela kontra Trainer

Die perfekte Mischung aus Entschlossenheit und Lockerheit. Eine Stunde noch bis zum Anpfiff. Der Vizepräsident des Fußballverbandes kam in die Kabine: "Lasst es nicht zur Katastrophe kommen. Drei oder vier Gegentore wären vertretbar, aber bitte keine sechs oder sieben, bitte!" Als der rundliche Herr wieder draußen war, zischelte Mittelstürmer Miguez: "Was war denn das für'n Pisser!?" Erneutes Dauergrinsen...

Letzte Teambesprechung. Trainer Juan Lopez wiederholte noch einmal die geplante Vorgehensweise. Hinten einigeln, die Brasilianer kommen lassen, vorne versuchen Ecken und Freistösse herauszuarbeiten. Bevor es rausging noch ein Mannschaftskreis - und Kapitän Varela schmiss im letzten Moment alles um: "Unser Trainer Juancito ist ein guter Trainer. Aber heute liegt er falsch. Wenn wir defensiv spielen, werden wir untergehen wie alle anderen zuvor. Spielt mutig nach vorne. Und das Wichtigste: blendet die Kulisse aus. Das Publikum sind Schaufensterpuppen. Zugegeben, 200.000 Puppen, aber sie können Euch nichts tun."

Seite 1: Die berühmteste Samba der Welt und Uruguay als Fußabtreter

Seite 2: Varela wird zum Buhmann und brasilianische Stille

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung