Montag, 28.06.2010

WM 2010

Frankreichs Verbandschef zurückgetreten

Frankreichs Verbandspräsident Präsident Jean-Pierre Escalettes hat Konsequenzen aus der Chaos-WM in Südafrika gezogen. "Es ist meine Pflicht, zurückzutreten", teilte Escalettes mit.

Jean-Pierre Escalettes (l.) war seit 2005 Präsident des französischen Fußballverbandes
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Jean-Pierre Escalettes (l.) war seit 2005 Präsident des französischen Fußballverbandes

Frankreichs Krise hat ein erstes Bauernopfer gefordert: Nach der Chaos-WM in Südafrika ist am Montag der französische Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes abgetreten.

"Es ist meine Pflicht, als Präsident des französischen Verbandes zurückzutreten", teilte Escalettes in einer Erklärung mit und übernahm die Verantwortung für die schmähliche Vorstellung der französischen Auswahl um Bayern-Star Franck Ribery am Kap.

Die Equipe Tricolore, Weltmeister von 1998, war unter skandalösen Umständen bereits in der Vorrunde gescheitert. In der Halbzeitpause des Gruppenspiels gegen Mexiko hatte Stürmer Nicolas Anelka Trainer Raymond Domenech schwer beleidigt.

Politik mischte sich direkt ein

Der England-Profi vom FC Chelsea war daraufhin vom Verband vorzeitig nach Hause geschickt worden. Aus Protest gegen diese Maßnahme der Funktionäre traten die Spieler bei einem öffentlichen Training in den Streik. Domenech soll durch Ex-Nationalspieler Laurent Blanc ersetzt werden, der Wunschkandidat von Escalettes war.

Die skandalösen Umstände des Scheiterns bei der ersten Endrunde auf dem Schwarzen Kontinent hatten nicht nur sportlich für ein Erdbeben in der Grande Nation gesorgt.

Die Politiker sahen sich nicht nur bemüßigt, ihren Senf zum Debakel des Vize-Weltmeisters dazuzugeben. Es fand sogar eine direkte Einmischung statt, denn Frankreichs Sportministerin Roselyne Bachelot hatte erklärt, ein Rücktritt des 75-jährigen Escalettes sei "unvermeidlich".

Sarkozy sagte Treffen vor G20-Gipfel ab

Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte für ein Gespräch mit Nationalspieler Thierry Henry sogar ein Treffen mit Hilfsorganisationen zur Vorbereitung des G20-Gipfels abgesagt. Außerdem berief Sarkozy für Oktober eine Generalversammlung des französischen Fußballs ein.

Nachdem die Politik massiv Druck auf Escalettes ausgeübt hatte, war der Weltverband FIFA eingeschritten und sprach eine deutliche Warnung aus.

Escalettes zieht persönliche Konsequenzen

"Ich habe der französischen Sportministerin gesagt, dass sie vorsichtig sein soll. Kein Politiker kann einen Sportfunktionär zum Rücktritt zwingen. Wir schauen genau hin. Das gilt für Frankreich genauso wie für jedes andere Land", hatte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, selbst ein Franzose, am Wochenende in Johannesburg gesagt.

Die Autonomie der Nationalverbände ist laut FIFA unantastbar, eine "Lex France" darf es deshalb nicht geben. "Es wird nicht mit zweierlei Maß gemessen, weil es sich um ein europäisches Land handelt", sagte Valcke.

Escalettes ist laut eigenen Angaben nach reiflichen Überlegungen am Wochenende zu dem Schluss gekommen, persönliche Konsequenzen aus dem WM-Desaster der französischen Auswahl zu ziehen und stellte seinen Posten zur Verfügung.

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